Vom PDA zum Smartphone

In der Welt des Mobile Computing bleibt kein Stein auf dem andern: PDAs werden Internet-fähig, der Linux-Pinguin lächelt einen nun auch von den kleinsten Mobilrechnern an und die große Auswahl an Zusatz-Hardware macht die althergebrachten PDA-Plattformen fit für die Zukunft. Zudem drängen Mobiltelefon-Hersteller mit GSM-Know-how und interessanten Konzepten in den PDA-Markt. Doch nicht alles, was auf der CeBIT an den Ständen liegt, wird es bis zur Serienreife bringen.

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Lesezeit: 8 Min.
Von
  • Dr. JĂĽrgen Rink

Um die Highlights der Mobile-Computing-Branche zu sehen, brauchen CeBIT-Besucher gutes Schuhwerk oder besser noch ein Kickboard, denn die PDA-, Smartphone- und Peripheriehersteller verteilen sich über das gesamte Gelände. Um sich vorher eine Route standesgemäß zusammenzustellen, kann man bereits jetzt den Hallenplan und die Ausstellerliste in seinen PDA laden. Noch Ende Februar fand man diesen nur bei www.palmtoppublishing.com/cebit2001, bevor ihn auch die offizielle CeBIT-Site im März anbieten will. Bislang gab es den Messeführer nur für Palm OS, in diesem Jahr können ihn zum ersten Mal auch Pocket-PC-Besitzer laden. Auch dies ist ein Beleg dafür, dass neben Palm-OS-PDAs die mit Windows CE betriebenen Pocket PCs an Einfluss gewinnen. Übrigens, das beliebte Palm-Autorennen VRally können jetzt auch Möchtegern-Schumis mit dem Pocket PC in der Hand spielen.

Der erfolgreichste Pocket PC ist der schicke iPAQ H3630, für den Hersteller Compaq zusammen mit Tegaron eine Navigationslösung präsentiert. Eine echte CeBIT-Neuigkeit ist das zwar nicht, da flunkert Compaq genauso wie viele andere, doch die erste sinnvolle PDA-Navigation mit angeschlossenem Handy sollte man sich nicht entgehen lassen.

Ohne Mobilfunkoption - ob als Ansteckteil oder integriert - lässt sich kaum ein Hersteller von Pocket PCs auf der CeBIT sehen, aber die führenden Mobilfunkhersteller konnte Microsoft nicht auf seine Plattform einschwören. So bleibt es der zweiten Garde überlassen, dem Stinger-Konzept der Redmonder zu folgen. Der britische Mobiltelefon-Hersteller Sendo zeigt ein mobiles Smartphone für die GSM-Netze, das multimediafähig ist und sowohl über IrDA als auch über USB und RS-232 kommunizieren kann. Auch der französische Handy-Hersteller Sagem wird ein Kombigerät präsentieren. Der Wireless Assistant 3050 bietet die Funktionen eines Pocket PC und ist zugleich ein vollwerti-ges GPRS-fähiges Dualband-GSM-Telefon (900 und 1800 MHz). Für viele wird jedoch das Trium Mondo von Mitsubishi mit GSM- und GPRS-Datenfunktechnik das Windows-CE-Highlight sein.

Einen der seltenen Neuzugänge zur Microsoft-Plattform stellt Thendic vor. Sein Handheld PC SmartBoy hat ein GSM-Modem und hat einen Kreditkartenschlitz. Thendic entwickelt das Gerät für den Business-Markt und sieht Anwendungen in der Logistik und Gastronomie.

Palm rührt kräftig die Werbetrommel, um vom Ruch des zwar erfolgreichen, aber etwas altmodischen PDA-Herstellers loszukommen. An Palm OS reicht immer noch keine andere Plattform heran und deshalb kann man stolz eine Fülle von Peripherie-Herstellern auf dem eigenen Messestand präsentieren. Viele von ihnen verwandeln die bestehenden Modellserien mit Zusatz-Hardware in Smart-PDAs. Sowohl für Palm III als auch für Palm V wird es GSM-Aufsätze geben. Konkurrent Handspring kontert standesgemäß mit dem VisorPhone, einem GSM-Modul für den hauseigenen Springboard-Slot. Mit dem Palm-OS-PDA fotografieren? Kein Problem, denn Kodak verkauft seine Ansteckkamera zukünftig auch für den Palm m100.

Um die Eingabe auf einem Palm-OS-PDA zu erleichtern, bieten eine Reihe von Herstellern leistungsfähige Zeichenerkennungen und auch externe Tastaturen an. Auf der CeBIT wird Yahoo! seine Version einer Tastatur für Palm OS vorstellen. Das Mini-Keyboard ist kompatibel zu allen Palm-Serien und kann zusammengeklappt werden. Das Anschlusskabel verschwindet dabei in der Tastatur.

Palm selbst wird das Ende vergangenen Jahres angekündigte Palm OS 4.0 vorstellen. Die neue Version seines Betriebssys-tems kann mit Speichererweiterungen umgehen und bringt einen erweiterten Attention-Manager mit, um ankommende Nachrichten und Meldungen dem Benutzer auf vielfältige Art und Weise zu melden. Palm wird voraussichtlich sogar neue Modelle auf der CeBIT präsentieren. Zwar hält man sich bedeckt, doch die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Ein Palm V mit Farbdisplay mit dem Namen m505 solls wohl sein und der m100 soll mit einem m105 bezeichneten Gerät Gesellschaft bekommen. Dieser PDA soll den Palm IIIxe ablösen, obwohl er vermutlich ein kleineres Display mit der Palm-OS-üblichen Auflösung von 160 x 160 haben wird. Sony geizt da weniger mit Informationen. Der Konzern wird in Hannover seinen Palm-OS-PDA Clié mit Graustufen-Display für den deutschen Markt vorstellen.

Und wie sieht es mit Symbian und Epoc aus? Der ehemalige Symbian-Partner Motorola liebäugelt zwar eher mit Palm und hat zusammen mit dem PDA-Marktführer die Entwicklung eines PDA mit Mobilfunkzugang angekündigt, aber das Konsortium konnte kürzlich Handy-Hersteller Siemens für zukünftige Smartphones in sein Boot holen. Auf die Realisierung des stiftbasierten Quartz-Designs müssen wir aber immer noch warten, zumal Psion seine schon recht weit fortgeschrittene Entwicklung eines solchen Smart-PDAs seit kurzem auf Eis gelegt hat, nachdem sich Motorola aus der gemeinsamen Entwicklung eines Quartz-Geräts verabschiedet hat. Aber das Crystal-Konzept eines Tastaturgeräts kann man am Nokia-Stand in Form des Communicator 9210 schon inspizieren. Das smarte Gerät mit einem Farbdisplay im Querformat versteht neben GSM auch HSCSD.

Abseits der etablierten Plattformen versuchen Linux-PDAs zu bestehen. Das Hamburger Systemhaus Lisa wird seine brandneue Mobile-Linux-Distribution auf einem Compaq iPAQ präsentieren, zusammen mit der Entwicklungsumgebung QPE. Der Samsung Yopi ist ein reiner Linux-PDA und soll sogar Sprachsteuerung beherrschen. Sharp hat in der Vergangenheit Produkte wie den Handheld-PC Pro HC-7000 auf der CeBIT gezeigt, die nie verwirklicht wurden. Ob dem Prototypen eines Zaurus-PDA mit herausfahrbarer Tastatur das gleiche Schicksal bevorsteht, wird die Zukunft zeigen. Ein genauer Blick auf die Plattform lohnt, denn der schlanke PDA soll unter Linux laufen, heißt es.

Franklin Electronic Publishers stellt wieder einmal seinen eBookMan vor. Der PDA mit dem Franklin-eigenen Betriebssystem ist etwas größer als ein Palm und soll Lese-Software für E-Books (proprietär und für den MS Reader) enthalten. Das Kombigerät aus E-Book-Anzeige und PDA hätte schon letztes Jahr auf den Markt kommen sollen. Nun feiert es auf der CeBIT zum zweiten Mal Premiere, diesmal erwarten wir jedoch die definitive Markteinführung in Kürze.

C Technologies wandelt mit seinen Stift-PDAs und -Scannern schon immer abseits der ausgetretenen PDA-Pfade. Mit den C Pen 600 und C Pen 800 hat der Hersteller das Kunststück fertig gebracht, einen Scanstift mit einem PDA zu vereinen. Der schwedische Hersteller enttäuscht die CeBIT-Besucher auch dieses Jahr nicht: Der Neuzugang Magic Stick scannt Text, fotografiert ganze Seiten ab und überträgt die Daten per Bluetooth zum PDA, Handy oder Notebook.

Olivetti erweitert seine DaVinci-Serie um drei weitere Modelle, darunter einen PDA mit eingebautem Modem. Bislang erinnerte der DaVinci mit seinem Betriebssystem sehr an Palm OS und brachte eine zusammenklappbare Minitastatur mit, die über ein Kabel mit dem Gerät verbunden ist. Auf die Neuzugänge darf man gespannt sein. (jr)

Compaq: Halle1, Stand 4h2
Sendo: Halle 26, Stand C48
Sagem: Halle 26, Stand C53
Mitsubishi: Halle 26, Stand C56
Thendic: Halle 2, Stand D02 (Microsoft)
Palm: Halle 13, D 07
Handspring: Halle 13, Stand D52
Kodak: Halle 9, Stand A18
Olivetti Lexikon: Halle 1, Stand 4i16
Sony: Halle 13, Stand C18
Nokia: Halle 26, Stand F72
Lisa: Halle 3, Stand C57
Samsung: Halle 12, Stand C49
Conversay: Halle 26, Stand E32
Franklin: Halle 13, Stand D43
C Technologies: Halle 13, Stand F47
Reima: Halle 16, Stand D54
Mitac: Halle 13, Stand C13
Sharp: Halle 1, Stand 4a3
Yahoo!: Halle 10, Stand 401 (Morchard)
(jr)