Brandmelder
Mehr als ein Jahr nach dem peinlichen Debakel in der Neujahrsnacht 2000 konnte die Berliner Feuerwehr nun endlich offiziell ihr neues Leitstellensystem präsentieren.
- Richard Sietmann
Eigentlich hatte die größte Feuerwehr Europas schon Mitte 1999 die Einsatzlenkung über das neue Computer- und Kommunikationssystem Ignis abwickeln wollen. Da sich dieser Termin auf Grund von Verzögerungen bei der Fertigstellung des neuen Gebäudes nicht halten ließ, mussten stattdessen die Rechner in der alten Führungsstelle noch schleunigst für den bevorstehenden Jahrtausendwechsel nachgerüstet werden. Dem waren sie dann, wie sich zeigte [1], nicht gewachsen. Der Ausfall der beiden Hauptrechner sowie des Funkmeldesystems hatten damals dazu geführt, dass in der Einsatzlenkung etliche Stunden lang chaotische Verhältnisse herrschten.
| Ăśber einen FDDI-Ring sind Feuerwachen im gesamten Berliner Stadtgebiet an das neue System in der zentralen Leitstelle angeschlossen. |
Das Aufatmen der Projektverantwortlichen war daher stadtweit hörbar, als die inklusive Gebäude 80 Millionen Mark teure neue Leitstelle ihre Feuertaufe, den Jahreswechsel 2000/2001, überstand. In den kritischen Morgenstunden mussten dabei zeitweise 260 Einsätze gleichzeitig abgewickelt werden. Das System wurde von Bull als Generalunternehmer gemeinsam mit den Firmen Frequentis, Siemens, Bosch, Alcatel und DeTeWe realisiert. In Berlin hatte das System den Betrieb bereits Ende September aufgenommen. Es stützt sich im Kern auf zwei Oracle-Datenbankserver, die als Hochverfügbarkeitscluster in einer Client/Server-Architektur ausgelegt wurden. An diese sind über ein internes LAN sämtliche Arbeitsplätze in der Zentrale sowie über einen stadtweiten FDDI-Glasfaserring die Berufsfeuerwachen und eine Ausweichleitstelle angeschlossen. Der Verbund umfasst 144 Unix-Workstations sowie 195 PCs mit Windows NT, die vornehmlich in den Bürobereichen und bei den angeschlossenen freiwilligen Feuerwehren zum Einsatz kommen. Mehrere unabhängige Subsysteme sind über digitale Schnittstellen integriert, so etwa die Funk- und Notrufannahme, die Gefahrenmeldeanlage, lokale Personenrufanlagen in den Wachen und GPS-Empfänger in den Notarztwagen.
Ignis ermöglicht der Zentrale die durchgängige Alarmannahme und Einsatzlenkung unter einer grafischen Oberfläche, die sämtliche Abläufe visualisiert. Eingehende Notrufe werden innerhalb von 30 bis 60 Sekunden erfasst. Innerhalb von weiteren zehn Sekunden erfolgt computergestützt die Disposition der Einsatzmittel unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Personal und Technik sowie der Entfernung zum Ereignisort. Schließlich folgt die Alarmierung der Einsatzkräfte. Erstmals können Personal und Fahrzeuge an den 140 Standorten nun auch separat verwaltet und alarmiert werden. (jk)
Literatur
[1] Richard Sietmann, Dumm gelaufen?, c't 13/00, S. 216 (jk)