Das intelligente Haus

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Von
  • Bernd Behr

Auch wenn die Veranstaltung eher zur Techno-Party geriet, ist eine CeBIT Home auch das Forum für elektronische Haussteuerung. Siemens und Bosch Telecom zeigten ihre aufwendigen Systeme, die vorrangig auf die Sicherheitstechnik zielen (Beispiel Alarmanlage und Heizungsüberwachung). Siemens verwendet für ihr Home Electronic System (HES) den sogenannten 'instabus', eine verdrahtete Vernetzung haustechnischer Geräte. Der instabus folgt den Richtlinien der EIBA (European Installation Bus Association), die mit dem EIB einen Standard für die Gebäudetechnik definieren will.

Die zentrale Steuerung übernimmt beim HES ein multimediafähiger PC, von dem nur ein Touchscreen sichtbar ist. An diesem läßt sich Telefonieren, Homebanking betreiben oder das Licht regeln. Es soll in Zukunft auch steuerbare Hausgeräte von Siemens geben, denn das ist die Voraussetzung, diese müssen eine HES-Schnittstelle besitzen. Die Lieferbarkeit der bisher fertigen Komponenten soll sich noch bis ins Jahr 1997 hinein ziehen.

Auch Bosch Telecom verweist auf das nächste Jahr. Ihr System Domotik besitzt keine zentrale Steuerung, sondern intelligente Einzelkomponenten. Es basiert ebenfalls auf dem European Installation Bus, und kann flexibel über Draht, über Funk oder über das Stromnetz vernetzt werden. Beide Systeme sind für den Benutzer nicht transparent: zur Installation, aber auch für jede Programmierung und Änderung muß der Elektrofachmann bemüht werden. Dementsprechend lassen sich die Kosten für solchen Komfort erahnen.

Auch nicht ganz billig, aber seit der CeBIT Home erhältlich sind die 'Kugeln' der Firma Asgard Systeme. In jeder Kugel steckt ein Mikroprozessorsystem, das individuell programmiert werden kann. Die Kommunikation zwischen den Kugeln und der 'Chefkugel' erfolgt über das Stromnetz. Dabei bedient sich Asgard Systeme der Bustechnologie LonWorks von Echelon.

Es soll sechs Kugeltypen (Relais, Lichtsensor, Temperaturfühler, Leistungsmesser, Echtzeituhr, Dimmer) geben. Zur Zeit ist nur die Schaltkugel (Relais) verfügbar, weitere sollen in Kürze folgen. Wie jede Kugel ihre spezielle Fähigkeit einsetzt, das wird jeweils per (Windows-) Software programmiert (die 'Chefkugel'). Die Kugeln führen diese Aufgaben dann selbständig und PC-unabhängig aus, bis sie neu programmiert werden.

Ein Basispaket für den Anfang enthält eine Diskette mit der Windowssoftware, eine PC-Karte (ISA), die (galvanisch getrennte) Netzankopplung ins Stromnetz sowie eine Schaltkugel; es kostet knapp 1000 Mark. Zusätzliche Schaltkugeln kosten 325, Lichtsensor-Kugeln 345 Mark. Die Hardware-Installation ist denkbar einfach: die ISA-Karte wird in einen PC-Slot gesteckt, alle anderen Verbindungen beschränken sich auf 'Stecker in die Steckdose'.

Noch eine Stufe einfacher versuchen es die TU Braunschweig zusammen mit dem Braunschweiger Unternehmen Aticon. In ihrem 'intelligenten Haus' dient einfach der Fernseher als Terminal zur Anzeige des Status' von Haushaltgeräten, zum Beispiel der Temperatur im Kühlschrank. Mit der Fernbedienung lassen sich Schalt- oder Einstellungsbefehle eingeben. Hier dient ein spezielles Modul zwischen Fernseher und Stromnetz geschaltet als Kontrolleur. Das Produkt soll auch Nicht-PC-Besitzer ansprechen.

Das Ganze hat noch den Charakter einer Studie. Zum Beispiel hängt die Marktfähigkeit davon ab, ob Haushaltsgerätehersteller eine entsprechende Digitalisierung ihrer Geräte vornehmen (z. B. digitaler Temperaturfühler im Kühlschrank, Kontroll-Mikroprozessor mit Verbindung ans Stromnetz). Angesichts der geringen Kosten für diese Aufrüstung ist man seitens der TUB recht zuversichtlich. (bb) (bb)