Alles Spitze?

Man nehme: Die schnellste Athlon-CPU, die modernste Speichertechnik, ein Asus-Board, einen DVD-Player und eine 40-GByte-Festplatte, würze das Ganze mit einem attraktiven Preis - und fertig ist das Superschnäppchen. Da waren unsere Testkäufer nicht mehr zu halten.

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Von
  • Georg Schnurer

Der Vobis-Denkzettel in der Tageszeitung versprach endlich einmal ein rundes PC-Schnäppchen: Einen Athlon-1333 hat Vobis auf ein Asus-Board mit 128 MByte DDR-SDRAM gepflanzt. Dazu gab es noch eine mit 40 GByte nicht zu kleine Festplatte, ein 16fach DVD-Laufwerk sowie eine Geforce2-MX-Grafikkarte mit TV-Ausgang. Das Ganze kostete zusammen mit zwei Billig-Boxen (19 Mark) und Windows ME nur 1999 Mark. Wer auf das Betriebssystem verzichtet, kommt sogar noch 50 Mark günstiger weg.

Im örtlichen Superstore war noch genau ein Gerät vorrätig, das wir eilends erwarben. Bereits im Geschäft fiel auf, dass Vobis keine Windows-CD mitliefert. Diese, so teilte man uns mit, könnten wir in Form einer gebrannten Recovery-CD für 49 Mark kaufen - wir lehnten erst mal dankend ab. Zum Abschied steckte unser Verkäufer noch eine Maus ins Paket, die sei, so meinte er, sonst auch nicht dabei. Im Labor entdeckten wir dann aber doch noch einen zweiten Nager im Karton.

Schlimmer als die doppelte Maus fanden wir die Ungereimtheit, die wir in Sachen Betriebssystem entdeckten: Der Prospekt versprach Windows Me, ohne die sonst üblichen Einschränkungen (OEM-Version, Recovery-CD). Da erwartet man als unbedarfter Anwender eine echte Windows-Vollversion mit CD, und keinen Betriebssystem-Krüppel ohne Medium.

Die nächste Enttäuschung erlebten wir bei der Inbetriebnahme des Rechners. Die von Vobis eingespielte Vorinstallation strotzte von Mängeln: Es fehlten die Treiber für den auf dem Asus A7A266-Board verwendeten ALi-Chipsatz (ALi Magik 1) sowie die Software für den Onboard-Sound. Beide mussten wir manuell von der mitgelieferten Treiber-CD nachinstallieren. Weitere Ungereimtheiten entdeckten wir beim Grafikkartentreiber: Obwohl in dem Rechner eine AGP-Karte von Asus (V7100-OEM) steckte, hatten die Experten von Vobis einen Elsa-Treiber installiert. Schlimmer noch, die verwendete Version 11.00 ist eine Beta-Software, die von Elsa explizit nur für die Karten mit GeForce3-Chip vorgesehen ist. Karten mit dem alten Geforce2 MX sollten dagegen den aktuellen Nvidia-Treiber (Detonator3, 650) verwenden.

Die zum DVD-Laufwerk gehörende DVD-Software war ebenfalls nicht installiert. Als wir versuchten, diese einzuspielen, gab es eine Windows-Schutzverletzung nebst allfälligem Neustart des Systems. Im zweiten Anlauf klappte die Installation dann aber. Das Abspielen von DVDs gelang ohne merkliche Ruckler und der verwendete Software-Player PowerDVD (Version 3.0) kam mit allen geprüften kritischen DVDs ohne Murren zurecht.

Angesichts des schnellen Prozessors und der rasanten Speicherchips erwarteten wir natürlich hervorragende Testergebnisse. Doch auch hier folgte schnell die Ernüchterung: Bei der BAPCo erreichte der Rechner gerade mal 176 Punkte; das ist zwar nach unserer Wertungsskala für Komplettsysteme ‘sehr gut’, entspricht aber bei weitem nicht der Leistungsfähigkeit der CPU. Ähnlich fielen auch die Spieletests aus: Im Mittel brachte es das System auf 90 fps - ein 1,3-GHz-Prozessor mit modernster Speicherausstattung sollte hier einfach besser abschneiden.

Die Schuldigen an den wenig überzeugenden Testresultaten sind schnell ausgemacht: Die Grafikkarte mit Geforce2-MX-Chip passt nicht zu der Hochleistungs-CPU. Selbiges gilt auch für den auf dem Asus-Board verwendeten ALi-Chipsatz. Er arbeitet mit DDR-SDRAM nur unwesentlich schneller als mit klassischem PC133-SDRAM und nutzt so das Potenzial des modernen Speichers nicht aus. Zu allem Überfluss ist das Board selbst mit DDR-Speicher noch langsamer als preiswertere Platinen mit VIAs KT133A-Chipsatz und SDRAM-Bestückung. Mit etwas Finetuning (korrekter Grafiktreiber, IDE-Treiber von www.ali.com.tw) kann man dem System zwar noch etwa 14 BAPCo-Punkte abtrotzen, richtig schnell wird der Rechner dadurch aber immer noch nicht.

Ach, hätte Vobis doch statt des Asus A7A266 die Board-Version mit AMDs 760-Chipsatz (A7M266) verwendet. Die kostet im Einzelhandel nicht mehr, arbeitet aber deutlich schneller. Dazu dann noch eine angemessene Grafikkarte mit GeForce-3-Chip oder wenigstens GeForce2 Ultra - tja, dann könnten wir jetzt vom schnellsten AMD-System auf dem Markt schwärmen. Dafür hätten wir - und sicher auch viele Kunden - gern etwas mehr Geld ausgegeben.

Vobis Highpaq D XD Power 1333 - technische Daten
Prozessor AMD Athlon-1333
Board/Chipsatz Asus A7A266, ALi Magik 1
Hauptspeicher 128 MByte DDR-RAM, 1 DDR-RAM-, 3 SDRAM Sockel
Speichertyp Samsung DDR-SDRAM, PC2100-CL2,5-3-3
AGP-Steckplatz 1 x AGPPro; 5 PCI, jedoch nur 4 nutzbar; 1 AMR
PS2-Tastatur- und -Mausport +/+
Ser-./Par.-/Game-/USB-Port 2 / 1 / 1/ 4
Grafikkarte Asus AGP V-7100 (T), Nvidia GeForce2 MX, 32 MByte
TV-Ausgang (Art) + (Composite-Out, 4 Pol S-Video Out)
Festplatte Quantum Fireball lct20 40.0AT, 38,1 GByte, ATA100
DVD-ROM-Laufwerk Matshita DVD-ROM SR8586, 16/48fach-Speed
Diskettenlaufwerk +
Soundinterface Onboard, CMI8738/PCI-SX
Mic/Line in/Line out +/+/+
Boxen Highscreen Activ Box, 2 x 120 W PMPO/2 x 3 Watt
Tastatur Chicony KB-2966
Maus Digitus Accessoires, 3-Tasten-Maus
IR-Interface +, nicht nutzbar
Netzteil Fortron/Source FSP250-60GTA(PF), 250 Watt
Netzschalter/220-V-Ausgang +/-
Reset-Taster +
Gehäusetyp Midi-Tower, 185 x 460 x 440 mm
Betriebssystem Windows ME
Treiber-CDs +
DVD-Decoder-Software CyberLink PowerDVD 3.0
Anwendungssoftware Lotus SmartSuite Millennium Edition Rel. 9.5,CorelDRAW 9
Spiele/sonstige Software Vobis Web-Set 3.0, Klicktel 2000
Garantiezeit 12 Monate Bring-in-Service
Preis 1999 DM
Vobis Highpaq D XD Power 1333 - Testergebnisse
Anwendungsbenchmarks
BAPCo Sysmark 2000 176
Internet-/Office-Rating 200/160
PovRay 3.1 1,12 min / 1066 PPS
Cinema 4D Cinebench 2000
Shading (Cinema 4D/OpenGL) 11,54 / 21,26 CB
Shading GL-Faktor/Raytracing 1,84 x / 17,88 CB
MS C++ Mozilla-Kompilation 27 min
Spielebenchmarks
Grafiktreiber Elsa 4.13.01.1100
3DMark 2000 6254
Helicopter L/M/H 119,3/84,2/41,9 fps
Adventure L/M/H 145,0/81,9/48,9 fps
Quake III Highest/Fastest 87,4/154,5 fps
Unreal Tournament 48,0 fps
DVD-Wiedergabe [+]
Audio-Grabbing DVD/CD 4,49 min/16,5 x
Recovery-Prozedur
Festplatten-Benchmark (Lesen/Schreiben) 19,7/19,6 KByte/s
Soundkarten-Tests, Line-Eingang
Klirrfaktor/Dynamik 0,77 %/76,5 dBA
Linearität (30 Hz-19 kHz) W/AW 4,5/2,2 dBA
Störabstand/Übersprechen 82,8 dBA/71,5 dB
Soundkarten-Tests, Mikrofon-Eingang
Klirrfaktor/Dynamik/Linearität (30 Hz-19 kHz) 0,107 %/65,1 dBA/7,15 dB
Lautsprechertests
Frequenzgang 241-13093 Hz
Linearität/Klirrfaktor/max. Schalldruck 13,8 dB/2,66 %/63,4 dB
Geräuschmessung
Ruhegeräusch Standby 2,6 Sone, 39,6 dBA
Ruhegeräusch Betrieb Normal/Last 3,0 S, 40,3 dBA/4,3 S, 45,4 dBA
Arbeitsgeräusch HD/CD 3,7 S, 42,2 dBA/8,0 S, 53,8 dBA
Signalqualität Grafikkarte
Anstiegszeit/Pixeltakt 80,7 %, [-]
UPP700 mV 68,6 %, [-]
Bewertung
Hardware-Aufbau [++]
Software-Konfiguration [-]
Systemkonzept [±]
Anwendungs-Performance [++]
Spiele-Performance [++]
Sound-Eindruck (Soundkarte/Boxen) [-]/[-]
Geräuschentwicklung [-]
[++] sehr gut [+] gut [±] zufrieden stellend [-] schlecht – sehr schlecht + vorhanden - nicht vorhanden k. A. keine Angabe

(gs)