LCD-Kaleidoskop

Angesichts der immensen Preisspanne zwischen Flachbildschirmen von Aldi und IBM sollte die Entscheidung zwischen einem teuren und einem günstigen LCD keine reine Geschmacksfrage sein. Was also könnte den Kauf eines höherpreisigen Markendisplays rechtfertigen?

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Inhaltsverzeichnis

Nach wie vor gehen deutlich mehr Röhrenmonitore als Flachbildschirme über die Ladentheken. Doch die schlanken Displays finden zunehmend Käufer, und das trotz fetter Preise: Die Platz sparenden Röhrenalternativen kosten zwei- bis dreimal so viel wie ein CRT (Cathode Ray Tube) mit vergleichbarer Bilddiagonale. Vom Ende der Panel-Knappheit und der damit einhergehenden Preissenkung war hierzulande dank hohem Dollarkurs, Euro- oder Asienkrise bislang wenig zu spüren. Doch so langsam scheint sich das Blatt zu wenden, zumal auch Discounter wie Media- oder MakroMarkt und Kaufhäuser wie Brinkmann oder Karstadt verstärkt ins LCD-Geschäft einsteigen.

Wenn im Kaufhaus ein 15-zölliges LCD für 1500 Mark angeboten wird, stellt sich natürlich die Frage, warum jemand für das 15"-Gerät eines Markenherstellers 1000 Mark mehr ausgeben soll. Verleitet lediglich die von Sony & Co so nachdrücklich geschürte Markengläubigkeit zur Mehrausgabe? Oder kauft man mit einem Markengerät etwas ein, was ein No-Name-Produkt nicht bieten kann?

Wir sind dieser Frage anhand einiger ausgewählter Flachbildschirme nachgegangen: Drei Superschnäppchen, zwei Geräte der mittleren Preisklasse und zwei höherpreisige Bildschirme mussten sich den bohrenden Blicken der preisbewussten c't-Tester stellen. Im Einzelnen sind dies in der untersten Preiskategorie das 15-zöllige Natcomp-LCD X15 (original ist dies ein Gvision L5EX-TA), das derzeit in etlichen Märkten für 1500 bis 1600 Mark zu haben ist, das 17,4" Magic LCD174ADF von Wortmann für 3000 Mark sowie das 18"-Bellagio-LCD von Gericom, das das Unternehmen für ebenfalls 3000 Mark in die Ladenketten drücken will. Im mittleren Preissegment untersuchten wir das reichhaltig ausgestattete Iiyama AS4431D mit 17,4"-Bilddiagonale für 4000 Mark sowie das 15-zöllige MultiSync-LCD 1530V von NEC für 2000 Mark. Bei den kostspieligeren Monitoren fiel unsere Wahl auf das 15"-LCD Flatron 577LH mit einem von LG empfohlenen Verkaufspreis von 2550 Mark und das 6700 Mark teure 18"-LCD T86A von IBM. Beim LG-Display liegt der so genannte Straßenpreis zwar etwas niedriger, aber immer noch deutlich über 2000 Mark. Neben der Prüfung dieser sieben Exemplare griffen wir bei unseren Betrachtungen auch auf die Erfahrungen aus vergangenen LCD-Tests zurück. Die Testergebnisse all der LCDs, die wir in den vergangenen Monaten seit dem letzten großen Displaytest (siehe [1]) in unserer Rubrik ‘kurz vorgestellt’ präsentiert haben, zeigt die Übersichtstabelle am Ende des Artikels.

Bei extrem preisgünstigen Flachbildschirmen darf man mit keinen ‘extremen’ Ausstattungsmerkmalen rechnen. Doppelt ausgelegte Signaleingänge oder hybride Geräte (analoger und digitaler Eingang) gibt es in der untersten Preisklasse nur selten, auch in die Senkrechte drehbare oder höhenverstellbare Displays oder gar einen S-Videoeingang wird man kaum antreffen. Eingebaute Lautsprecher sind eher drin, manchmal auch ein USB-Hub. Unser Schnäppchen von Wortmann stellt da eine rühmliche Ausnahme dar: Hybrider Anschluss und USB gehören hier zum Lieferumfang. Bei Gericoms 18-Zöller sind immerhin USB-Hub und eingebaute Lautsprecher im Preis inbegriffen, das 15-zöllige Natcomp-LCD besitzt einen analogen Eingang und Lautsprecher.

Iiyamas 17,4-zölliger Monitor aus der mittleren Preisklasse glänzt mit analogem und digitalem Signaleingang, S-Video- und Composite-In, USB, in die Senkrechte drehbarem Display und Speaker. Angesichts dieser Beigaben muss man ihn schon fast unter die Schnäppchen einordnen. NEC beschränkt sich dagegen beim 1530V mit einem VGA-Anschluss auf das Allernotwendigste.

IBM hat beim T86A zwei analoge Signaleingänge und USB vorgesehen, zusätzlich ist das Panel in der Höhe verstellbar und in die Senkrechte drehbar. LG hat sein 15-zölliges Topmodell mit einem analogen VGA-Port und USB-Hub ausgestattet, wie bei IBM findet man hier die Höhenverstellung und ein drehbares Panel. Beide Displays stecken zudem in einem schicken Gewand.

An der Gehäuseverarbeitung und dem Bedienkomfort tun sich die ersten Gräben zwischen guten und ‘billigen’ Displays auf. Teure Markengeräte zeigen hier nur selten Macken, sie sind im Allgemeinen standfest, haben ordentliche Drehmechaniken und sinnvoll platzierte Bedienelemente. Die Installation verläuft problemlos, das On-Screen-Menü (OSM) bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten, ist durchdacht und nachvollziehbar, die Helligkeitsregelung ohne große Sucherei auf einen Knopfdruck präsent. Dies bestätigen auch unsere beiden Topmodelle von IBM und LG.

Während Monitore des mittleren Preissegments viele, wenn nicht alle genannten Kriterien ebenfalls erfüllen, muss man hier bei Schnäppchengeräten eigentlich immer Abstriche machen. Da wird an der Länge der Kabel gespart, der Monitor wackelt beim Antippen auf seinem Fuß, das Display lässt sich nur beidhändig schwenken, die Signaleingänge sind schlecht zugänglich, das Handbuch ist extrem sparsam, das OSM undurchschaubar, beschränkt sich auf die allernotwendigsten Funktionen oder produziert gar Ärgernisse (dazu weiter unten mehr).

LCD-Sonderangebote besitzen meistens einen analogen VGA-Eingang. Vorteil: Sie passen an jede herkömmliche Grafikkarte. Nachteil: Ihr Monitorbild muss mit den Grafikkartensignalen synchronisiert werden, was manchmal automatisch geschieht, oft aber manuell erfolgen muss. Hier sind digital angesteuerte Geräte einfacher zu handhaben: Bei ihnen entfällt die Anpassung, ihr Bild ist sofort stabil - ein Grund, warum sich Digital-LCDs gerade für unerfahrene Anwender empfehlen.

Bei der Monitoransteuerung über den VGA-Eingang wird das Videosignal auf der Grafikkarte zunächst in analoge Signalfolgen gewandelt und anschließend im LC-Display wieder digitalisiert. Bei der Ansteuerung über den digitalen Port entfällt diese Hin- und Herwandelei vollständig - das Display erzeugt das Bild direkt aus den digitalen Videosignalen des PC. Schon aus rein physikalischer Sicht - jede Wandlung ist verlustbehaftet - ist die digitale Ansteuerung damit die bessere technische Lösung. Ein rein digital erzeugtes Bild ist im Allgemeinen tatsächlich klarer und knackiger. Aber: Ein guter analoger Flachbildschirm ist besser als ein schlechtes Digital-LCD ...

Auch von einem günstigen analogen Flachbildschirm sollte man erwarten, dass sich das Bild sauber synchronisieren lässt, also Frequenz und Phasenlage des Monitors mit den Videosignalen der Grafikkarte im Gleichtakt laufen. Tun sie das nicht, flimmert es auf dem Schirm. Manchmal sieht man das nicht sofort, doch man ‘spürt’ es ziemlich bald - Kopfweh oder gereizte Augen sind die Folge. Ein flimmernder Bildschirm gehört deshalb auf keinen Schreibtisch.

Ein leichtes Flimmern erkennt man am schnellsten auf einem Testbild mit ein Pixel breiten, senkrechten Streifen, wie es beispielsweise ctscreen [2] bietet. Laufen mehr oder weniger breite Blockstreifen von links nach rechts über das Bild, muss man zunächst die Frequenz mit dem Grafikkartensignal abgleichen. Sind die Streifen dagegen nicht eindeutig als einzelne vertikale Linien zu sehen, sondern erscheinen unscharf oder flirren, dann passt die Phasenlage nicht und muss nachgeregelt werden. Im On-Screen-Menü eines analogen TFT-Monitors befinden sich immer beide Einstellmöglichkeiten. Als Synchronisations-Testbild können Windows-Anwender auch den Abmeldeschirm von Windows nutzen: Der dabei angezeigte schachbrettartige Hintergrund muss möglichst flimmer- und flackerfrei eingestellt werden.

Den Bildabgleich sollte man übrigens nicht bei maximalem Kontrast und voller Helligkeit durchführen, denn dies sind Bedingungen, unter denen man später kaum arbeiten wird. Außerdem verändert sich bei vielen LCDs die Phasenlage mit der Kontrasteinstellung; wenn man dann später den Kontrast für eine sinnvolle Bildqualität herunterregelt, beginnt die Einstellerei von vorn.

Es gibt heute im Prinzip keinen Flachbildschirm mehr ohne ein so genanntes Auto-Adjust für Frequenz, Phase und Bildlage. Das Auto-Adjust trennt die Spreu vom Weizen weiter: Ein gutes LCD beherrscht die Synchronisation zuverlässig auf Knopfdruck und unabhängig von der verwendeten Grafikkarte. Richtig angenehm ist es, wenn der Abgleich vollautomatisch bei jedem Frequenz- oder Auflösungswechsel anläuft. Dies bieten vier unserer Kandidaten, bei den Schnäppchenangeboten mussten wir auf solchen Komfort verzichten. Immerhin versteht sich Wortmanns Magic-LCD recht gut auf die automatische Synchronisation per Knopfdruck, hier muss man nur die Phase leicht nachkorrigieren. Beim Natcomp-Monitor versagte der automatische Abgleich komplett. Beim Bellagio-LCD von Gericom half weder der Auto-Button noch die größte (manuelle) Mühe - es blieb bei einem ganz leichten Bildflimmern; zudem verliert der Monitor die eingestellte Phasenlage im laufenden Betrieb schon mal.

Die Auto-Adjust-Funktion kann indes weitere Tücken haben, nämlich wenn sie sich nicht auf den Abgleich von Frequenz, Phase und Bildlage beschränkt. Bei einigen Billig-Geräten wird auf Knopfdruck der Kontrast oder die Helligkeit gleich mitgeregelt, so gesehen beim Natcomp-LCD oder auch beim Lifetec-Monitor, den Aldi vor einiger Zeit im Angebot hatte. Die von LCD-Monitoren per automatischem Abgleich gewählten Helligkeits- und Kontrasteinstellungen sind meistens extrem unergonomisch: Mit einer Leuchtdichte von 180 cd/m2 oder mehr erzeugt man im Laden auf den ersten Blick zweifellos beeindruckende Bilder, doch zu Hause nach einer Weile auch gerötete Augen oder Kopfschmerzen. Üblich am Arbeitsplatz sind je nach Umgebungshelligkeit und persönlichen Vorlieben Werte von 70 bis 130 cd/m2.

Beim 15-zölligen Aldi-Schnäppchen von Medion lässt sich das automatische Anlaufen des Auto-Adjust beim Auflösungs- oder Frequenzwechsel übrigens abschalten (im OSM bei den Justiereinstellungen ‘Auto-Adjust’ - ‘aus’ wählen). Dann muss man zwar manuell synchronisieren, doch zumindest bleiben so die gewählten Kontrast- und Helligkeitseinstellungen erhalten.

In LCDs wird das Licht einiger am Displayrand sitzenden Kaltkathodenstrahler (CCFL-Röhrchen) mit einer dünnen Folie über die gesamte Schirmfläche verteilt. Die Gleichmäßigkeit der Hintergrundbeleuchtung hängt dabei unter anderem vom korrekten Einbau des Panels in das Monitorgehäuse ab. Wenn hier geschlampt wird, zeigen sich schnell Lichteinbrüche oder überstrahlte Stellen auf dem Schirm. Dieses Phänomen haben wir früher bei LCDs häufiger beobachtet - heute scheinen die Assemblierer sorgfältiger oder einfach geübter zu sein.

Da der Mensch Farben auch in Abhängigkeit von deren Helligkeit wahrnimmt, führt eine sehr ungleichmäßige Helligkeit auch zu einer ungleichmäßigen Farbgebung. Ein ungleichmäßiges Bild kann aber auch durch eine starke Winkelabhängigkeit hervorgerufen werden: Verliert ein Monitor aus vertikalen Blickrichtungen schnell an Kontrast, sieht es auch bei senkrechter Draufsicht auf dem Schirm oben dunkler aus als unten (oder umgekehrt).

Sechs unserer Prüflinge zeigten bis auf leichte Abschattungen beziehungsweise Aufheller am Bildrand recht gleichmäßige Leuchtdichten; einzig das Natcomp-LCD riss hier aus: Während seine Bildmitte überstrahlte, war es an den Rändern dunkler. Fast alle bislang getesteten Flachbildschirme - ob teuer oder günstig - zeigen mehr oder weniger ausgeprägte Lichtschwankungen über dem Schirm. Gemessene Abweichungen von durchaus üblichen ±5 Prozent sieht man jedoch mit bloßem Auge nicht. Auffälliger sind überstrahlte oder stark abgeschattete Bildkanten. Ist das Bild ausgerechnet in der Mitte deutlich heller oder dunkler, stört das am meisten.

Die Leuchtdichteregelung darf eigentlich nur die Helligkeit des Displays verändern. Doch bei einigen LCDs - selten bei den Markengeräten - greift die Regelung auch in den Kontrast ein: Bei hoher Leuchtdichte kann das Display dann keine nahe beieinander liegenden hellen Graustufen auflösen, bei niedriger Helligkeitseinstellung versagt es bei der Darstellung ähnlicher dunkler Grautöne. Bei einem Flachbildschirm sollte die Graustufendarstellung entweder von vornherein gut sein oder sich über den so genannten Blacklevel- und den Kontrastparameter optimieren lassen (Ersterer verändert den Kontrast dunkler, Letzterer den heller Töne).

Keiner unserer sieben Testkandidaten bietet einen Blacklevel-Parameter, die werksseitigen Presets waren bei unseren höherpreisigen Probanden allerdings durchweg besser als bei den Schnäppchen-LCDs. Zudem ließen sich IBM & Co sehr einfach einstellen, da die Helligkeit den Bildkontrast nicht beeinflusste. Anders dagegen bei den günstigen Monitoren: Wer beim Magic-LCD von Wortmann eine Leuchtdichte von deutlich unter 100 cd/m2 erzielen will, muss den Kontrast reduzieren; das gleiche Verhalten zeigt auch der Iiyama-Monitor. Beim Natcomp X15 muss man die Helligkeit für eine akzeptable Auflösung dunkler Töne ziemlich aufdrehen - bei weniger als 50 Prozent eingestellte Helligkeit blieben dunkle Graustufen komplett schwarz. Gericoms Bellagio-Display stellte uns auf eine echte Geduldsprobe. Zunächst blieb für die Helligkeitsregelung wenig Spielraum: Bei zu starker Reduzierung soff die Anzeige komplett ins Schwarze ab. Nach etlichem Hin und Her fanden wir schließlich eine Einstellung, die zu akzeptablen Bildkontrasten und einem halbwegs sinnvollen Helligkeitsbereich führte; dabei blieb allerdings die Graustufenauflösung für dunkle Töne ein klein wenig auf der Strecke. Zudem wirkte die Anzeige bei unserer Messeinstellung von 100 cd/m2 graugrün und matt.

Bei Computerspielen kann eine gute Graustufenauflösung entscheidend sein: Wenn der Monitor nahe beieinander liegende Töne nicht sauber trennen kann, bleibt das Kellergewölbe eine braune Masse ohne Struktur; Schnee und Eis werden zu einem einzigen blendend weißen Feld - oder zu einer grauen Matsche. Für die Bearbeitung von digitalen Fotos oder eingescannten Bildern ist eine saubere Graustufe ebenfalls wichtig. Ansonsten verstellt man in der Bildbearbeitungssoftware einiges, was sich später im Ausdruck als wenig sinnvoll erweist. Für reine Textverarbeitung ist die Graustufenauflösung dagegen weniger interessant, denn hier arbeitet man ja normalerweise Schwarz auf Weiß ...

Mit einer sehr guten Darstellung unseres Grauverlaufs von Schwarz nach Weiß in 256 Stufen glänzte das LG-Display; IBMs T86A schwächelte ebenso wie das Gericom-Display etwas bei den dunklen Tönen, präsentierte aber davon abgesehen ein sauberes Bild. Der NEC-Monitor zeigte ebenfalls einen sehr glatten Verlauf, nur weigerte er sich, ganz dunkle Töne überhaupt zu differenzieren - der Graukeil begann mit einem schmalen schwarzen Block. Iiyamas 17,4-Zöller brachte eine ordentliche Auflösung auf den Schirm, allerdings mit hellbunten Streifen. Beim Natcomp-LCD haperte es nur in sehr dunklen Bereichen, das preisgünstige Gerät von Wortmann scheiterte an den hellen Graustufen.

Ein guter Flachbildschirm bietet hohe Kontraste, auch wenn man sehr schräg auf das Display schaut. Das klingt einfach. Es ist aber für unerfahrene LCD-Nutzer auf den ersten Blick kaum zu erkennen, ob das Wunschgerät im Laden dies erfüllt - insbesondere wenn nicht mehrere Displays zum Vergleich bereitstehen. Hier können einfache Testbilder wie in [2] helfen. Eine eng beschriebene Textseite mit kleinem Schriftfont, in dem die Wörter spaltenweise angeordnet sind, eignet sich für die erste Kontrastbeurteilung. Wenn das LCD alle Wortblöcke ohne graue Hinterlegung darstellt und die Schrift sich deutlich vom weißen Hintergrund abhebt - also so richtig knackig ist -, dann handelt es sich wahrscheinlich um ein Display mit hohem Kontrast. Dabei darf die Leuchtdichte aber keinesfalls zu hoch sein (was im Laden oft der Fall ist, also runterregeln!), denn ein extrem heller Bildschirm überstrahlt viele Macken ...

Die Blickwinkelabhängigkeit ist einfacher zu identifizieren: Hier nimmt man ein buntes Bild und schaut sich den Schirm von allen Seiten gründlich an. Verblassen die Farben, verliert Schwarz seine Sättigung oder kippt gar ein weißer Bildausschnitt ins Schwarze? Dann ist es um die Blickwinkelunabhängigkeit des Monitors schlecht bestellt. Auf einem Display mit geringer Winkelabhängigkeit bleibt auch von der Seite, von oben oder unten alles so knackig wie von vorn.

Wie entscheidend die Winkelabhängigkeit ist, hängt vom Einsatz des Monitors ab: Ein halbwegs still sitzender Einzelplatzbenutzer an einem kleinen Schreibtisch dürfte sich weniger daran stören, wenn sich die Anzeige unter schrägen Blicken verändert. Wer sich dagegen am Arbeitsplatz oft hin und her bewegt, beispielsweise um mehrere Telefonapparate zu bedienen oder auf dem Tisch verstreute Akten einzusehen, muss auf die winkelunabhängige Darstellung größeren Wert legen. Soll der Flachbildschirm in Gesprächsrunden als Präsentationsplattform dienen, ist die blickwinkelstabile Anzeige unerlässlich.

Es gibt derzeit drei verschiedene LCD-Prinzipien: TN (Twisted Nematic), IPS (In Plane Switching) und MVA (Multi Domain Vertical Alignment) (siehe auch [3]). TN-Displays können sehr hohe Kontraste erreichen und mit guten Kompensationsfolien (so genannte Retardation Sheets) auch recht winkelstabile Farben. In puncto Winkelunabhängigkeit sind IPS und MVA der TN-Technik jedoch überlegen: Mit ihnen kann man hochstabile Kontraste und Farben erreichen. IPSler haben zwei Nachteile: Sie besitzen eine geringere Schaltgeschwindigkeit und zeigen so genannte Geisterbilder. Dabei ist ein Bild, das längere Zeit auf dem Schirm steht, nach einem Bildwechsel weiter als Schatten im Hintergrund zu sehen. Diese Nachleuchteffekte verschwinden nach wenigen Sekunden vom Schirm - es sei denn, der gleiche Bildinhalt steht über Tage oder gar Wochen auf dem Display; dann kann es Tage dauern, bis das Geisterbild wieder abklingt. Als Display für Industriesteuerungen mit Daueranzeige kommen IPS-LCDs deshalb kaum in Frage.

Der Kontrast und das Winkelverhalten unserer sieben Testkandidaten bezeugt, dass man von teureren Displays mehr erwarten darf - Ausnahmen bestätigen die Regel und der Umkehrschluss gilt nicht unbedingt. IBMs 18-Zöller überzeugt mit einer ausgezeichneten Winkelcharakteristik und einem Kontrast von über 300 : 1 im erweiterten Sichtfeld (siehe Kasten ‘Über alle Winkel’). Die Farben sind kräftig, brillant und sehr stabil - bis zu 40 Grad von allen Seiten tut sich nichts. Erst von weiter oben oder unten gesehen nimmt die hohe Farbsättigung leicht ab. Für die geringe Winkelabhängigkeit sorgt ein hauseigenes IBM-Panel in IPS-Technik. Der LG-Monitor und das MultiSync-LCD von NEC zeigen ebenfalls hohe Kontraste und eine geringe Winkelabhängigkeit. Die Farben sind kräftig und ihre Darstellung in Abhängigkeit vom Blickwinkel verhält sich bei beiden Modellen gleich, schließlich nutzen beide ein TN-Panel von LG: Bis 50 Grad sind keine Änderungen sichtbar, danach nimmt die Sättigung kaum merklich ab. Von oben oder unten gesehen bleibt bis aus 40-Grad-Blickwinkeln alles konstant. Beim NEC-Display mussten wir allerdings den Rotanteil etwas reduzieren (bei Testeinstellung: 6500 K); zuvor schwankte der dargestellte Weißwert extrem mit der Richtung, aus der man auf den Schirm schaute.

Mit angenehm kräftigen und extrem stabilen Farben überraschten die beiden 17,4-zölligen Prüflinge von Iiyama und Wortmann. Als Anzeigemodul dient in beiden Fällen ein aktuelles MVA-Panel von Fujitsu. Wortmanns Monitor glänzte zudem mit sehr hohen und stabilen Schwarzweiß-Kontrasten; nur aus 45 Grad schrägen Blickwinkeln nimmt der Bildkontrast schneller ab.

Gericoms Bellagio-LCD erreicht recht blickwinkelstabile, aber keine hohen Kontraste; in ihm steckt ein IPS-Panel von LG. Seine Farben sind ähnlich konstant wie beim IBM-Monitor, sie wirken jedoch deutlich flauer. Auch der Natcomp Screen X15 begnügte sich mit einem niedrigen Bildkontrast. Dieser nimmt ebenso wie die gute Farbsättigung bereits aus kleinen Blickwinkeln schnell ab - das integrierte TN-Panel gehört nicht zur aktuellen Generation.

Auch wenn der PC ‘nur’ für die Textverarbeitung und zum Surfen dient, schöne Farben soll jeder Monitor zeigen. Dabei kann ‘schön’ ‘schön knallig’, ‘schön gleichmäßig’, ‘schön satt’ oder ‘schön neutral’ bedeuten - hier kommt es wiederum auf den Einsatz des Displays an. Für die beiden oben genannten Anwendungen ist eine neutrale, gleichmäßige Farbgebung nicht ganz so wichtig, bei der Bildbearbeitung dagegen unverzichtbar. In Computerspielen sind oftmals die dunklen Erdfarben entscheidend - nur haben viele LCDs gerade damit so ihre Schwierigkeiten.

In Bezug auf Computerspiele scheinen mir die Probleme bei Erdfarben und der Graustufenauflösung gravierender zu sein als die häufig bemängelte Schaltgeschwindigkeit der LCDs. Flachbildschirme sind deutlich schneller als noch vor ein oder zwei Jahren, für Adventure-Games oder Autorennen reicht ihre Schaltgeschwindigkeit bereits aus. Lediglich bei Ego-Shootern bemerken ‘richtige’ Spieler noch leicht verwischte Details, wenn sie sich im Spurt durch die Gebäude und Arenen bewegen. Sind allerdings in dunklen Kellergewölben keine Texturen mehr zu erkennen, weil die Erdfarben nicht vernünftig dargestellt und aufgelöst werden, kann das den Spaß auch in langsameren Spielen ziemlich beeinträchtigen.

Alle Flachbildschirme haben auf Grund ihrer Herstellungsweise - ein Bildpunkt entspricht einem physikalisch unteilbaren Pixel - ein besonderes Merkmal: Sie stellen nur ihre Standardauflösung flächenfüllend scharf dar. Alle davon abweichenden Auflösungen präsentiert das Display entweder in Originalgröße in einem entsprechend kleineren Bildausschnitt oder das Bild wird auf die volle Bildfläche hochgerechnet - die Darstellung sieht im letztgenannten Fall zwangsläufig leicht verschwommen aus. Sie ähnelt dabei im besseren Fall der eines Röhrenmonitors, im schlechteren Fall wirkt das Bild matschig. Während bei Digital-LCDs der Grafikprozessor im PC für eine flächenfüllende Anzeige sorgen kann (siehe nachfolgenden Artikel zu digitalen Grafikkarten), erledigen analog angesteuerte TFT-Monitore die so genannte Interpolation immer selbst.

LCDs betreibt man am besten in ihrer Standardauflösung. Da sich jedoch kleinere Auflösungen nicht immer vermeiden lassen, sollte die Interpolation möglichst abschaltbar sein. Denn dann erhält man im Falle des Falles zwar ein kleineres, dafür aber weiterhin scharfes Bild. Bei Billig-LCDs ist die flächenfüllende Anzeige häufig vorgeschrieben, so auch beim Natcomp-LCD und beim 18-Zöller von Gericom; beide zeigen nach der Hochrechnerei keine superguten, aber akzeptable Resultate.

Der Schirm eines 17"- oder 18"-Monitors mit einer Standardauflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten (SXGA) hat ein Seitenverhältnis von 5 : 4, kleinere Auflösungen nach VESA-Norm wie XGA (1024 x 768) oder VGA (640 x 480) jedoch eines von 4 : 3. Werden die kleinen Auflösungen auf dem ‘großen’ Monitor flächenfüllend dargestellt, ist die Anzeige verzerrt. Runde Kreise erhält man hier nur, wenn bei der Interpolation das originale Seitenverhältnis gewahrt wird; es bleibt dann oben und unten ein schmaler Trauerrand stehen.

Der 17,4"-Flachbildschirm von Wortmann - er hat eine Standardauflösung von 1280 x 1024 Pixel - kann Bilder mit einer geringeren Auflösung als SXGA in einem kleineren Fenster darstellen oder schrittweise von der Originalgröße auf die volle Bildfläche hochrechnen. Das LCD beherrscht somit auch die größtmögliche Interpolation unter Wahrung des originalen Seitenverhältnisses - nur muss man dazu die gewünschte horizontale und vertikale Bildgröße manuell einstellen. Die hochgerechneten Bilder sind insgesamt recht ordentlich. IBM hat seinem Display nur die 1:1-Darstellung und den Vollbildmodus gegönnt, auf die Wahrung des originalen Seitenverhältnisses muss man bei der Interpolation verzichten. Die Darstellung im interpolierten Modus sieht zwar sehr gut aus, doch Kreise mutieren hier zwangsläufig zu Ovalen. Iiyama hält im Monitor die verzerrungsfreie Darstellung auch in kleineren Auflösungen als SXGA bereit: Der 17,4-Zöller kann vollflächig oder unter Wahrung des Seitenverhältnisses interpolieren oder die Hochrechnerei ganz bleiben lassen - die interpolierten Bilder sind gut. Die 15-Zöller von LG und NEC müssen sich um die seitentreue Darstellung nicht weiter kümmern, ihre XGA-Standardauflösung entspricht dem Seitenverhältnis der kleineren VESA-Modi. Beide Flachbildschirme erzielen gute Interpolationen unter Windows, im DOS-Textmodus (720 x 400) hält die flächenfüllende Anzeige sogar dem Vergleich mit jedem Röhrenmonitor Stand.

Neben der Bildqualität selbst trägt bei Flachbildschirmen nicht selten das Äußere des Monitors zur Kaufentscheidung bei - aber auch zum höheren Preis. Für das psychologische Wohlbefinden darf man von günstigen LCDs nicht allzu viel erwarten: Im Vergleich zu den meisten bulligen Röhrenmonitoren können zwar auch sie bestechen, doch gegen LGs neue Flatron-LCD-Serie, Philips Designer-Display 150x oder Sonys N50 verblassen die Flachen von MediaMarkt & Co ziemlich. Auf Werbefotos ist übrigens nicht unbedingt Verlass - sie versprechen manchmal mehr, als die Monitore in der Realität halten.

Abgesehen von der reinen Ästhetik sollte man auf die Verarbeitung der Display-Hülle achten: Scharfe Kanten stellen eine potenzielle Verletzungsgefahr dar, und wenn man einen wackeligen LCD-Monitor versehentlich umkippt, kann das teuer werden. Ragen die Zuleitungen hinten aus dem Monitorfuß, kostet das unnötige Stellfläche und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Kabelbruchs. Von fest mit dem LCD verbundenen Videokabeln halten wir nichts: Sie können zwar nicht rausrutschen, aber wenn das Kabel doch einmal kaputtgeht, muss man gleich den ganzen Monitor einschicken. Fest verdrahtete Kabelverbindungen sind dabei keine Frage des Preises, man findet diese beispielsweise auch am Philips 150x.

Markenhersteller nennen im Wesentlichen zwei Gründe für höhere Gerätepreise: allgemeine Produktqualität und Sicherheit beim Kauf. Erstgenanntes umfasst neben der reinen Bildqualität die gesamte Verarbeitung des Monitors, die Bedienbarkeit und die integrierten Features. Das Zweitgenannte baut teilweise auf die Ängste der Anwender und ist damit eigentlich ein Killerargument - gemeint ist der Support nach dem Kauf, also wenn mal was schief geht. Dann, so signalisieren die Markenhersteller, stehe einer kompetenten Beratung nichts im Weg, sei es vom Fachhändler oder vom Hersteller direkt. Zudem garantiere ein Austauschservice schnelle Hilfe - allerdings gehört der inzwischen bei vielen LCD-Anbietern dazu und einige Markenhersteller lassen ihn sich zusätzlich honorieren.

‘Sicherheit beim Kauf’ spielt auch auf mögliche Serienstreuungen an: Die Qualitätskontrolle bei hochpreisigen Geräten sei anspruchsvoller als bei No-Name-Produkten, so die Hersteller. Da ist wahrscheinlich etwas dran, Ausreißer dürften bei Schnäppchen-LCDs eher auftreten als bei teuren Markengeräten. Doch wer sein Wunschgerät vor dem Kauf im Laden inspiziert, kann sich einigermaßen vor ‘Montagsgeräten’ und Pixelfehlern schützen - und die sechsmonatige Gewährleistung gilt schließlich für jedes LCD.

Wer als Einkäufer einer großen Firma für die Anschaffung von zig Flachbildschirmen verantwortlich ist, wird sicher lieber auf die (vermeintliche) Qualität, Sicherheit und Lieferfähigkeit eines Markenherstellers bauen, als um 9 Uhr bei Aldi und um 10 Uhr bei MediaMarkt den Laden zu stürmen. Privatanwender müssen beim LCD-Kauf stärker auf den Preis achten. Um hier vor Fehlkäufen gewappnet zu sein, sollten sie zunächst Ihre persönlichen Ansprüche an das Display definieren - welche LCD-Ausstattung ist wirklich notwendig, welche Anforderungen an Auflösung, Blickwinkelunabhängigkeit und Farben ergeben sich aus dem geplanten Einsatzgebiet, wie wichtig ist ein schickes Gehäuse und so weiter. Erst danach lässt sich entscheiden, ob der Griff zum No-Name-Produkt in Frage kommt oder ein teureres Markenprodukt her muss.

Gerade bei teuren Anschaffungen scheuen viele Anwender das Risiko und verlassen sich lieber auf hochpreisige Markenprodukte. Dass dieses Sicherheitsdenken nicht jeglicher Grundlage entbehrt, können wir anhand unserer Tests bestätigen. Bei teuren Markenprodukten ist das gesamte Monitorkonzept meistens besser durchdacht. Wenn beispielsweise IBM beim T86 mit einer mechanischen Sperre verhindert, dass man das Display in die Senkrechte drehen kann, bevor es in ausreichender Höhe steht - und es so beim Drehen nicht auf den Tisch rumst -, ist das eine dieser angenehmen ‘Kleinigkeiten’. Auf solche Finessen müssen die Hersteller von No-Name-Produkten oder Lowcost-Geräten wohl schon allein aus Kostengründen verzichten.

Über die Bildqualität von Flachbildschirmen bestimmen die eingebauten Panels, aber auch die werksseitigen Voreinstellungen. Wenn die Hersteller hier vorab viel Aufwand betreiben, zahlt sich das später für den Anwender aus. Auch umfangreiche (und sinnvolle) Steuerungsmöglichkeiten in einem gut strukturierten On-Screen-Menü sind Ergebnis einer durchdachten Monitorkonzeption. Von Schnäppchen-LCDs darf man da nicht allzu viel erwarten.

Wer seinen PC eine Stunde am Tag einschaltet, um ein bisschen zu surfen oder um E-Mails abzurufen und sich nicht über kleine Unzulänglichkeiten aufregt, kann ein Schnäppchen-LCD durchaus in Erwägung ziehen - immer vorausgesetzt, das Display zeigt keine groben Macken wie ständiges Bildflimmern oder augenplagend niedrige Kontraste. Dient der Monitor dagegen täglich mehrstündig als Arbeitsgerät oder soll Design-Ansprüchen genügen, ist der Griff zum höherpreisigen Flachbildschirm fast unausweichlich. Denn sonst produziert das erworbene Stück ganz schnell mehr Frust, als es der supergünstige Preis wettmachen könnte.

Ordentliche Displays müssen nicht exorbitant teuer sein, teure LCDs sind nicht zwangsläufig gut und Bilder zeigen die flachen Monitore alle - über die Gesamtqualität entscheidet aber meistens doch der Preis.

Auf den nachfolgenden drei Doppelseiten haben wir die Daten und Testergebnisse aller Flachbildschirme zusammengestellt, die wir seit dem letzten LCD-Kaleidoskop [1] in der c't unter der Rubrik ‘kurz vorgestellt’ beschrieben haben. Die Noten sind in ihrer Gewichtung von oben nach unten zu verstehen: Die beste Bedienbarkeit und das tollste Gehäuse nützen wenig, wenn die Bildanzeige instabil ist oder niedrige Kontraste die Augen plagen. Über dem Benotungsblock sind die auffälligsten positiven und negativen Seiten der einzelnen Geräte genannt sowie Verweise auf die c't-Ausgaben mit den jeweiligen Kurzbeschreibungen. Alle relevanten Messwerte zeigen die Balkendiagrammen auf den ersten Seiten dieses Artikels.

Wer den Kauf eines Flachbildschirms in Erwägung zieht, sollte zunächst überlegen, welche Ausstattung tatsächlich her muss. Doppelte Signaleingänge benötigen nur Besitzer von zwei oder mehr PCs, der USB-Anschluss am Computer lässt sich auch später um einen externen USB-Hub erweitern, und ein digitaler Eingang führt nur zusammen mit einer digitalen Grafikkarte zum Bild.

Klar, am liebsten hätte wohl jeder gern alles und das möglichst günstig. Unser Test hat jedoch gezeigt, dass höhere LCD-Preise in vielen Fällen ihre Berechtigung haben und Ausstattung nicht alles ist. Warten die Flachbildschirme mit einem ordentlichen Monitorkonzept, einer guten Bildqualität und womöglich einem edlen Design auf, sind sie sicher auch ohne DVI-Port, USB-Hub oder Speaker ‘wertvoll’. Apropos Design: Einige Hersteller lassen sich das schicke Aussehen ihrer Flachbildschirme auch schick bezahlen - ob das in jedem Fall gerechtfertigt ist, sei dahingestellt.

[1] U. Kuhlmann, LCD-Kaleidoskop, c't 10/2000, S. 128

[2] Monitortestprogramm ctscreen

[3] U. Kuhlmann, Der richtige Dreh, c't 23/2000, S. 288

Der große Schwachpunkt von TFT-Flachbildschirmen ist ihr winkelabhängiges Verhalten: Je nachdem, von wo aus man auf das Display schaut, ändern sich Farbe und Kontrast des Bildes. Solche Abweichungen bewerten wir folgendermaßen:

Wir gehen zunächst von einem Betrachter aus, der aus einem Abstand von 70 cm senkrecht auf die Bildschirmmitte sieht und sich nicht bewegt. Er sieht so bereits alle Bildpunkte bis auf den Mittelpunkt des Schirms unter verschiedenen Winkeln. Deren Größe hängt direkt von der sichtbaren Bildfläche ab, denn je größer die Mattscheibe ist, desto schräger fällt der Blick auf den Display-Randbereich. Diesen Winkelbereich beschreibt das minimale Sichtfeld.

Jeder Farbton im Bild kennzeichnet einen Kontrastbereich. Sind nur wenige Farbübergänge im Kontrastplot, verändert sich der Bildkontrast entsprechend langsam mit dem Blickwinkel. Ohne Blauanteile fällt der Kontrast nie unter 10 : 1, im Idealfall wäre der gesamte Kreis rot.

Da niemand völlig unbewegt vor dem Monitor sitzt, definieren wir auch ein erweitertes Sichtfeld. Dieses umfasst alle Winkel, unter denen ein imaginärer Anwender (mit nur einem Auge auf der Nasenspitze) die Bildfläche sieht, wenn er den Kopf so weit aus der Bildmitte herausbewegt, bis sein Blick jeweils senkrecht auf die Mitte der äußeren Bildflächenkanten fällt.

Innerhalb dieser beiden Sichtfelder errechnen wir den mittleren Kontrast aller Bildpunkte sowie die prozentuale Abweichung aller Bildpunkte vom mittleren Kontrast im jeweiligen Sichtfeld - der absolute Kontrast im Sichtfeld variiert also nach oben und unten um diesen prozentualen Anteil. Wir gehen dabei von einer Normalverteilung der Kontrastwerte aus und beziehen deren Standardabweichung auf den gemittelten Absolutkontrast. Die beiden schwarzen Rechtecke im nebenstehenden Kontrastbild entsprechen der Größe des minimalen und erweiterten Sichtfelds auf einem 18"-LCD.

Das Kontrastbild visualisiert, wie stark sich der Kontrast, also das Verhältnis eines weißen zu einem schwarzen Punkt auf dem Schirm, in Abhängigkeit vom Blickwinkel ändert. Ein Kontrastverhältnis von 150 : 1 ist ein akzeptabler Wert, viele aktuelle Displays bieten jedoch deutlich mehr. Die winkelabhängigen Kontrastaufnahmen generieren wir mit einem konoskopischen Messverfahren. Dabei wird die Helligkeitsverteilung einer definierten Bildfläche über einem bestimmten Sichtwinkelbereich gemessen, einmal für einen schwarzen Fleck von 4 mm Durchmesser und einmal für eine weiße Fläche. Auf diese Art ermitteln wir auch die Winkelabhängigkeit der Farben auf einem roten, blauen und grünen Messfleck. Das gesamte Sicht- beziehungsweise Messfeld überstreicht einen Winkelbereich von 80 Grad in alle Richtungen. Die konzentrischen Kreise der Kontrastbilder markieren jeweils 20-Grad-Schritte.

Anders ausgedrückt: Die aus dem Messfleck in Displaymitte austretenden Strahlen werden in einem 70 cm hohen Kegel mit einem Öffnungswinkel von 80° gemessen. Wenn man den Kegel umdreht - also mit der Spitze an die Nase hält -, umfasst diese ‘Tüte’ alle Blickwinkel, unter denen ein Betrachter das Display gemäß unserem Messbereich sieht. Die runde Grundfläche des Kegels entspricht dabei dem winkelabhängigen Kontrastbild.

Die Displays werden in ihrer Standardauflösung (15"-LCD mit XGA, 1024 x 768 Bildpunkte, 17"-, 17,4- und 18"-LCD mit SXGA, 1280 x 1024 Bildpunkte, 19,6" mit UXGA, 1600 x 1200 Bildpunkte) mit für LCDs sinnvollen 60 Hz betrieben. Zusätzlich überprüfen wir die jeweils von der Standardauflösung abweichenden, kleineren Darstellungen (SXGA, XGA, SVGA, VGA) sowie den DOS-Textmodus (720 x 480); alle verwendeten Video-Timings entsprechen den Spezifikationen der VESA (Video Electronics Standard Association).

Zur Bildbeurteilung dienen definierte Muster des Videotestgenerators VTG 1300 der finnischen Firma Unigraf. Der programmierbare Generator dieser PC-Karte stellt hochstabile und flankensteile Signale (300 MHz RAMDAC) bereit. Die digitalen Displays testen wir an einer ATI Rage Fury Pro mit DVI-Ausgang. Die Testmuster erzeugt hier das Monitorprogramm ctscreen.

Den Regelbereich der Leuchtdichte ermitteln wir mit dem Gossen-Mavo-Monitor auf einem weißen Bild in Displaymitte. Die Luminanz wird so weit wie möglich mit dem Helligkeitsregler auf ergonomische 100 cd / m2 eingestellt; dies ist auch die Einstellung für alle nachfolgenden Messungen. Die Leuchtdichteverteilung über den gesamten Bildschirm beurteilen wir auf einem - abgesehen von neun Messkreisen - weißen Vollbild. Alle Messungen werden senkrecht zum Display durchgeführt.

Im Regelfall vermessen wir die LCDs in ihrer Werkseinstellung, bei zu geringer Graustufenauflösung passen wir jedoch Kontrast und Schwarzpegel an. Sollte die Synchronisation nicht automatisch einwandfrei sein, regeln wir Frequenz, Phase und Bildlage entsprechend nach. Dieses Vorgehen entspricht dem von der Internationalen Normenkommission vorgeschlagenen Messverfahren für Flat Panel Displays (ISO 13406-2).

Das winkelabhängige Verhalten des Schwarzweiß-Kontrastes und der RGB-Farben analysieren wir mit einem ConoScope von autronic-Melchers. Im minimalen und erweiterten Sichtfeld errechnen wir die mittlere Höhe des Kontrastes und dessen prozentuale Abweichung. Den maximalen Sichtwinkelbereich für einen Kontrast von 10 : 1 ermitteln wir aus den konoskopischen Aufnahmen (siehe auch Kasten ‘Von allen Seiten’).

Den Leistungsverbrauch im Betriebs-, Standby-, Suspend-, Power-Off- und physikalischem Aus-Zustand messen wir mit dem LMG 95-Leistungsmesser von ZES gemäß VESA-Spezifikation.

Nur ein fehlerfreies Display ist ein gutes Display - das stimmt leider nicht ganz. Auch bei richtig guten LCD-Monitoren kann man sie zuweilen erkennen, die kleinen, immer leuchtenden oder immer dunklen Pünktchen. Zwar sind Pixelfehler mitnichten ‘als reine Schönheitsfehler einzustufen’ oder gar ‘ein typisches Merkmal von TFT-Monitoren’. Doch eine gewisse Anzahl muss man derzeit in Kauf nehmen - zumindest rein rechtlich. Einige Hersteller geben im Handbuch die Fehlerrate an, die zum Umtausch berechtigt. Bei wenigen Defekten (beispielsweise vier dunkle und zwei helle Punkte) hat man allerdings wenig Chancen, hier bleibt eigentlich nur der Kulanzweg.

Pixelfehler sind die Folge von ausgefallenen Transistoren auf dem Display. Dort, wo ein Transistor nicht mehr durchschaltet (beziehungsweise immer leitet), entsteht ein ständig leuchtender (beziehungsweise immer dunkler) Bildpunkt. Die ISO 13406-2 widmet sich unter anderem dem Pixeldefekt-Thema und definiert mehrere Fehlerklassen. Auch wenn die Mehrzahl unserer Testgeräte keine oder nur sehr wenig renitente Pünktchen zeigte, würden die kompletten Produktserien höchstens in Klasse 2 eingestuft: maximal siebzehn defekte Sub-Pixel. An die Klasse 1 (fehlerfreies Display) wagt sich bislang kein Hersteller. Siebzehn erlaubte Fehler sind zwar nicht besonders erfreulich, doch immerhin klären eindeutige Angaben den Anwender vor dem Kauf auf und nicht erst, wenns zu spät ist.

Das sollten Sie prüfen
Welche Ausstattung besitzt das Gerät? analoger/digitaler Eingang, Video-In, USB, drehbares Display, Höhenverstellung etc.
Was gehört zum Lieferumfang? Handbuch, Kabel, Netzteil, Monitortreiber, Adapter etc.
Ist das Gehäuse ordentlich verarbeitet? standfest, stabil angebrachtes Display, keine scharfen Kanten, leichtgängige Schwenkmechanik, ausreichende Länge und Flexibilität der Kabel, scherungsfreie und Platz sparende Kabelführung, gut zugängliche Signaleingänge, Schalter und Bedienknöpfe, Bohrungen für Schwenkarm nach VESA-Norm
Was bewirkt die Auto-Adjust-Funktion? synchronisiert zuverlässig, regelt nur Frequenz, Phase und Bildlage, lässt dabei Kontrast und Helligkeit unberührt, ist direkt über eine eigene Taste zugänglich, läuft automatisch an
Lässt sich das Bild auch bei niedrigen Kontrast- und Helligkeitswerten flimmerfrei synchronisieren?
Ist das On-Screen-Menü intuitiv bedienbar, reproduzierbar einstellbar und welche Funktionen bietet es? Analog-LCD minimal: Frequenz, Phase, Bildlage, Helligkeit, Kontrast; zusätzlich: Blacklevel, Farbtemperatur, variable Interpolation, Weiteres; Digital-LCD minimal: Helligkeit, Farbtemperatur, zusätzlich Kontrast, variable Interpolation, Weiteres
Sind Helligkeit, Kontrast und ggf. Eingangssignalumschalter direkt über eigene Tasten/Rädchen zugänglich?
Was bewirkt die Interpolationsfunktion? ist abschaltbar, kann originales Seitenverhältnis bewahren, produziert zufrieden stellende Ergebnisse
Wie ist der allgemeine Bildeindruck?
Wie sind die Farben? angenehm kräftig, nicht zu knallig, auch unter schrägen Blickwinkeln ausreichend satt
Wie hoch und winkelunabhängig ist der Kontrast? Bild bleibt auch aus schrägen Blickpositionen kontrastreich und zeigt gleiche Helligkeit
Ist die Helligkeit gleichmäßig über dem Schirm verteilt?
Gelingt die Graustufendarstellung? Monitor löst nahe beieinander liegende Grau- oder Farbabstufungen in sehr hellen/dunklen Bereichen auf

(uk)