Gepanzerte Einlegesohlen
Ein junger Ingenieur will Menschen in Kriegsgebieten vor der Minengefahr schützen – mit einer besonderen Methode.
- Reiner Wandler
Ein junger Ingenieur will Menschen in Kriegsgebieten vor der Minengefahr schützen – mit einer besonderen Methode.
Trotz weltweiter Anti-Minen-Kampagnen zeigen die Zahlen eine traurige Wahrheit: Weltweit sind immer noch über 100 Millionen Tretminen vergraben, jedes fünfte Opfer stirbt an den Verletzungen. Seit 1990 wurden allein in Kolumbien 11097 Menschen Opfer der heimtückischen Waffen. Der 33-jährige Ingenieur Mauricio Betancur will deshalb Menschen in Kriegsgebieten zumindest teilweise vor den Verstümmelungen schützen und hat eine auf den ersten Blick unzureichende Lösung entwickelt: Einlegesohlen.
Wer auf eine Mine mit einer Sprengladung von bis zu 50 Gramm tritt, werde dank der Sohlen sogar unverletzt bleiben, versichert Betancur. Diese Menge reicht sonst, um den Fuß oder gar das ganze Bein unrettbar zu verstümmeln. Bei größeren Anti-Personen-Minen würden Opfer zwar weiterhin Schäden davontragen. Doch Tests mit Dummies und Beinmodellen aus ballistischem Gel zeigten, dass nur der Unterschenkel betroffen sein werde. Das ermöglicht immerhin den späteren Einsatz einer Prothese, mit der das Opfer ein relativ normales Leben führen kann.
Den genauen Aufbau seiner Einlegesohlen will Betancur nicht verraten, da das Patentverfahren noch läuft. Nur so viel: "Die Einlegesohle besteht aus einer Kombination unterschiedlicher Materialien." Es sind zwei Schichten, eine harte aus Keramik und eine weiche aus Polymeren. Das Geheimnis ist neben dem Material seine geometrische Struktur, die Fischschuppen ähnelt.
Dadurch bleibt die Sohle flexibel. "Sie stoppt Projektile und Splitter aus den Minen und nimmt die Energie der Explosion auf", fĂĽgt der junge Ingenieur hinzu, der an der Universität Eafit in MedellĂn studiert hat. Mit 100 Gramm Gewicht und sechs Millimetern Dicke ist sie zwar recht sperrig. Betancur versichert dennoch, dass sie "in jeden Schuh passt". Sein Unternehmen Marte hat in den vergangenen Jahren bereits Minenräumroboter und flexible Schutzwesten entwickelt.
Die Sohle befindet sich derzeit in einer Testphase. Die kolumbianische Armee ist Betancur dabei behilflich. In einem nächsten Schritt will er hundert Paar an die Bevölkerung einer besonders stark von Minen betroffenen Region unweit seiner Heimatstadt MedellĂn verschenken. Bereits im kommenden Jahr sollen die Einlegesohlen fĂĽr rund 50 US-Dollar zu kaufen sein. Schuhe, die vor Minen mit 50 bis 100 Gramm Sprengstoff schĂĽtzen, kosten fĂĽnf- bis sechsmal so viel. Betancur arbeitet bereits an der Folgegeneration seiner Schutzsohlen. Sie sollen durch eine seitliche Verstärkung auch vor Minen mit 100 Gramm Sprengstoff schĂĽtzen. (bsc)