Unzustellbar gibt's nicht
Pakete kommen oft an, wenn niemand zu Hause ist. Dabei gibt es viele schlaue Lösungen für die letzte Meile. Und Dienste, die sofort nach der Bestellung liefern.
- Joseph Scheppach
Pakete kommen oft an, wenn niemand zu Hause ist. Dabei gibt es viele schlaue Lösungen für die letzte Meile. Und Dienste, die sofort nach der Bestellung liefern.
Postamt im Garten
Pakete beim Nachbarn abholen oder am nächsten Tag in die Postfiliale hetzen – das kann man sich sparen. Die Post bietet dafür neuerdings extra Paketkästen an: Metallbehälter in verschiedensten Größen – vom Format eines Bierkastens bis zum mannshohen Tresor. Die Kästen stehen vor der Haustür oder im Vorgarten. Der Bote kann Pakete dort hineinlegen oder auch zum Versand mitnehmen. Die Nutzer des Privatdepots und der DHL-Zusteller haben jeweils einen elektronischen, eigens programmierten Schlüsselchip. Die neuen Paketkästen sind ab 99 Euro zu haben und richten sich vor allem an Hausbesitzer. Das System hat jedoch Sicherheitslücken. So lässt sich die Verriegelung der Boxen relativ leicht knacken. Zudem gab es Klagen über Schlüsselchips, die nicht funktionierten, und Zusteller, die von der DHL nicht mit Öffnungschips ausgerüstet worden waren. „Inzwischen aber funktioniert dieses System reibungslos“, versichert DHL-Sprecher Erwin Nier. Für DHL-Konkurrenten bleibt der Kasten allerdings versperrt.
Deshalb haben Hermes, DPD und GLS das Gemeinschaftsunternehmen ParcelLock gegründet. Dieses offene System sollen alle Paketdienste und Lieferanten ohne Einschränkung nutzen können, selbst lokale Supermarkt-Lieferdienste. Die Idee: Ein IT-System übermittelt an die Paketzusteller elektronische Zugangscodes, die für jede Sendung individuell sind und das einmalige Öffnen des Kastens ermöglichen. Indem jedes Einlegen und Entnehmen digital protokolliert wird, könnte der ParcelLock-Kasten dem Paketzusteller bereits im Vorfeld mitteilen, ob er belegt oder frei ist. Bislang existiert ParcelLock lediglich auf dem Papier. Doch noch diesen Monat wolle er Näheres zum Stand des Projekts mitteilen, sagt ParcelLock-Geschäftsführer Dirk Reiche.
Immerhin schon in der Probephase ist der „PaketButler“, der sich aber ebenfalls nur exklusiv mit DHL-Paketen bestücken lässt: eine zusammengefaltete Kiste, die der Kunde auf die Fußmatte vor die Wohnungstür legt, wenn er ein Paket erwartet oder zurückschicken will. Der PaketButler ist mit einer Lasche diebstahlsicher an der Wohnungstür gesichert und kann nur mit einem Chip des DHL-Boten und des Empfängers geöffnet werden. 200 Kunden des Modehändlers Zalando testen den Butler gerade in Berlin. Die Kiste soll nach Markteinführung knapp hundert Euro kosten.
Die Lockbox funktioniert ähnlich wie der PaketButler, nur dass sie sich von verschiedenen Paketdiensten beliefern lässt. Nach einmaliger Anmeldung bei Lockbox kann ein Kunde in jedem beliebigen Onlineshop eine Bestellung aufgeben, dafür muss er lediglich die Lockbox-Nummer in einer Adresszeile der Bestellung eintragen. Einzige Bedingung: Der gewählte Onlineshop muss über einen Paketdienst ausliefern, der die Lockbox unterstützt. Dann wird die Lieferung gegen eine Gebühr von 2,90 Euro in einem Plastikcontainer vor der Haustür abgestellt und per Drahtseil angeschlossen. Bislang können allerdings nur Bewohner im Raum Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn den Dienst in Anspruch nehmen.
Lieferweg Luft
Der Medikamenten-Transport auf dem Luftweg von der niedersächsischen Hafenstadt Norden zu einer Apotheke auf der Nordseeinsel Juist hat geklappt. 40-mal legte der „DHL Paketkopter 2.0“ im vergangenen Jahr die etwa zwölf Kilometer völlig autonom per Autopilot zurück – 50 Stundenkilometer schnell, mit mehr als einem Kilo Last. Der Paketdienst DHL hat mit dem Pilotprojekt das Ausliefern per Drohne getestet. Auch Amazon hat bereits angekündigt, in vier bis fünf Jahren Bestellungen mit autonomen Fluggeräten zu versenden. Und das australische Start-up Zookal will im Stadtgebiet von Sydney noch in diesem Jahr Bücher minutenschnell per Luftpost verschicken, zum Preis von rund 80 australischen Cent (0,51 Euro) pro Buch. Als Liefergerät kommt Flirtey zum Einsatz, eine Drohne, die an der Universität Sydney entwickelt wurde. Sie navigiert anhand von GPS-Koordinaten. Flirtey hat keine Kameras an Bord, eine spezielle Radartechnik soll Kollisionen mit Bäumen, Vögeln und anderen Objekten vermeiden. „Wir konzentrieren uns zunächst darauf, Studenten mit Büchern zu beliefern“, sagt Zookal-CEO Ahmed Haider. „Später wollen wir das Repertoire auf Kleider, Schuhe, Fastfood und Medikamente ausdehnen.“
Während in Australien der Flugbetrieb kommerzieller Drohnen bereits erlaubt ist, dürfte das hierzulande noch etwas dauern. Die Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO) regelt die rechtlichen Rahmenbedingungen: Wer kommerziell fliegen will, muss eine Genehmigung bei der zuständigen Landesluftfahrtbehörde beantragen. Flieger, die außerhalb der Sichtweise des Steuernden operieren, oder gar vollständig autonome Fluggeräte bekommen derzeit bestenfalls eine Starterlaubnis für Testflüge.
(grh)