Aus der Talsohle
Noch nie war Speicher billiger als im Juli 1996. Wer DRAM kaufen will, sollte allerdings nicht darauf spekulieren, daß die Talfahrt der Preise andauert. Es mehren sich die Anzeichen für Preissteigerungen.
- Georg Schnurer
Die Entwicklung auf dem DRAM-Markt ist seit jeher von heftigen Preisausschlägen gekennzeichnet, deren Ursachen oftmals Rätsel aufgeben. Seit dem sensationellen Tiefststand (45 DM/MByte) im Oktober 1992 sind die Produktionskapazitäten der DRAM-Hersteller kontinuierlich gestiegen. Die Nachfrage folgte diesem Wachstum bis in den August 93 hinein, was als Begründung für einen Preisanstieg auf gut 60 DM/MByte herhalten mußte.
Ein Unfall bei Sumitomo Chemicals, dem größten Produzenten des für Chip-Gehäuse benötigten Epoxydharzes, diente anschließend als Vorwand für eine regelrechte Preisexplosion. Innerhalb von wenigen Tagen stiegen die Kosten für DRAM auf dem Spotmarkt um mehr als 300 Prozent. Die langfristigen Folgen dieser Turbulenz reichten bis zum Jahreswechsel 93/94. Erst danach gaben die Preise langsam nach. Es sollten aber noch gut drei Jahre vergehen, bis im Februar 1996 erneut die 45-DM/MByte-Grenze unterschritten wurde.
In den folgenden fünf Monaten brach der Preis dann auf unter 16 DM/MByte ein. Hintergrund dafür war das Überangebot von Chips. Beinahe jeder DRAM-Produzent hatte in den letzten Jahren seine Fertigungskapazitäten enorm erweitert, ohne daß der Markt die vielen neuen Chips aufnehmen konnte. Auslöser des rapiden Preisverfalls waren aber Abverkäufe einiger PC-Hersteller, die enorme Mengen gehortet hatten.
Einige RAM-Produzenten sind allerdings nicht gewillt, weiterhin mit ruinösen 16 DM/MByte zu leben. Man will vielmehr durch Produktionssenkungen eine Preisstabilisierung auf höherem Niveau erzwingen. Als erster hat Samsung reagiert und seine Produktion im letzten Monat um 14 Prozent gesenkt. Hyundai zog nach und verringerte den Ausstoß bei 16-MBit-DRAMs um 22 Prozent. Der dritte Koreaner im Bunde, Lucky Goldstar, will dagegen seine Produktion ausbauen. Andere, etwa Siemens und Texas Instruments, warten erst einmal ab.
Unterdessen griff der amerikanische DRAM-Hersteller Micron zum großen Hammer: Er beantragte beim US Commerce Department eine Dumping-Prüfung für die in den USA verkauften Speicher von Hyundai und Goldstar. Man habe, so Micron-CEO Steve Appleton, starke Hinweise darauf, daß Hyundai und Goldstar Chips unterhalb der Produktionskosten verkaufen würden. Wenn das Commerce Department Microns Argumentation folgt, sind an den US-Grenzen Strafzölle fällig. Die EG wird dann vermutlich nachziehen.
Schnell kaufen!
Die Produktionssenkungen und die drohenden Strafzölle zeigen auf dem Spotmarkt bereits erste Folgen. So stieg der RAM-Preis Anfang Juli bereits um sechs Prozent an. Wer also noch etwas Platz für RAM in seinem Rechner hat, tut gut daran, seine Einkäufe schnell zu erledigen. Weitere Preissteigerungen scheinen angesichts der Produktionseinschränkungen und der weiterhin guten Nachfrage sicher. Experten gehen sogar davon aus, daß der Speichermarkt in diesem Jahr um gut 70 Prozent wächst. Bei steigenden Preisen können sich die jetzt noch stöhnenden DRAM-Hersteller also auf ein gutes Geschäft freuen. (gs) (gs)