Bunt wie Multimedia

und Dienstleister unter einem Dach. Die 'Digital Media World' vereinte Hersteller aus dem DTP-, Print- und Prepress-Bereich, CD-ROM- und Internet-Publisher, Produktionsstudios, Werbeagenturen, Online-Dienstleister, Datenbankanbieter und Spezialisten fĂĽr Computeranimation/Special Effects.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Manfred Bertuch

Lokalmatadore wie Pixelpark, Fritsch & Friends und die Silicon Studios Berlin-Adlershof waren ebenso vertreten wie die internationalen Größen Agfa, Apple, Avid, Canon, Linotype-Hell, Oracle, Softimage und Sun. Das High-Tech-Center in Potsdam-Babelsberg, 'Digitales Wasserloch für die kreativen Nomaden auf der Infobahn', bietet einen Renderservice auf eigenem Supercomputer an und vermietet alle Arten von Multimedia-, Postproduction- und Studiotechnik. Messeattraktion war das virtuelle Studio, das auf einer speziellen Bluebox und einer Entwicklung des israelischen Herstellers Orad basiert. Das System Cyberset errechnet Kamera- und Objektivparameter mit Hilfe optischer Mustererkennung auf einem Parallelrechner (30 Milliarden Operationen/s). Störanfällige Sensoren an den Kameras werden damit überflüssig.

Bei Sun gab es MediaServer auf Basis einer SparcStation 20 (circa 150 000 DM) nebst einem Echtzeit-MPEG-II-Encoder 'Compressionist 200' von Minerva (120 000 US-$) zu sehen. Der Encoder läßt gleich 14 Spezialchips von C-Cube parallel arbeiten und erzeugt hochwertiges MPEG-Video mit Datenraten bis 15 MBit/s. Eine als Video-Workstation eingesetzte Sun Ultra dekodiert zwei MPEG-II-Ströme mit je 4 MBit/s in Software.

Trend bei Add-on-Hardware für Videodigitalisierung und -Bearbeitung mit Macintosh und PC sind Zusatzprozessoren für die Berechnung von Trickblenden und Filterungen (Targa 2000 von ComLine und Media 100 von Data Translation). Die speziellen Signalprozessoren können diese Effekte in Preview-Qualität sogar in Echtzeit erzeugen. Da keine Vorberechnung mehr nötig ist, lassen sich beliebig viele Variationen ohne lästige Wartezeiten ausprobieren.

Parallel zur Messe fand der '1. Deutsche Entwickler- und Produzentenkongreß für digitale Medien- und Multimedia-Produktion' statt. Es ging um neue Prepress-Technik, Audio/Video-Storytelling, Authoring, Special Effects aus dem Grafikcomputerbereich und vor allem um Internet-Themen, denn alle wollen zum Net-Set gehören. Diskutiert wurden Sicherheitsaspekte, Online-Zahlungsverkehr und Bandbreitenproblematik in Hinblick auf die werbliche und gewerbliche Nutzung des Internet. Der Generalangriff der Kommerziellen ist im vollen Gange. So sorgt sich bereits der Deutsche Multimedia Verband in München um die Interessen der Branche. Im Verein mit mehreren Marktforschungsinstituten (OWM, Nielsen Werbeforschung S+P und GfK) stellte er Richtlinien für das Web-Tracking vor, um eine einheitliche Zählweise für Zugriffe auf Web-Seiten zu gewährleisten. Basis ist der sogenannte 'qualifizierte Zugriff', bei dem der Abruf vollständig inklusive aller Grafiken erfolgen muß. Für eine Einbeziehung der Zugriffe auf zwischengespeicherten Seiten (Proxy-Server-Caching, local Caching) sieht man derzeit keine praktikable Lösung.

Und welche Perspektiven ergeben sich aus der umgekehrten Kostenlast des Web-Publishing? Verleger müssen nicht länger Tonnen von teurem Papier bedrucken, der Leser zahlt für den Zugriff und den Druck.

Einig ist man sich, daß es noch keine profitable Form des Internet-Engangements gibt; anders liegt der Fall bei der CD-ROM. Hier hat sich ein stabiler und wachsender Markt gebildet. Der Branchendienst 'Multimedia' zählte im letzten Jahr immerhin 800 Produktionsfirmen mit im Mittel 8,7 Arbeitsplätzen und 2,6 Millionen DM Jahresumsatz. In diesem Jahr soll sich die Zahl der Unternehmen verdoppeln. Läßt man einmal Spiele und die Flut der fragwürdigen Silberscheiben außer acht, kamen in Deutschland im letzten Jahr etwa 1000 CD-ROM-Titel auf den Markt. Für dieses Jahr schätzt der Branchendienst 2000 Neuerscheinungen mit einer mittleren Auflage von 10 000 Stück. Im Vorjahr lag diese noch bei 6000 Stück.

Um Zahlenmaterial war man auf den Podien nicht verlegen: In 1994 wurde mit Multimedia-Titeln, Präsentationen und Installationen insgesamt 440 Millionen DM umgesetzt. Im Jahr 2000 soll sich das Multimedia-Geschäft bereits auf 13 Milliarden DM summieren. Europaweit rechnet man zu diesem Zeitpunkt mit einem Umsatz von 58 Milliarden DM und 5 bis 10 Millionen neuer Arbeitsplätze.

Trotz des bevorstehenden Wirtschaftswunders hielt sich der Ansturm auf die 250 Aussteller der ersten Messe von und für Multimedia-Produzenten in Grenzen (Tageskarte 50 DM). Die 20 000 Fachbesucher verliefen sich in den Hallen und man hatte viel Zeit füreinander. Aber die Veranstalter waren zufrieden und sahen ihre Erwartungen erfüllt - es waren nämlich die richtigen Leute da. In zwei Jahren will man sich wieder treffen. (ku) (ha)