Anrüchig

‘Große Mengen giftiger Stoffe’ im Toner von Laserdruckern und damit ‘Krebsgift in jedem Büro’ will die Zeitschrift Öko-Test gefunden haben. Doch die in dem Artikel getroffenen Behauptungen werden nicht nur von Herstellerseite kritisiert.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Tim Gerber

Die Meldung platzte mitten ins Sommerloch. Sogar ZDF-Nachrichtenstar Klaus-Peter Siegloch wusste in der 19-Uhr-‘heute’-Sendung vom 31. Juli von fast alltäglichen ‘Warnungen vor Krebs erregenden Stoffen in der Umwelt’ zu berichten, die jetzt ‘auch aus dem Laserdrucker kommen’ sollen. Seine Moderationstexte druckt die ‘heute’-Redaktion allerdings noch heute auf solchen Geräten.

Sieht man sich die von Öko-Test vorgelegten Messergebnisse näher an, können sie die eingangs zitierten Schlagzeilen kaum stützen. c't führt regelmäßig Emissionsmessungen an Laserdruckern durch; Anhaltspunkte, in solch drastischer Weise vor den Druckern warnen zu müssen, ergaben sich daraus bislang nicht.

Öko-Test hat zehn Toner für zehn verschiedene Drucker auf bestimmte Inhaltsstoffe hin untersuchen lassen. Nur zwei Geräte schickten die Tester exemplarisch ins Ausland, um sie in einer Prüfkammer auf ihre Emissionen hin untersuchen zu lassen. Man wisse ja, ‘was drin ist, kommt auch raus’, verkündete Öko-Test-Chefredakteur Jürgen Stellpflug auf einer Pressekonferenz und wiederholte es fürs ZDF. ‘Da müssen wir nichts messen.’

Für diese These spricht wenig. Denn weder lässt sich feststellen, dass in der Abluft eines Druckers vorgefundene Stoffe eindeutig aus dem Toner stammen - ebenso gut können sie bei der Erhitzung in der Fixiereinheit aus dem Papier austreten oder den Kunststoffen des Gehäuses entweichen -, noch müssen die im Toner nachgewiesenen Stoffe zwangsläufig beim Druckprozess ‘an die Luft’ gesetzt werden.

Die im Toner der beiden Abgas-Probanden gefundenen Schwermetalle konnte Öko-Test in der Abluft nicht nachweisen. Das wundert eigentlich gar nicht, denn diese liegen als atomare Verunreinigungen im Metallgitter des als schwarzen Farbstoff verwendeten Eisenoxyds (Magnetit, Fe3O4) vor und können von dort nicht ohne Weiteres entweichen - jedenfalls nicht bei den im Drucker üblichen Temperaturen um die 200 °C.

Öko-Test liefert zu den gefundenen Schwermetallen keine Mengenangaben. Verschiedene davon fand c't auch in laut Öko-Test ‘empfehlenswertem’ Toner - in so geringen Konzentrationen, dass sie unter den Grenzwerten für Sand auf Kinderspielplätzen liegen dürften. Verwundert hat uns jedoch, dass Öko-Test ausgerechnet einem Drucker ein ‘empfehlenswert’ ausspricht, der in c't-Messungen wiederholt durch extrem hohe Ozon-Werte ‘glänzte’ und in dieser Disziplin die beiden Öko-Test-Kandidaten locker überrundet. (Siehe Vergleichstest auf Seite 134 in ct 17/2001.)

Den Tonerstaub selbst konnte weder Öko-Test noch c't in der Abluft der untersuchten Geräte nachweisen. Und im Unterschied zu Öko-Test hatten wir kein neues Gerät, sondern einen in unseren Labors schon arg strapazierten Drucker testen lassen, der zudem auch keine aufwendigen Abluftfilter besitzt, wie die von Öko-Test untersuchten Modelle.

Kaum verwunderlich, dass die Hersteller unisono durch ihren Verband BITKOM die Vorwürfe zurückweisen. Aber auch die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass es bisher ‘keinen wissenschaftlichen Nachweis einer durch Tonerstäube hervorgerufenen Erkrankung’ gebe. Zwar sind die Berufsgenossenschaften nicht dafür bekannt, bei der Anerkennung berufsbedingter Erkrankungen sonderlich großzügig zu verfahren. Schließlich müssten sie als Versicherungsträger für die Kosten aufkommen. Daraus ergibt sich aber auch ihr Interesse, die an Arbeitsplätzen drohenden Gesundheitsgefahren durch strenge Auflagen möglichst gering zu halten.

Aus diesem Grunde hat die VBG bereits im Frühjahr eine umfangreiche Studie zu Farblaserdruckern und -kopierern vorgelegt. Dort ist zwar gelegentlich von noch bestehendem Forschungsbedarf die Rede, eine Gesundheitsgefahr konnten die Wissenschaftler beim derzeitigen Kenntnisstand jedoch nicht entdecken.

Einigkeit besteht wohl darin, dass Laserdrucker nicht gerade als Frischluftgeneratoren zu bezeichnen sind. So empfehlen durchweg alle Beteiligten einschließlich Öko-Test, für ausreichende Belüftung zu sorgen. Liegt das Büro an einer vielfrequentierten Straßenkreuzung, so könnte dies allerdings giftiger sein als die ‘Gefahr aus dem Drucker’. (tig) ()