Nachtrag: Provider-Test
Bei unserem Test von Internet-Providern in der vergangenen Ausgabe lieferte T-Online mit Abstand das schlechteste Ergebnis. Mittlerweile hat die Telekom-Tochter jedoch einige Verbesserungen vorgenommen, die stellenweise zu höheren Transferleistungen führen.
Um von diesen Verbesserungen zu profitieren, muĂź man derzeit den Internet-Zugang ĂĽber den T-Online-Decoder fĂĽr Windows nutzen. Laut Angaben von T-Online tun dies 94 Prozent der rund 850 000 Kunden, die ĂĽber den Online-Dienst ins Internet gehen. Diese Zahl erscheint recht hochgegriffen. SchlieĂźlich sind alle Anwender, die einen Macintosh ihr eigen nennen, beziehungsweise OS/2 oder andere Betriebssysteme wie Linux einsetzen, sowie all jene, die unter Windows 95 und NT 32-Bit-Software benutzen, auf die direkte Einwahl ĂĽber das Standardprotokoll SLIP angewiesen.
Da die Verbesserungen an diesen Standardzugängen erst Ende November greifen sollen, hatten sie auf unsere Messungen unter Linux keine Auswirkungen. Die Decoderzugänge will T-Online am 21. September verbessert haben. Wir führten daher nachträglich noch einige Meßreihen über den T-Online-Decoder am Zugang Hannover (ISDN) von Hand durch.
Dabei stellten wir in den URL-Kategorien DE1 und DE2 [1] eine Steigerung der Durchschnittswerte um etwa 80 Prozent fest; die Spitzenwerte sowie alle Ergebnisse der internationalen URLs lagen schlechter als bei unserem vorangegangenen Test.
Weiter SchluĂźlicht
T-Online bleibt damit immer noch das Schlußlicht, wobei sich allerdings die handgestoppten Ergebnisse (immerhin über 300 Werte) nicht direkt mit unseren automatisierten Benchmarks, die rund um die Uhr liefen, vergleichen lassen (auch Redakteure müssen mal schlafen). Wir werden jedoch Ende November, wenn T-Online auch die SLIP-Zugänge verbessert hat, noch einmal ausführliche Messungen mit unserer Internet-Testumgebung durchführen.
Laut T-Online sehen die Verbesserungen derzeit folgendermaßen aus: Der Übergang von Datex-J ins Internet findet zentral in Ulm statt. Dort bedienen über 40 Workstations die Decoderzugänge, während sich die SLIP-Zugänge einen einzigen Host teilen müssen. Ferner leitet T-Online die TCP/IP-Pakete von und zu 14 der rund 220 Einwahlpunkte nicht länger über die von Datex-J genutzten 512-KBit/s-Leitungen, sondern über separate 2-MBit/s-Strecken. Hannover, wo wir unsere Nachmessungen durchführten, gehört zu diesen bevorzugten Punkten.
Auf die nach wie vor langsamen Datenraten bei internationalen URLs angesprochen, räumte der Leiter Produkt Management bei T-Online, Dieter Engel, ein, daß die Leitungen in die USA mit 12 MBit/s unterdimensioniert seien. Man wolle die Kapazität im November auf 45 MBit/s erweitern. Bis dahin sind die Kunden auf die Proxies angewiesen, die trotz stündlicher Aktualisierung angeblich 60 Prozent aller Zugriffe direkt bedienen. Auch die mangelnde Zuverlässigkeit der SLIP-Zugänge ist bei T-Online bekannt; zur CeBIT `97 sollen alle Einwahlpunkte endlich auf das verbreitete PPP umgestellt werden.
Offen bleibt jedoch die Frage, warum T-Online so spät und so zaghaft mit Verbesserungen begann. Denn laut Engel ist der Internet-Übergang bereits seit Mai `völlig zu' gewesen.
Diverses
Auch Point-2-Point, die vor T-Online den zweitletzten Platz im Test belegen, sind mit dem Ergebnis unzufrieden. Der Provider verweist darauf, daĂź die von uns gemessenen Ergebnisse ohne Proxy zwar durchaus korrekt seien, die Proxies jedoch ĂĽber separate Standleitungen zum Internet verfĂĽgten und daher auch bei einem Reload bessere Werte lieferten. Am 4. November soll dieser MiĂźstand durch neue Leitungen zum Internet-Backbone der Telekom (T-Internet) behoben sein.
Ferner hat sich mittlerweile herausgestellt, daß der IS/MAZ-Knoten in Hannover, an dem wir Messungen durchgeführt haben, bislang noch keine preiswerten Zugänge für Privatkunden anbietet, sondern vornehmlich Firmenkunden bedient. Das Pauschalangebot (Netsurf) soll jedoch demnächst ins Programm aufgenommen werden. (ad) (ad)