Brückenschläger

Wieder war die CeBIT Plattform für deutliche Fortschritte bei der digitalen Videobearbeitung. Der DV-Standard spielt eine mehr und mehr beherrschende Rolle. Daß auch eine Kamera mit MPEG-Echtzeitkompression handlich und bezahlbar ausfallen kann, beweist Hitachi.

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Neben dem digitalen Videoschnitt analoger Aufzeichnungen macht die Bearbeitung von DV-Sequenzen immer mehr von sich reden. Digitale Videocamcorder aus dem Hause Sony stellen die Bild- und Tondaten ohne Wandlung ins analoge Format bereit, entsprechend verlustfrei läßt sich auch über mehrere Generationen schneiden, tricksen und titeln. Um die Softwarewerkzeuge dazu geht es auf Seite 76.

Grundsätzlich tun sich derzeit zwei Wege auf, um DV in den PC zu holen: der eine nutzt ein Huckepack-Board von Sony, das in Echtzeit die Umwandlung von DV in analoge Signale und bearbeitbare Daten erledigt; Fast und Como haben sich für diesen Weg entschieden. Die andere Möglichkeit sieht vor, per Software-Codec die Umwandlung zu besorgen; sie verläuft derzeit noch nicht in Echtzeit, kostet aber deutlich weniger. Eine solche Lösung stellte Miro auf der Messe vor.

Das Sony-Wandlerboard treibt den Preis einer Schnittlösung kräftig nach oben. Also umschifften die Miro-Techniker das teure Board mit einer Softwarelösung, die derzeit auf einem schnellen P5-Prozessor etwa sieben Bilder pro Sekunde auspackt. Die Kombination aus Hardware - einem kleinen Steckboard - und Software für Mac und PC bietet Miro unter dem namen DV-100 für etwa 1700 Mark an. Die Zusatzkarte zur Miro DC-30 übernimmt die Umsetzung ins QuickTime-Format, dank welcher ein DV-Schnitt mit Equipment wie der DC-30 und der Schnittsoftware Adobe Premiere möglich wird. Eine Rückwandlung der bearbeiteten Sequenzen und die Ausgabe auf DV-Recorder ist derzeit nicht vorgesehen. Pfiffig die Software, die das Einlesen der Szenen auf die Festplatte steuert: anhand des Timestamp der Aufnahme (Datum/Uhrzeit) erkennt das Programm die Szenenwechsel und präsentiert die einzelnen Schnipsel aufs Bild genau getrennt; auf Kommando holt die DV-100 die ausgewählten Bildsequenzen dann in den PC.

Ab der CeBIT arbeitet auch die bekannte Miro-DC-30 auf Macintosh-Systemen. Sie wird für 1500 Mark mit Treibern für MacOS angeboten.

Professionell fallen Leistungen - und Preis - der DV-Lösung von Fast aus: die DV-Master-Karte beansprucht im PC-Slot zwar heftig Platz, bietet dafür aber eine vollständige Implementierung der DV-Schnittstelle. Ein- und Ausgabe der digitalen Videodaten sind somit gewährleistet; nach der Bearbeitung am PC erfolgt die Speicherung des geschnittenen Videofilms per Recorder auf DV-Band, ohne unnötige Wandlung. Die Bilder bleiben im DV-Format (feste Kompressionsrate 5:1, entsprechend 3,6 MByte/sec, 4:2:0 PAL digitalisiert, 720 × 576 Pixel, 24 Bit).

Fast schon `nebenbei´ erledigt die DV-Master den Import und Export analoger Videosignale, obendrein sorgt das PCI-Board auch für die Ausgabe der Bilder auf professionelles Equipment via Komponentenausgang (YUV). Für die Audiosignale braucht man keine zusätzliche Soundkarte, da das DV-Format den Ton zeitsynchron mitspeichert. Die Schnittsoftware zur DV-Master stammt von Ulead; die Karte läuft unter Windows 95 und NT. Die DV-Master kostet knapp 6000 Mark.

Dank eines auf dem Board angeordneten Steckverbinders läßt sich die DV-Master zu einem vollwertigen digitalen Videorecorder erweitern: per Flachbandkabel schließt man hier ein DV-Bandlaufwerk an, das, im Laufwerksschacht des PC eingebaut, den direkten und unproblematischen Zugriff auf DV-Minikassetten erlaubt. Das Laufwerk namens DV-Drive stammt von Sony und wird von Fast im Bundle mit der DV-Master, aber auch allein angeboten. Der Preis des voraussichtlich ab Juni lieferbaren Laufwerks steht noch nicht fest. Die Hardware für einen durchgängig digitalen Schnittplatz auf dem PC - die Kombination aus DV-Master und DV-Drive - soll aber unter 10 000 Mark kosten.

Für die direkte MPEG-Produktion eignet sich die Digitalkamera von Hitachi. Als Weltpremiere präsentierte das Unternehmen ein handgroßes Gerät, das etwa 20 Minuten Video auf einer eingesteckten PC-Card-Festplatte (260 MByte) speichert - MPEG-1-komprimiert und auf ein Hundertstel zusammengeschoben. Die Komprimierung übernimmt der nach Angaben des Herstellers weltweit erste Ein-Chip-MPEG-Kompressor. Alternativ zu MPEG nimmt die Kamera 3000 Standbilder im JPEG-Format oder 1000 JPEG-komprimierte Standbilder mit jeweils zehn Sekunden Ton auf. Eine Ausgabe auf PAL-Videoequipment (Monitor, Recorder) ist derzeit noch nicht möglich. Die Datenübergabe zum PC ist dagegen kein Problem. Als Sucher dient ein Farbdisplay, das auch zur Wiedergabe der Bildsequenzen genutzt wird. Hitachi wird das Gerät komplett mit Editor- und Datenübertragungssoftware ab Herbst 1997 für knapp 5000 Mark ausliefern.

Auf Echtzeit-Features setzt Electronic Design mit ihrem VideoMaker. Die PCI-Zweitgrafikkarte bietet die volle Videoauflösung und eignet sich beispielsweise zur Ausgabe von berechneten Animationen. Obendrein leistet die Karte auch anspruchsvolle Videobearbeitungsschritte wie Betitelung, Keying, Skalieren, 2D-Effekte, Digitalisierung von Standbildern, Timebase Correction und ähnliches; die Hardware basiert auf einem Spezialchip und mehreren ASICs. Das Board soll auch auf älteren PCs (486) mit 8 MByte RAM problemlos laufen; Voraussetzungen sind allerdings ein PCI-Slot und Windows 95 als Betriebssystem. Der VideoMaker soll für knapp 800 Mark ab sofort erhältlich sein.

Den ersten DV-YUV-Konverter zeigte Como. Die 19-Zoll-Box nimmt die Bild- und Toninformationen über eine DV-Steckverbindung entgegen und wandelt sie in die Bildformate Komponenten (YUV), S-Video (Y/C), Composite (FBAS) um; die Tonsignale stehen an zwei XLR-Buchsen bereit. Die Datenumsetzung erledigt ein Sony-Modul (DVBK-1). Die DV-Box wird ab Frühjahr für 5200 Mark angeboten.

Pinnacle (Vertrieb: Videocomp) verblüffte mit einer 800-Mark-Lösung zum Schnitt von Videos, die auch schon auf einem 486-PC laufen soll: Der VideoDirector 200 steuert zwei Videorecorder, die als Zuspiel- und Aufnahmemaschinen dienen. Anders als bei solchen Lösungen üblich, ist es aber auch möglich, Überblendungen zu erzeugen. Erst bei genauem Hinsehen bemerkt man, daß eine Szene beim Über- oder Ausblenden zum Standbild einfriert. Das klappt ohne schnelle Festplatte, ohne aufwendige Kompressionsverfahren - und verlangt nur ein kleines Kästchen Elektronik, das über den Druckeranschluß gesteuert wird. (uh) (uh)