Der Lack ist ab
Was ist los mit DVD? Pioneer zeigt einen unbezahlbaren DVD-R-Schreiber, Toshiba eine Laborstudie eines DVD-RAM-Recorders, einige Me-too-Firmen kĂĽndigen DVD-ROM-Laufwerke an - das ist schon alles. Wo ist der Schwung der 95/96er Pressekampagnen, wo sind die Hollywood-Movies?
- Bernd Behr
Während auf den vorangegangenen Messen in Sachen optische Speicher immer DVD im Vordergrund stand, gingen auf der diesjährigen CeBIT die CD-RW-Unterstützer in die Offensive. CD-RW ist das Kürzel für die wiederbeschreibbare CD, die CD-ReWritable. Die entsprechenden Laufwerke können sowohl diese neuen Disks als auch herkömmliche CD-Rs beschreiben. Die CD-RWs lassen sich mindestens 1000mal überschreiben, wobei man in der Praxis von etwa 10 000mal ausgeht.
Auf einer Pressekonferenz verkündeten die sechs Firmen Hewlett-Packard, Mitsubishi Chemical/Verbatim, Philips, Ricoh, Sony und Yamaha `Die CD-ReWritable ist da´. Obwohl Philips am längsten von der CD-RW spricht, werden die ersten Laufwerke von Ricoh und Yamaha auf den Markt kommen. Besonders Ricoh will schon im April CD-RW-Laufwerke ausliefern, wobei ein Preis von zirka 1000 Mark für das nackte Drive MP6200S genannt wurde; es wird allerdings in der Regel im Bundle mit verschiedener Software angeboten werden.
Die erste mit dem Ricoh-Recorder gebündelte Software wird Gear.rw von Elektroson sein. Diese Gear-Version ist um die Funktion `CD-RW löschen´ erweitert worden. Viel mehr, als die komplette CD-ReWritable zu löschen, ist zur Zeit und mit den Geräten der ersten Generation wohl nicht möglich. Die Daten werden wie vom Beschreiben der CD-R gewohnt vorbereitet und gespeichert. Das Ganze ist also beileibe noch nicht so komfortabel, wie man allgemein erwartet hat.
Auch Cequadrat ist mit der Nase nahe an CD-RW. Die Entwickler des WinOnCD haben auch schon eine Version mit der Löschfunktion parat und werden voraussichtlich mit CD-RW-Recordern von Yamaha bündeln. In Vorbereitung sind auch Programme, die das Filesystem UDF beherrschen, das für CD-RW unerläßlich ist. Denn das bisherige Dateisystem für CD und CD-R, ISO 9660, ist auf das Löschen von Dateien nicht vorbereitet. Auch eine auf der CeBIT vorgestellte neue Brenner-Software namens CD-Wizard von VOB unterstützt CD-RW-Laufwerke.
Außer Ricoh und Yamaha haben noch AOpen (Acer) und Nomai CD-ReWritable-Laufwerke angekündigt und gezeigt, weiterhin natürlich Philips sowie Hewlett-Packard, in deren Geräten wieder ein Laufwerk von Philips steckt. Die ReWritable-Medien beschreiben all diese Recorder mit doublespeed, beim Beschreiben von CD-Rs arbeitet das Drive CRW4001 von Yamaha mit 4X, alle anderen mit 2X. Nur einer der neuen Überschreiber besitzt ein SCSI-Interface: der Ricoh MP6200S, die restlichen sind ATAPI-Laufwerke.
CD-RW-Medien sollen in Kürze in Stückzahlen lieferbar sein von Philips, Ricoh und Verbatim. Es ist zunächst ein Preis um die 40 Mark angepeilt. Sie glänzen nicht golden, wie ihre CD-R-Vettern, sondern sehen aus wie normale gepreßte CDs, spiegeln chrom-silbern.
Bekanntlich können die CD-ReWritables nicht mit bisherigen CD-ROM-Laufwerken gelesen werden. Es sei eine Kleinigkeit im Pickup zu ändern, so sagte man schon vor einiger Zeit; eine Nachrüstung wird niemand anbieten. Inzwischen aber wurden die ersten Laufwerke mit der MultiRead-Eigenschaft ausgestattet: das XM3801 von Toshiba (siehe Test in dieser c't) sowie angekündigte Laufwerke von Plextor (12/20Plex, lieferbar etwa ab Mai), Goldstar (20X-Drive, pure CAV) und Mitsumi (24X-Laufwerk FX240).
Neuer Kurs
In der Anfangsphase der DVD-Promotion waren eher die Konzernabteilungen der Unterhaltungselektronik beteiligt. Nachdem die aber ihre Luftschlösser verlassen mußten, in denen sie von gewaltigen Umsatzzahlen für ein neues Consumer-Produkt geträumt hatten, haben nun die Computerabteilungen von der Technologie Besitz ergriffen. Die haben begriffen, daß ein größerer, vor allem aber kalkulierbarer Markt im Einsatz als Computerperipherie und neues Speichermedium steckt.
Kein Wunder also, daß DVD-ROM-Laufwerke an etlichen Ständen die Vitrinen der optischen Speicher bereicherten, dabei so selbstverständlich präsentiert wurden wie neue xX-CD-Laufwerke: zum Beispiel von Goldstar, Hitachi, Panasonic, Pioneer, Samsung.
Bei Hitachi durfte man auch schon über das erste Doublespeed-DVD-Laufwerk staunen - offensichtlich ist die Industrie gewillt, die Erfolgsstory von CD-ROM mit DVD-ROM noch einmal zu wiederholen: jedes Quartal eine neue X-Generation - man wird sehen, ob die Käufer mitspielen werden.
Erwartungsgemäß hatten Toshiba und Pioneer das Thema DVD etwas höher gehängt. Toshiba hält weiterhin an dem Vorhaben fest, spätestens Anfang 1998 ein DVD-RAM-Laufwerk herauszubringen - was von anderer Seite als viel zu optimistisch gehalten wird. Laut Toshiba soll die Standardisierung von DVD-RAM in diesen Tagen abgeschlossen sein, und die Hauptentwicklungsarbeit an der Hardware sei schon getan.
Es wird auch Zeit, versuchen doch andere Firmen neue Speichermöglichkeiten wie beispielsweise Digital VHS für digitales Video ins Spiel zu bringen. So wirbt auch Exabyte für ihren in Entwicklung befindlichen Eagle DMi damit, daß dieses digitale Bandlaufwerk der DVD-Technologie gegenüber eine höhere Kapazität (13 GByte) mit höherer Übertragungsrate (4 MByte/ Sekunde) bei geringeren Kosten aufweise. Der junge Adler soll Ende des Jahres dem Ei entschlüpfen.
Toshiba will noch keinen Preis für den DVD-RAM-Recorder nennen. Hoffentlich ist er nicht so teuer wie Pioneers DVD-R-Laufwerk. Dieser einmal beschreibende Recorder soll spätestens im Herbst auf den Markt kommen für rund 16 000 Mark.
Schlicht Recordable
Auf dem bewährten Feld der CD-Recordables geht der Trend zum Packet Writing. Dieser Schreibmodus wird genutzt, um kleinere Einheiten als Session oder Track schreiben zu können. Auf diese Weise wird es möglich, einzelne Dateien auf CD-R zu speichern, so einfach wie auf Diskette.
Von Adaptecs DirectCD war in letzter Zeit schon die Rede, auch davon, daß Adaptec diese Software nicht einzeln verkauft, sondern lizenziert hat, so daß sie nur im Bundle mit CD-Recordern erhältlich ist. Diese CD-Recorder müssen den Schreibmodus Packet Writing beherrschen, bei allen neueren Geräten kann man davon ausgehen, daß sie das tun.
Auch die Firma Cequadrat, Entwickler von WinOnCD, hat eine solche Software in Vorbereitung. Packet CD wird ebenfalls gebündelt, zum Beispiel mit den Brennern von Yamaha. Wie DirectCD unterstützt auch Packet CD das UDF-Format (Universal Disc Format) und wird auch bei CD-ReWritables eine Rolle spielen. Packet CD vereinfacht das CD-Schreiben erheblich. Wird eine leere CD-R in das Laufwerk eingelegt, erscheint sofort ein Dialog, der fragt, was mit dieser Scheibe getan werden soll. Man kann sie beispielsweise zunächst formatieren lassen.
Auch eine neue Brenner-Software wurde auf der CeBIT vorgestellt. Das Programm CD-Wizard von dem DĂĽsseldorfer Unternehmen VOB unterstĂĽtzt die meisten CD-Writer sowohl mit SCSI- als auch mit ATAPI-Schnittstelle, darĂĽber hinaus auch schon CD-RW-Laufwerke.
Im Stillen
Eine kleine Firma - so klein nun auch wieder nicht, immerhin gehört Cross Products zum Sega-Konzern - machte angenehm unprofessionell auf sich und auf ihr Produkt namens Mirage aufmerksam. Es handelt sich um einen in echter Hardware aufgebauten CD-Emulator, der das Brennen von goldenen Test-CD-Rs überflüssig machen soll.
Der Realtime CD Emulator Mirage besitzt drei SCSI-Schnittstellen, so daĂź je eine fĂĽr den Produktionsrechner, eine fĂĽr den Testrechner und eine dafĂĽr zur VerfĂĽgung steht, um einen CD-Writer anzuschlieĂźen, wenn die virtuelle CD ausgetestet ist. Auf dem Produktionscomputer werden die Daten fĂĽr die CD-Anwendung erzeugt und ĂĽber den SCSI-Bus zum CD-Emulator ĂĽbertragen. Dort lassen sich ĂĽber verschiedene Parameter der CD-Typ oder auch der Laufwerktyp (4X oder 8X ...) einstellen, so daĂź Mirage auch das Playback-Timing eines CD-ROM-Laufwerks emulieren kann. Bei gut 5000 Mark Anschaffungspreis soll sich der CD-Emulator schon nach wenigen CD-Projekten amortisiert haben. (bb) (bb)