Jeder dritte Bildschirmarbeitsplatz mangelhaft

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Christian Persson

Die Gesundheit ihrer Angestellten scheint vielen deutschen Unternehmen nicht viel wert zu sein: Ein Drittel aller Bildschirmarbeitsplätze sind unergonomisch. Das brachte eine jetzt veröffentlichte Untersuchung des Deutschen Büromöbel Forums (DBF) bei 607 Firmen verschiedener Branchen an den Tag. Rund sechs Millionen Bildschirmarbeitsplätze in Deutschland entsprächen nicht den notwendigen ergonomischen und sicherheitstechnischen Kriterien der Bildschirmarbeitsverordnung, so die DBF-Studie.

Die EU-Richtlinie 90/270/EWG von 1990, die 1996 als Bildschirmarbeitsverordnung in nationales Recht umgesetzt wurde, definiert verbindliche Bedingungen für einen Bildschirmarbeitsplatz in deutschen Unternehmen. Vom Arbeitgeber muss eine Gefährdungsanalyse durchgeführt werden, um die Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen bei Bildschirmarbeitsplätzen zu ermitteln. Festgestellte Mängel sollen sofort beseitigt werden. Seit Anfang 2000 müssen alle Bildschirmarbeitsplätze einmalig auf die neue Richtlinie hin analysiert werden. Bei Nichteinhalten können die Gewerbeaufsichtsämter ein Bußgeld von 50 000 DM verhängen.

An jedem dritten der 18 Millionen Bildschirmarbeitsplätze wurde laut DBF die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsanalyse noch nicht durchgeführt. Von den Unternehmen, die bislang keine Arbeitsplatzbewertung erstellt haben, wollen dies sogar nur 16 Prozent noch dieses Jahr nachholen. Von den analysierten Arbeitsplätzen waren zudem lediglich 15 Prozent einwandfrei. Bei elf Prozent der Unternehmen verschwanden die Analysedaten ohne jegliche Auswertung in der Schublade. Dabei wären etwaige Mängel in den meisten Fällen recht einfach zu beheben. So hapert es vor allem an einer korrekten Monitorplatzierung (29 Prozent). Unergonomische Büromöbel (27 Prozent) und Umgebungsfaktoren wie Klima, Akustik und Licht (20 Prozent) folgen in der Problemrangliste.

Laut DBF-Studie gibt es in Deutschland mehr mangelhafte Arbeitsplätze als vor zwei Jahren. Gerade Firmen mit ausgeprägtem EDV-Bedarf wie der Dienstleistungsbereich oder die New Economy, die 1999 noch 76 Prozent der Bildschirmarbeitsplätze bewerteten, haben ihr Engagement jetzt auf 64 Prozent zurückgefahren. Besonders trübe sieht es beim Schlusslicht, dem Handwerk mit 29 Prozent (1999: 33 Prozent) aus. In den öffentlichen Verwaltungen wurde mit 73 Prozent etwas weniger geprüft als zuvor (1999: 78 Prozent). Kräftig zugelegt hat dagegen die Industrie mit 74 Prozent (1999: 65 Prozent), gefolgt vom Handel mit 51 Prozent (1999: 40 Prozent).

Dass die Umsetzung der EU-Bildschirmrichtlinie nicht optimal läuft, ist den zuständigen Behörden bekannt. So erarbeitet das Bundesarbeitsministerium (BMA) zusammen mit den Landesbehörden zurzeit einen Erfahrensbericht für die EU. Zwischenergebnisse sind noch nicht veröffentlicht. Doch schon jetzt ist aus dem Ministerium zu hören, dass für eine verbesserte Umsetzung der Richtlinie viel Überzeugungsarbeit noch geleistet werden muss - sowohl auf Arbeitnehmer- wie auf Arbeitgeberseite. Zusammen mit den Berufsgenossenschaften soll deshalb in Kürze eine Werbeaktion gefahren werden. (Andreas Grote/uk)

[1] Checkliste für Bildschirmarbeitsplätze (cp)