Interview: Fotografin Lila Hartig und die Heimat in der Fremde
Ein kleiner Staat im Staat: Fotografin Lila Hartig zeigt in ihrer Ausstellung "51st State" wie amerikanische Soldaten in ihren Kasernen in Deutschland leben.
- Dr. Thomas Hafen
Strenge Zugangskontrollen, Fotografier-, ja sogar Zeichenverbot: Die amerikanischen Kasernen in Deutschland sind eine abgeschottete Welt. Die Fotografin Lila Hartig durfte sie dennoch besuchen. In ihrer Ausstellung "51st State – Leben in einer U.S. Army Kaserne in Bayern", die derzeit im Amerikahaus in München zu sehen ist, zeigt sie Menschen, die trotz ständiger Umzüge von einem fremden Ort zum anderen ein halbwegs normales amerikanisches Leben zu führen versuchen. Thomas Hafen hat die junge Fotografin zum Interview getroffen.
Thomas Hafen: "51st State" heiĂźt ein Hit der Band New Model Army aus den 1980er Jahren, der sich kritisch mit den HegemonialansprĂĽchen der USA auseinandersetzt. Bezieht sich der Titel Ihrer Ausstellung auf den Song?
Lila Hartig: Nein, ich kenne das Lied gar nicht. Ich fand "51st State" einfach passend, weil die Kasernen ein geschlossenes System sind. In ihnen ist praktisch alles amerikanisch, von der Bank ĂĽber die Shopping Mall bis zum U.S. Postal Service. So etwas wie ein amerikanischer Bundesstaat in der Fremde.
"51st State – Leben in einer U.S. Army Kaserne in Bayern" (6 Bilder)

(Bild: Lila Hartig)
Die USA schlieĂźen eine Kaserne nach der anderen. Macht sich Endzeitstimmung breit, sowohl in den Einrichtungen als auch bei den Menschen im Umfeld, die zum groĂźen Teil von den Kasernen leben?
Hartig: Es war eigentlich meine ursprüngliche Idee, genau dieser Frage nachzugehen. Ich wollte in einer der kürzlich geschlossenen Kasernen in Bamberg oder Schweinfurt fotografieren. Das hat sich leider nicht umsetzen lassen. Niemand fühlte sich so richtig zuständig und ich bekam keine Genehmigung.
Sie hätten sich ja reinschleichen können, wie das viele Lost Places-Fotografen machen …
Hartig: Das wäre definitiv keine gute Idee gewesen. Die Amerikaner waren zwar komplett abgezogen, aber es waren noch Leute dort, die sich um die Abwicklung kümmerten. Außerdem ist das die Abschlussarbeit für mein Fotodesign-Studium. Da wollte ich keine illegalen Aktivitäten riskieren.
Was haben Sie stattdessen gemacht?
Hartig: Ich habe mein Konzept geändert und mich auf noch aktive Kasernen der Garnisonen Ansbach und Bavaria konzentriert, die wahrscheinlich auch noch länger Bestand haben werden. Grafenwöhr beispielsweise, das zur Garnison Bavaria gehört, hat einen riesigen Truppenübungsplatz, der auch international genutzt wird.