Starthilfe fĂĽrs Heimnetz
Seit Netzwerkmodule wie selbstverständlich zum Lieferumfang aller Betriebssysteme gehören, ist der Aufbau einfacher Netze etwa im Mehrpersonenhaushalt, der WG, dem kleinen Büro oder für die private LAN-Party nicht mehr wirklich schwer.
So einfach der Aufbau eines kleinen Netzes scheint, so schwierig ist die richtige Auswahl der geeigneten Optionen und Vernetzungstechnik sowie die Fehlersuche, falls mal etwas nicht nach Plan läuft. c't stellt im Folgenden die wichtigsten Hinweise zur Heimvernetzung zusammen - Sie brauchen kein Netzwerkprofi zu sein, um davon zu profitieren: Hier erfahren Sie, welche grundlegenden Möglichkeiten zur Vernetzung heute bestehen. Die folgenden Artikel kümmern sich schwerpunktmäßig um die heute als am praktikabelsten geltende Ethernet-Vernetzung - ein Prüfstand gängiger Low-Cost-Switches eingeschlossen. Den Abschluss bilden Schritt-für-Schritt-Anweisungen zur Inbetriebnahme kleiner Netzwerke abgerundet durch Hinweise zur Fehlersuche.
Hardware- und ...
Für den Aufbau eines kleinen Netzes hat man heute diverse Möglichkeiten. Der Griff zum kabelgebundenen Ethernet liegt nahe, da es am preisgünstigsten ist. Eine PCI-Ethernet-Karte ist heute schon für 20 Mark zu haben. Ein zusätzlich benötigtes einfaches Cross-Connect-Kabel, um zwei PCs miteinander zu verbinden, kostet gerade mal einen Zehner. Auf diese Weise lassen sich Distanzen von bis zu 100 Metern überbrücken. Die Übertragungsrate liegt theoretisch bei 10 oder 100 MBit/s (Fast Ethernet). Über einen Hub oder Switch lässt sich ein solches Netz kostengünstig und mit hohen Transferraten auf mehr als zwei Systeme erweitern.
Wer keine Kabel verlegen will oder kann, findet heute in Funknetzwerken (Wireless LAN, kurz WLAN) eine interessante, aber deutlich teurere Alternative. Die Preise sind zwar im steten Sinkflug, aber noch muss man pro Desktop-PC rund 400 Mark und fürs Notebook 300 Mark für die Funkkarte berappen Die Übertragungsraten liegen derzeit bei bis zu 11 MBit/s. Die Reichweite beträgt ohne weitere Hilfsmittel, etwa einen Access Point (ab 700 Mark) oder spezielle Antennen (ab 130 Mark), in geschlossenen Gebäuden rund 20 Meter. Auch ohne Access Point lassen sich mehr als zwei Stationen in einem WLAN betreiben; eine Übersicht über die grundsätzlichen Optionen finden Sie in [1].
Zu Unrecht eher unbekannt ist, dass sich auch FireWire beziehungsweise IEEE 1394 perfekt für die Vernetzung mehrerer PCs eignet, wenn sie nahe beieinander stehen: Geeignete Karten zum Aufrüsten eines PC sind ab rund 100 Mark zu haben. Viele moderne Notebooks bringen einen solchen Anschluss heute sogar schon mit. Ein Standard-1394-Kabel zwischen den Systemen genügt. Ein solches Netz erreicht theoretisch Übertragungsraten von bis 400 MBit/s und auch praktisch immer noch deutlich mehr als Fast Ethernet. Einzige Voraussetzung ist eine einigermaßen moderne Windows-Version (ME, 2000 oder XP), die 1394 als Netzwerkschnittstelle wahrnimmt. Die Kabel zwischen zwei Systemen dürfen bei 1394 allerdings nur bis 4,5 Meter lang sein. 1394 ist ein Bus. Bis zu 64 Geräte können an einem 1394-Netz angeschlossen sein.
Alle anderen möglichen Techniken, zwei oder mehr PCs miteinander zu verbinden, zeichnen sich durch deutlich schlechtere Übertragungsraten aus. Die PC-Direktverbindung, wie sie Microsoft schon in Windows 95 eingebaut hat, kann serielle oder parallele Schnittstellen benutzen und bietet dabei die Vernetzung zweier Systeme an. Entsprechende Kabel sind für einen Zehner zu haben. Die Übertragungsraten liegen je nach Kabel bei 10 KByte/s (seriell) und bis zu praktisch erreichbaren 90 KByte/s (parallel).
Immer wieder kommt als Alternative auch USB ins Spiel: An USB-Ports lassen sich sowohl Ethernet- als auch Funknetzadapter anschließen. Außerdem gibt es spezielle Zwischenstücke, die ein direktes Verbinden von USB-Ports von bis zu 17 Systemen erlauben [2]. Allen gemein ist dabei die theoretische Beschränkung auf Übertragungsraten von 12 MBit/s (bei USB 1.x). Das heißt, dass man die Bandbreite von Fast Ethernet nicht nutzt und unter Umständen auch die anderer gleichzeitig betriebener USB-Geräte künstlich einschränkt. Besonders für die Gelegenheitsvernetzung ist USB nicht nur langsam, sondern auch teuer. Man sollte nur bei ausgeprägter Schraubenzieherallergie auf USB zurückgreifen oder wenn es technisch nicht anders geht. Es ist nicht auszuschließen, dass sich mit Einführung des schnelleren USB 2.0 diese Einschätzung ändert.
... Softwarefragen
Generell sollte man bedenken, dass die theoretischen Ăśbertragungsraten in der Praxis kaum erreichbar sind. Das liegt zum einen daran, dass bei den meisten Techniken die angeschlossenen Systeme sich die Bandbreite teilen mĂĽssen und zum anderen verursachen die zahlreichen Softwareschichten einen erheblichen Mehraufwand. Als Daumenregel kann man von der theoretischen Ăśbertragungsrate in MBit auf die praktisch erreichbare in MByte schlieĂźen, indem man sie statt durch acht durch zehn teilt.
Egal welcher Vernetzungstechnik man sich letztlich bedient, die Schwierigkeiten, die dabei auftreten können, sind eng verwandt. Alle Hinweise zur Konfiguration und zur Suche nach Fehlern gelten insofern auch dann, wenn Sie nicht, wie in den Folgeartikeln zumeist angenommen, Ethernet einsetzen, sondern zu anderen Vernetzungsmethoden greifen. Egal, ob für serielles Kabel, 1394, Funknetz oder Ethernet, bemühen Windows und auch andere Systeme generell die gleichen Module - das heißt, sieht man von grundsätzlichen Problemen bei der Kommunikation auf der Hardware-Ebene ab, gleichen sich auch die Fehlerbilder.
Wer vor der Aufgabe steht, verschiedenartige Systeme zu vernetzen, etwa unterschiedliche Betriebssysteme auf den PCs einsetzt oder auch Nicht-x86-Systeme verwendet, etwa einen Mac, sollte in jedem Fall zu den traditionellen Vernetzungstechniken greifen, also Ethernet oder WLAN: Nur hier ist sichergestellt, dass verschiedene Betriebssysteme auch miteinander kommunizieren - für die sonstigen Techniken klappt das in der Regel nicht. Soll ein Mac im Heimnetz mit von der Partie sein, braucht man in der Regel zusätzliche Software auf einer der beiden Seiten [3].
Realitätscheck
Die Netzwerkmodule in heutigen Betriebssystemen befassen sich hauptsächlich mit dem Austausch von Dateien und Druckdaten. Immer normaler wird auch die gemeinsame Nutzung der Internet-Verbindung eines PC durch andere Teilnehmer im Netz. Funktionen für zentrale E-Mail-Dienste (und sei es nur innerhalb des lokalen Netzes) oder zum Verschicken von Faxen bekommt man allerdings nicht geschenkt. Hier muss man entweder selbst basteln oder auf kommerzielle Angebote zurückgreifen. Auch andere wünschenswerte Funktionen, etwa der gemeinsame Zugriff auf einen CD-Brenner oder einen Scanner, liefert kein System frei Haus.
Als Alternative für derartige Aufgaben kann Fernsteuersoftware dienen: Solche ist mit VNC kostenlos erhältlich und überbrückt auch Systemgrenzen [4]. Mit VNC ist es beispielsweise möglich, einen Windows-PC über das Netzwerk von einem Linux-PC aus fernzubedienen. Fernsteuersoftware, die noch Weiteres leistet, liefert Microsoft in Windows XP, allerdings nur in der Professional-Ausgabe, mit. Sie erlaubt es sogar, die Ressourcen des fernsteuernden PC innerhalb einer Sitzung zu nutzen, das heißt, man kann das fernbediente Word Ausdrucke auf einen lokal angeschlossenen Drucker ausgeben lassen. Als Client zur Fernbedienung eines unter XP laufenden PC genügt Windows 95.
| Ethernet-Kaufberatung | Seite 116 |
| Low-Cost-Switches | Seite 120 |
| Aufbau eines Heimnetzes | Seite 126 |
| Systematische Fehlersuche | Seite 132 |
Literatur
[1] Peter Siering, WLAN-Wegweiser, Was man zum Aufbau eines 802.11b-Funknetzes braucht, c't 18/01, S. 122
[2] Christof Windeck, Ruck-Zuck-Netz, USB-zu-USB-Netz, c't 26/99, S. 52
[3] Andreas Beier, Volltreffer, Macs und Windows-PCs vernetzen, c't 18/01, S. 54
[4] Plattformunabhängige Fernsteuersoftware VNC
| Ăśbertragungsraten | ||
| Theoretisch | Praktisch | |
| Fast Ethernet | 100 MBit/s | 3 - 7 MByte/s |
| FireWire/IEEE 1394 | 400 MBit/s | 12 - 28 MByte/s |
| USB 2.0 | 480 MBit/s | - |
| USB 1.1-Direkt | 12 MBit/s | 400 KByte/s |
| Wireless LAN | 11 MBit/s | 300 - 700 KByte/s |
| Parallel | 14 MBit/s | 90 KByte/s |
| Ethernet | 10 MBit/s | 600 - 800 KByte/s |
| Seriell | 115 KBit/s | 10 KByte/s |
(ps)