SolarCity: Vom Installateur zum Modulproduzenten?
Die größte Solarinstallationsfirma der USA will im großen Maßstab in die Produktion von Solarmodulen einsteigen. Mit einem rekordhohen Wirkungsgrad will SolarCity auf Gesamtkosten kommen, die sich auch ohne Subventionen rechnen.
- David Rotman
Die größte Solarinstallationsfirma der USA steigt groß in die Produktion von Solarmodulen ein. Mit einem rekordhohen Wirkungsgrad will SolarCity auf Gesamtkosten kommen, die sich auch ohne Subventionen rechnen.
Um mit Strom aus fossilen Brennstoffen preislich mithalten zu können, muss Solarstrom noch billiger werden. SolarCity, der führende Installateur von Solaranlagen für Wohnhäuser in den USA, hat dazu jetzt einen neuen Modultyp aus einer Pilotanlage vorgestellt. Mit einem Rekordwirkungsgrad von 22,04 Prozent lässt er den Konkurrenten SunPower (21,5 Prozent) hinter sich – und erst recht den Durchschnitt von 16 Prozent Wirkungsgrad bei normalen Silizium-Modulen. Der Wert ist beeindruckend, doch die Ankündigung wirft auch eine Frage auf: Kann SolarCity es schaffen, von einem Installationsdienstleister zu einem Produzenten von Solarmodulen zu werden, und zwar mit einer radikal neuen Technologie?
Die Ankündigung von Anfang Oktober in New York kam nicht überraschend: Das Unternehmen installiert 34 Prozent aller Dachsolarmodule in den USA und hatte schon vorher davon gesprochen, mit eigenen Modulen hohe Wirkungsgrade erreichen zu können; die Technologie dafür kam durch den Kauf eines kleinen Smart-up namens Silevo im Jahr 2014 ins Haus. Trotzdem sind die erfolgreichen Tests von Produkten aus der 100-Megawatt-Pilotanlage von Bedeutung, denn die Technologie soll später in einer Gigafabrik von SolarCity genutzt werden, die in Buffalo im US-Bundesstaat New York entsteht. Diese Fabrik soll Ende nächsten Jahres den Betrieb aufnehmen und bei voller Kapazität 9000 bis 10.000 Panels pro Tag herstellen.
Die Produktion der hocheffizienten Solarmodule ist relativ billig. Aus diesem Grund, sagt Peter Rive, Mitgründer und Chief Technology Officer von SolarCity, „sind sie meiner Meinung nach die besten der Welt“.
Die Nachfrage nach Solarmodulen für Wohnhäuser in den USA hat in den letzten Jahren stark zugenommen, getrieben von großzügigen bundesstaatlichen Steuergutschriften und Regeln in den meisten Bundesstaaten, die den Eigentümern den Verkauf von nicht benötigtem Strom an Stromnetzbetreiber zu Einzelhandelspreisen zusichern. Diese Subventionen allerdings schwinden – die Steuergutschriften für Solaranlagen in Unternehmen zum Beispiel sinken Ende nächsten Jahres von 30 Prozent auf 10 Prozent. Für SolarCity ist die neue Technologie der Schlüssel, um solche Veränderungen zu überleben.
Solarmodule mit besserem Wirkungsgrad verwerten einen höheren Anteil des auftreffenden Sonnenlichts, so dass sie auf gleicher Fläche mehr Strom liefern. SolarCity wollte schon vor Einführung der neuen Modultechnologie Installationskosten von 2,50 Dollar pro Watt erreichen, 40 Cent weniger als aktuell. Mit den neuen Modulen dürften die Gesamtkosten auf ungefähr 2,20 Dollar pro installiertem Watt fallen, sagt Rive.
Trotz der erfreulichen Ergebnisse von der Pilotanlage ist die Großproduktion einer neuen Solartechnologie stets ein enormes Risiko. Die rasche Hochskalierung der Produktionsprozesse, ohne dabei Wirkungsgrad zu verlieren oder höhere Kosten in Kauf zu nehmen, kann sich als schwierig erweisen. Und es gibt keine Garantie dafür, dass die Module auch dann noch die besten auf dem Markt sein werden, wenn sie kommerziell verfügbar sind.
Als Dienstleister hat SolarCity schnelles Wachstum verzeichnet und Hauseigentümern attraktive Leasing- und andere Finanzierungsmöglichkeiten angeboten. Tatsächlich lässt sich der bisherige Erfolg des Unternehmens direkt auf seine Entscheidung aus dem Jahr 2006 zurückführen, sich aus der Modulproduktion herauszuhalten. Seit langem kauft es seine Module zu, meist von chinesischen Produzenten.
Im Lauf dieser Zeit sind viele andere Unternehmen daran gescheitert, neue Arten von Solarmodulen zu produzieren. Auf der Liste stehen so erfahrene Produktionsfirmen wie General Electric, das im Jahr 2013 Pläne beerdigte, für 300 Millionen Dollar eine Fabrik zu bauen, die zur größten Solarproduktionsstätte der USA geworden wäre. Und in diesem Jahr gab der taiwanesische Halbleiterriese TSMC die Einstellung des Geschäfts seiner Solartochter bekannt.
Die positiven Ergebnisse der Pilotanlage sind also erfreulich für SolarCity. Doch der Schritt von einer 100-Megawatt-Testanlage zur 1-Gigawatt-Fabrik in Buffalo (die Zahlen beziehen sich jeweils auf die Gesamtkapazität der produzierbaren Solarmodule) könnte durchaus noch größere Schwierigkeiten mit sich bringen.
Andererseits ist das Vorhaben eine Erinnerung daran, dass das Unternehmen mit seinem Chairman Elon Musk, dem Gründer von Tesla Motors und SpaceX, schon immer darauf aus war, seine Branche aufzumischen. Bislang hat SolarCity das mit Finanz- und Installationsdienstleistungen getan. Jetzt wird sich zeigen, ob es ihm auch im schwierigeren Produktionsbereich gelingt.
(sma)