Zwischenlösung
CompuServe wechselt mitten im Strom die Pferde. Der Dienst befindet sich im schwierigen Übergang zu Internet-Technologien. Eine neue Zugangssoftware soll beide Welten erschließen.
Die Umstellung von den alten Mainframes auf Windows-NT-Server scheint CompuServe mehr Probleme zu machen, als man zuzugeben gewillt ist. Schon Anfang 1996 konnten sich die Mitglieder zusätzlich zu den kryptischen Mitgliedsnummern neue symbolische Namen zulegen, immer schön der Seniorität folgend: die Alten zuerst. Beinahe ein Jahr ist vergangen, doch die typische CompuServe-Adresse lautet immer noch 123456.789@compuserve.com. Der Kunde, bei CompuServe Mitglied genannt, holt seine Mail derweil immer noch mit einem proprietären Protokoll ab.
Erst Mitte 1997 will CompuServe alle Angebote auf Internet-Protokolle umgestellt haben. Dann erschließen sich die Inhalte durch gewöhnliche Web-Browser und seine Mail darf man dann auch per POP3 holen. Alle neuen Angebote entwickelt CompuServe jetzt schon im HTML-Format. Den Zugriff darauf erschließt der im neuen Client eingebaute Microsoft Internet Explorer. Die bisherigen Bereichsmenüs werden durch HTML-Menüs ersetzt.
Da man das gesamte Angebot demnächst aus dem Internet kommend nutzen kann, führt CompuServe einen virtuellen Paß ein, um zwischen zahlenden Kunden und dem Rest der Welt unterscheiden zu können. Eine Software namens Virtual Key benutzt das Protokoll Remote Passphrase Authentication (RPA), das eine Zugangsprüfung realisiert, ohne Benutzernamen und Kennwort über das Internet zu übermitteln. Wenn der Benutzer sich als CompuServe-Mitglied ausweisen kann, erhält er den Zutritt zu den ihm vorbehaltenen Angeboten und kann auch einzeln abzurechnende Leistungen in Anspruch nehmen. Die RPA-Software ist als Plug-in realisiert und läßt sich so mit jedem aktuellen Browser einsetzen.
CompuServe 3.0.1 läuft nur auf Windows 95 und Windows NT und nutzt das dort eingebaute DFÜ-Netzwerk. Die Konfiguration mehrerer alternativer Zugänge wird damit deutlich komplizierter als bisher. Die neue Software versucht das DFÜ-Netzwerk vollständig zu kapseln. Daraus resultieren erhebliche Schwierigkeiten, wenn man mit Feinheiten wie voranzustellender Amtsholung, Wähltönen und ähnlichem kämpft. Ein Erfolg stellte sich bei unserem Test erst ein, nachdem das gesamte DFÜ-Netzwerk samt Modem und Arbeitsplatzeinstellungen einmal mit dem Klappspaten umgegraben war. Für Benutzer von Windows 3.1 wird CompuServe eine Zwischenlösung mit der Versionsnummer 2.5 nachschieben, welche die Zwischenzeit bis zum reinen Internet-Angebot überbrücken soll. (ad) (ad)