Schulen ans Netz

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Unter der Schirmherrschaft von Dr. Jürgen Rüttgers, dem Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technik, wurde die Initiative `Schulen ans Netz´ am 18. April offiziell gestartet. Neben den 23 Millionen Mark, die Rüttgers Ministerium (bmb+f) bereitstellt, fördern zahlreiche Unternehmen den geplanten Anschluß deutscher Schulen an das Internet.

Ursprünglich geht die Initiative auf eine Studie von Prof. Dr. Rainer Busch von der Gesellschaft für Informatik zurück, welche die dringende Notwendigkeit aufzeigt, allen deutschen Schulen und Bildungseinrichtungen schnellstmöglich den Zugang zum Internet zu gewähren [c't 04/96, S. 80]. Busch setzte sich für diese Idee ein und konnte schließlich den Bildungsminister und zahlreiche Unternehmen der Kommunikationsindustrie zur Mitarbeit gewinnen.

Als die Initiative dann Mitte April in Bonn der Öffentlichkeit präsentiert wurde, schien es sich dann um eine Idee des Bildungsministers und der Deutschen Telekom zu handeln: Schulter an Schulter präsentierten Minister Rüttgers und der Telekom-Vorstandsvorsitzende Dr. Ron Sommer `ihre Initiative´. Sommer beklagte in seiner Ansprache den Zustand, daß noch nicht einmal 50 von über 3000 Gymnasien bislang Zugriff auf T-Online und das Internet hätten. Die Tatsache, daß der T-Online-Mitbewerber AOL und der Internet-Provider DFN ebenfalls kostenlose Zugänge für Schulen bereitstellen, ließ er unerwähnt.

Während die Telekom in den kommenden drei Jahren die Initiative mit 36 Millionen Mark in Form von Geld- und Sachleistungen (Anschluß an das ISDN-Netz und Übernahme der Gebühren) fördern wird, veranschlagt Novell seine Unterstützung mit 192 Millionen. Sie besteht aus einem Softwarepaket mit NetWare 4.1, LAN Work-Group, GroupWise, NetWare Connect 2.0, NetWare Branch Link Router, NetWare Web Server, NetWare IP Gateway und Manage-Wise, für das Schulen nur 799 DM zahlen sollen. Zusätzlich beinhaltet das Angebot das kostenlose Update aller Produkte bis zum Jahr 2000 und Lehrerfortbildungsmaßnahmen.

Dennoch blieb es auf der Bonner Konferenz bei einer Randnotiz zu Novells Engagement. Ebenso erging es allen anderen Sponsoren, wie etwa Oracle, die den Aufbau eines deutschen Bildungsservers, zehn Schulserver und 5000 Schulen im Wert von rund 7 Millionen Mark unterstĂĽtzen wollen. Bislang noch unbeteiligt an der Initiative ist die Hardware-Industrie.

Doch den Schulen dürfte es egal sein, wer ihnen den Zutritt zur Informationsgesellschaft ermöglicht. Wichtiger ist das wie: Nachdem laut Rüttgers im Vorfeld der Initiative bereits 1800 Schulen angefragt hatten, läuft nun eine offizielle Bewerbungsfrist bis zum 15. Juni dieses Jahres. Interessierte Schulen können die Unterlagen schriftlich, per Fax oder EMail in Bonn anfordern (Schulen ans Netz, Oberkasseler Str. 2, 53227 Bonn, 02 28/700 48 67, buero@san-ev.de). Außerdem betreibt die Initiative einen WWW-Server: www.san-ev.de.

Die Bewerbungsunterlagen enthalten ein siebenseitiges Antragsformular, auf dem die Schulen über geplante Projekte und die benötigte Ausstattung Auskunft geben müssen. Nach Ablauf der Frist wird eine Expertenrunde des bmb+f aus allen eingegangen Anträgen 10 000 förderwürdige Schulen auswählen. Die Entscheidung soll bis Ende Juli getroffen sein, so daß die Schulen zu Beginn des neuen Schuljahrs die gewährten Fördermittel bereits zur Verfügung haben.

c't wird übrigens die in 04/96, S. 80 beschriebene, auf die Bedürfnisse von Schulen abgestimmte Software-Komplettlösung für einen Internet-Zugang unabhängig von den im Bonner Auswahlverfahren getroffenen Entscheidungen verteilen. (ad) (ad)