Stapelweise Paletten

Noch vor Jahresende sollen Photoshop 4.0 und PageMaker 6.5 sowohl auf Macintosh- wie auch auf Windows-Rechnern laufen. Einige der neuen Funktionen des Bildbearbeitungsprogramms und der Layout-Software hat man schon bei der Konkurrenz gesehen - aber längst nicht alle.

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Von
  • Heico Neumeyer

Arbeitserleichterungen standen beim neuen Photoshop 4.0 im Vordergrund. Das Bildbearbeitungsprogramm, das in der Intel-Version auch noch mit Windows 3.1 läuft, zeichnet in einer neuen 'Aktionen'-Palette Befehlsfolgen auf, die gespeichert und auf beliebige Bilder angewendet werden können. Per Stapelverarbeitung erledigt die Software Routineaufgaben wie Schärfen, Farbmodus-Umwandlung und Konvertierung des Dateiformats. Die Befehle lassen sich nachträglich in ihrer Reihenfolge umsortieren und in ihren Details neu einstellen. Nichts geändert hat sich indes beim Widerrufen: Nur der allerletzte Arbeitsschritt kann rückgängig gemacht werden.

Lang erwartete Unterstützung beim Montieren bieten die Hilfslinien und Gitternetze von Photoshop 4.0; sie ziehen Objekte nach Bedarf auch magnetisch an. Die 'Navigator'-Palette zeigt bei hochgezoomten Bildansichten das Gesamtwerk und ermöglicht besonders schnellen Wechsel von Ausschnitt und Zoomstufe. Dabei vergrößert Photoshop nicht mehr nur in ganzzahligen Stufen, sondern frei. So kann das Programm den Monitor besser füllen und das Bild auch in der Original-Druckgröße zeigen.

Die neuen 'Einstellungs-Ebenen' ('Adjustment Layers') geben Fotodesignern mehr Flexibilität: Tonwertkorrekturen wie Farbbalance oder Helligkeit/Kontrast werden in der Ebenen-Palette abgelegt und zeigen die Objekte darunter entsprechend verändert; die Bilddaten selbst bleiben jedoch gleich. Mehr Kreativität verspricht auch das Werkzeug für Farbverläufe, das jetzt nach Art von Kai's Power Tools beliebig viele Farben und Transparenz unterstützt. Außerdem liefert Adobe gleich noch die Filtersammlung 'Gallery Effects' mit; diese ehemals separat verkauften Plug-ins für malerische Effekte arbeiten jetzt in 32-Bit-Technik und mit der typischen Oberfläche von Photoshop-Plug-Ins.

Ihre Kunstwerke können Photoshop-4-Anwender mit DigiMarc-Technik schützen: Dieses digitale Wasserzeichen soll nicht wahrnehmbar sein, jedoch kann man es laut Hersteller DigiMarc sogar nach Drucken, Kopieren und Scannen eines Bildes wieder sichtbar machen. Das Wasserzeichen transportiert Informationen über den Urheber, der via DigiMarc über Internet oder Fax zu ermitteln ist.

Mit wesentlich erweiterten Gestaltungsmöglichkeiten wartet das Layout-Programm PageMaker 6.5 auf. Seine Windows-Version läuft nur unter Windows 95 und NT. Vom Erzkonkurrenten QuarkXPress übernahm PageMaker die Rahmentechnik: Texte und Bilder fließen in beliebig verknüpfte Rahmen und passen sich jeder Änderung der Rahmenform neu an. Nützlich in diesem Zusammenhang ist das verbesserte Polygonwerkzeug: Es erzeugt beliebige Figuren, etwa auch Sterne, die über Ankerpunkte frei geformt werden; alle Gebilde können als Text-Rahmen genutzt werden.

Der separate Tabellengenerator in der Version 3.0 beherrscht jetzt Farben. Im Zuge der Vereinheitlichung aller Adobe-Programme bekommt jetzt auch PageMaker ein Ebenen-Menü. Das Seitengestaltungsprogramm legt zum Beispiel Text für verschiedene Sprachversionen einer Veröffentlichung auf einzelnen Ebenen ab; ebenso kann man Anmerkungen zum Layout auf einer eigenen Ebene sichern. Jede Ebene läßt sich einzeln einblenden, verbergen oder auch löschen.

Ihr Augenmerk richteten die Entwickler außerdem aufs Electronic Publishing. So enthält PageMaker 6.5 auch den Acrobat Distiller, der PageMaker-Dokumente ins plattformunabhängige Acrobat-Format konvertiert. CMYK-Farben paßt PageMaker den speziellen Bedingungen des RGB-Farbraums von Monitoren an. HTML-Seiten des World Wide Web kann PageMaker 6.5 nicht wie schon bisher nur schreiben, sondern auch lesen, wobei Verknüpfungen und Formatierungen erhalten bleiben. (jl) ()