VerstoĂźen

Die Alarmglocken schrillten schon kurz vor der CeBIT: Escom war in schweres Wetter geraten und mit ihm auch die Tochtergesellschaft Amiga Technologies.

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Am 11. April gaben die Heppenheimer ESCOM AG und die Chicagoer Visual Information Services Corporation (VIScorp) die Übernahmepläne bekannt. 'Der geplante Kauf ist Teil der VIScorp-Strategie, die sich die Marktführung in dem schnell wachsenden ITV-Bereich zum Ziel gesetzt hat', erläuterte William Buck, der Vorstandsvorsitzende von VIScorp. Die Amerikaner entwickeln und produzieren ohnehin schon interaktive Set-Top-Boxen auf Amiga-Basis, seit Januar mit internationalen Lizenzrechten zum 'Adaptieren, Verwenden, Lizenzieren und Distribuieren' der Amiga-Technologie.

Escom zieht sich hingegen ein Jahr nach dem spektakulären Amiga-Kauf und vollmundigen Versprechungen auf sein Kerngeschäft, den Computer-Einzelhandel, zurück. Nach der Absichtserklärung wird VIScorp die Amiga Technologies GmbH mit dem geistigen Eigentum der ehemaligen Commodore für etwa 40 Millionen Dollar von Escom erwerben. Ausgenommen hiervon seien Commodore-Markenrechte. Vorteile für VIScorp sieht Buck im direkten Zugriff auf Amiga-Einrichtungen und sowohl Liefer- als auch Vertriebswege. Beide Aufsichtsräte müssen allerdings noch zustimmen. Eine für den 24. April in Frankfurt anberaumte Pressekonferenz wurde jedenfalls verschoben, vorläufig auf Ende Mai.

Besonders diesseits des großen Teiches rief die Entscheidung unter den Anwendern Irritationen hervor. Viele fürchten die Verkümmerung der Amiga-Patente und -Technologie zur reinen Set-Top-Box. Sowohl Escom als auch VIScorp werden aber nicht müde zu versichern, daß man erneut Großes mit dem Potential vorhabe. Unter anderem will man auch den europäischen Vertrieb der Amiga-Modelle A4000T und A1200 und derzeitig laufende Projekte der Amiga Technologies GmbH weiterführen.

In der Tat spricht manches für 'ehrliche Absichten' der Aufkäufer. Carl Sassenrath, Software-Entwicklungsleiter bei VIScorp, gehört beispielsweise zu den Vätern des Amiga-Betriebssystems, das ja noch vor der glücklosen Commodore-Ägide entstanden war.

Weiter heißt es auch in der Presseerklärung: 'Für die Amiga Technologies GmbH bedeutet die angestrebte Übernahme durch VIScorp den Vorteil, das Potential aus Forschung und Entwicklung eines mit der Amiga-Technologie arbeitenden Unternehmens nutzen zu können.' Es scheint, als könne das - mit den Ingenieuren - in den Staaten verbliebene Amiga-Know-how wieder dem Produkt zufließen.

Wie das mit dem hierzulande mittlerweile aufgebauten Potential harmonieren wird - mit Phase V sei eine der zuletzt maßgeblichen Hardware-Schmieden genannt -, steht in den Sternen. Einiges deutet auf eine Gabelung hin. In Immendingen strickt die Software-Schmiede ProDAD am Amiga-kompatiblen Betriebssystem p-OS, und die Wittener Firma MacroSystem hat ja bereits vor längerem den Amiga-Clone DraCo entwickelt - diese beiden deutschen Zweige fließen vielleicht zusammen. (dz) (dz)