MP3 kommt
Sie sind nicht größer als eine Streichholzschachtel oder ein Lippenstift und speichern das musikalische Lieblingsprogramm auf kleinen Kärtchen. Die Rede ist von MP3-Playern. Vor zwei Jahren waren sie auf der IFA nur spärlich vertreten - diesmal zählen sie zu den heißesten Messethemen.
Player für digitale Audioformate wie MP3, AAC, WMA oder Atrac gibt es inzwischen von nahezu allen namhaften und vielen weniger bekannten Herstellern. Darunter winzige Taschenspieler für unterwegs, komfortable Festplattenrecorder für riesige Musikarchive oder Brenner für die eigene CD-Kollektion. Neben puren MP3-Spielern erweitern immer mehr Hersteller wie Aiwa, Philips oder Sony ihr Portfolio durch Ghettoblaster mit MP3-fähigem CD-Spieler - ein Indiz dafür, wie weit die Akzeptanz von MP3 bereits fortgeschritten ist.
MP3 in Serie
Philips stellt auf der IFA gleich eine ganze Palette neuer Geräte vor, die MP3-Dateien abspielen können. Allein vier neue tragbare CD-Spieler erweitern die Expanium-Familie. Darunter der eXp401, der sich ausschließlich auf kleine Mini-CDs mit acht Zentimetern Durchmesser versteht. Dadurch ergibt sich eine gegenüber herkömmlichen CD-Spielern besonders kompakte Bauform von gerade 12 x 10 Zentimetern Größe. Im Unterschied zu den normalen 12-Zentimeter-CDs, die Platz für zehn Stunden Musik im MP3-Format bieten, fassen die ‘Minis’ etwa drei Stunden. Der eingebaute Antischockspeicher des eXp401 kann bis zu 100 Sekunden Musik zwischenspeichern. Der eXp401 soll ab November zum Preis von 500 Mark erhältlich sein.
Auch die Rush-Familie von Philips erhält Nachwuchs. Auf der IFA zeigt der Hersteller den Rush SA209. Mit nur 6 x 6 Zentimetern Größe ist er kleiner als sein Vorgänger. Trotzdem besitzt er ein großes hintergrundbeleuchtetes Display mit ausreichend Platz zur Anzeige von Titel, Interpret, Nummer und Spieldauer. Der interne 64 MByte große Flashspeicher bietet Platz für etwa eine Stunde Musik in CD-Qualität; Erweiterungsmöglichkeiten gibt es nicht. Per Knopfdruck lässt sich der Rush SA209 in ein Diktiergerät für Sprachnotizen umwandeln. Das Gerät soll ab November zu einem Preis von 600 Mark in den Fachhandel gehen.
Handverlesen
Pontis, seit der ersten Stunde Hersteller von MP3-Playern, will zur IFA den Pontis SP610 Referenz präsentieren. Ob das Gerät bis dahin tatsächlich fertig ist, stand bis zum Redaktionsschluss jedoch nicht eindeutig fest. Gegenüber dem vor kurzem vorgestellten SP600 setzt Pontis in dem Neuling auf einzeln geprüfte Komponenten, die den Sound vor allem im Bassbereich verbessern sollen. Die so genannte ‘Außerkopfortung’ soll über Kopfhörer ein Klangbild erzeugen, das dem von Stereo-Lautsprechern gleichkommt. Neben MP3 beherrscht der SP610 als weitere Audioformate WMA (Microsoft Audio), AAC und Real Audio. Zur Standardausstattung gehören zwei Kartenschächte für unterschiedliche Speichermedien: der eine für MultiMediaCard (MMC), der andere für CompactFlash beliebiger Kapazität - eine CF-Karte mit 128 MByte zählt zum Lieferumfang. Um den Nutzen des Gerätes zu erweitern, will Pontis in Zukunft diverse Optionen wie Modem, Handy-Freisprecheinrichtung, MP3-Encoder oder UKW-Radio anbieten. Der SP610 wird voraussichtlich im Oktober zum Preis von 1150 Mark verfügbar sein.
Auf dem Stand von Pontis wird es auch einen ersten MP3-CD-Spieler zu sehen geben. Mit seinem großen Antischockspeicher überbrückt der CDP 1100 Erschütterungen bis zu sechs Minuten Dauer. Des Weiteren merkt sich der Player die Einstellungen (aktuelles Lied, Lautstärke, Klangeinstellung etc.) zu den drei zuletzt gespielten CDs und ruft sie bei erneutem Einlegen der Scheibe automatisch wieder auf. Der CDP 1100 soll im September zum Preis von 400 Mark in den Handel kommen.
Auch Sonicblue kündigt weitere MP3-CD-Spieler für seine RioVolt-Familie an. Auf der IFA sollen der SP90 und der SP250 zu sehen sein. Beide Player akzeptieren neben MP3 auch Dateien im WMA-Format. Der SP250 bietet einen Antischockspeicher von beeindruckenden acht Minuten, hat ein UKW-Radio integriert und besitzt eine Ladefunktion für Akkus. Die Neulinge sollen ab Oktober zu Preisen von 400 (SP90) und 600 Mark (SP250) erhältlich sein.
MP3Pro
Vor kurzem hat Thomson das MP3Pro-Format als Nachfolger von MP3 vorgestellt. Im Vergleich zu MP3 benötigen MP3Pro-Dateien etwa 50 Prozent weniger Speicher bei gleicher Qualität. Auf der IFA will der Hersteller einen ersten portablen Player für dieses neue Format präsentieren. Der Lyra PDP 2800 speichert auf seiner 10-GByte-Festplatte etwa 250 Stunden Musik in CD-Qualität. Das Gerät lässt sich über USB-Kabel mit dem PC verbinden und soll neben MP3- auch beliebige andere Dateien speichern können. Thomson will den Lyra PDP2800 im November zum Preis von etwa 1000 Mark ausliefern.
Da Flash-Speicher - egal ob fest eingebaut oder in Form von austauschbaren Speicherkarten - im Vergleich zu rotierenden Speichermedien meist sehr viel teurer ist, experimentieren immer mehr Hersteller mit Alternativen. Auf der IFA stellt Microboss einen ersten MP3-Player vor, der neben CompactFlash vom Typ I auch Typ II einschließlich der IBM-Microdrive akzeptiert. Der MP3 Flamenco ist als MP3-Player eher spartanisch ausgestattet: Es gibt kein Display und nur die nötigsten Bedienelemente (Play, Stop, Skip vor/zurück) und Funktionen. Es handelt sich also in erster Linie um ein USB-Schreib/Lesegerät für CF-Medien, das als Dreingabe MP3-Dateien abspielt. Dafür soll der MP3 Flamenco auch nur 160 Mark kosten und in Kürze verfügbar sein.
Eine weitere interessante Variante für neue Speichermedien wird es auf dem Stand von Imation zu sehen geben. Der Hersteller stellt dort ein neues 5 DM großes optisches Speichermedium namens DataPlay vor, das ab 2002 mit Kapazitäten von 200 und 500 MByte erhältlich sein soll und vor allem zur Verwendung in MP3-Spielern und Digitalkameras gedacht ist. (pen)
Aiwa: Halle 10.2
Imation: Halle 4.1 Stand 03
Microboss: Halle 4.1b Stand 18
Philips: 07.2a Stand 01
Pontis: Halle 4.1a Stand 26
Sonicblue: Halle 25 Stand S10
Sony: Halle 18 Stand 1
Thomson: Halle 21.a Stand 01
(pen)