Der Weg ist das Ziel
Solange Apple, Microsoft & Co. keine Funktionen zur Anbindung an gemischte Netze in ihre Systeme einbauen, muß man sich als Anwender selbst nach passenden Lösungen zum gemeinsamen Betrieb von PC und Macintosh umsehen. Die reichen von der Bastellösung über Spezialprodukte von Drittanbietern bis hin zu ausgewachsenen Netzwerkbetriebssystemen.
- Björn Hansen
Wer als Privatanwender sowohl PC als auch Macintosh zu Hause stehen hat und zwischen beiden Dateien hin und her kopieren muß, die auf keine Diskette passen, benötigt entweder ein Wechselplattenlaufwerk oder eine Direktverbindung, wie sie c't bereits vorstellte. Der Anschluß des anderen Rechners via seriellem oder Ethernet-Kabel und der Up- und Download der Files per Terminalprogramm oder ftp (File Transfer Protocol) sind zwar nicht gerade komfortabel, genügen aber für die sporadische Übertragung. Die Ethernet-Variante ist sogar ansehnlich schnell.
Etwas komfortabler geht es mit einem sogenannten Personal Web Server, also einem WWW-Server für Intranets. Wo der von Apple noch im Betastadium steckt, ist der Personal Web Server von Microsoft bereits fertig. Er gehört zum Lieferumfang des aktuellen Internet Explorer 3.0. Beide setzen ein funktionierendes TCP/IP-Netz voraus; die Konfiguration beschränkt sich auf einige Mausklicks, da sie unnötigen Aufwand wie etwa die Verwaltung der Benutzerrechte den Mechanismen des MacOS überlassen. Wer PC und Mac bereits nach der in [1] vorgestellten Methode vernetzt hat oder auch beide in einer funktionierenden heterogenen Netzumgebung betreibt, kann sich so vom einen Rechner aus durch die Ordner und Daten des anderen mit Hilfe eines WWW-Browsers klicken. Dazu muß man lediglich als Zieladresse den Rechnernamen respektive die IP-Nummer (etwa http://192.168.0.1) des anderen eingeben. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß man keine eigene Homepage definiert - nur dann generieren die Programme eine HTML-Baumstruktur auf Grundlage der Dateien und Ordner. Diese Variante funktioniert leider nur beim Download, also beim Übertragen der Daten vom WWW-Server zum Client. Transfers in der umgekehrten Richtung - Uploads - funktionieren nicht. Die nächste Version des Apple-Programms, die Bestandteil des kommenden MacOS 8 sein und sicher demnächst auf dem Web-Server zur Verfügung stehen wird, soll diesem Mißstand aber abhelfen.
Doch sowohl ftp- als auch Personal Web Server haben ihre Grenzen und sind nur wenig komfortabel. Alltagstauglich wird der Zugriff auf die Ressourcen eines anderen Computers erst, wenn man auf dessen Geräte, etwa den Drucker, die Festplatte oder das CD-ROM-Laufwerk zugreifen kann, als wären sie am eigenen Rechner angeschlossen. Sowohl MacOS als auch Windows für Workgroups 3.1, Windows 95 und Windows NT ab Version 3.1 beherrschen einfachen Peer-to-Peer-Betrieb untereinander. Leider benutzen MacOS und Windows völlig unterschiedliche Protokolle, so daß sie sich nicht ohne weiteres miteinander verbinden lassen. Mit Hilfe spezieller Programmpakete kann man diese jedoch für gemischte Verbindungen nachrüsten.
Peer-to-Peer-Lösungen
Da mittlerweile fast jeder gängige Computer mit eingebauter Netzwerkkarte oder Ethernet-Buchse on Board sowie einem TCP/IP-fähigen Betriebssystem kommt, ist es ein leichtes, sich sein eigenes Intranet zu installieren. Verbinden Sie die beteiligten Rechner einfach per Twisted-Pair- oder BNC-Kabel (achten Sie in diesem Fall auf korrekt gesetzte Abschlußwiderstände) und richten Sie auf allen Rechnern die TCP/IP-Konfiguration ein. Wie schon in [1] beschrieben, sollte man die sogenannten freien, also beliebig in privaten Netzen benutzbaren IP-Nummern von 192.168.0.1 bis 192.168.255.254 vergeben, wenn die Rechner nicht schon eine echte IP-Adresse haben, um eine Adreßüberschneidung mit anderen Computern im Internet zu vermeiden. Die Einrichtung ist kein Problem, allerdings erfordern PCs - anders als Macs unter Open Transport - danach jeweils einen Neustart des Systems.
Mac im PC-Netz
Dave aus dem Hause Thursby Software (Vertrieb: Prisma Express, Hamburg, 360 DM) kümmert sich um die Integration eines Macintosh in ein bestehendes Windows-Netzwerk. Ob auf dem oder den anderen Rechner(n) ein altes Windows für Workgroups 3.1, das neuere Windows 95 oder gar ein Windows NT 4.0 installiert ist, spielt keine Rolle - alle arbeiten auf derselben Basis, nämlich NetBIOS over TCP/IP (NBT), den Server Message Blocks (SMB) sowie dem Windows Internet Name Service (WINS).
Dave rüstet auf dem Macintosh das Windows-Netzwerk-protokoll nach.
Dave bringt dem Mac diese Protokolle und Dienste bei und meldet ihn bei einem Windows-Rechner oder in einer Windows-Arbeitsgruppe (Domain, Workgroup) an. Dazu muß man im NetBIOS-Kontrollfeld einen Rechnernamen für den Macintosh vergeben, eine der vorhandenen Arbeitsgruppen auswählen und die IP-Adresse des WINS-Servers eingeben.
Nach dem Klicken des Set-Buttons und dem Schließen des Kontrollfelds tauchen - ganz Mac-like - der oder die Windows-Rechner im Netz in der Auswahl-Dialogbox des MacOS auf. Wählt man dort einen Rechner aus, kann man dessen Laufwerk(e) auf dem Desktop mounten, als wären es Macintosh-HFS-Volumes. Vorausgesetzt natürlich, die Zugriffsrechte lassen das entsprechend zu, kann man nun Dateien in beiden Richtungen kopieren, Verzeichnisse anlegen, löschen et cetera.
In der Auswahl-Liste tauchen unter dem Symbol des installierten Druckertreibers auch im Netz vorhandene angeschlossene Drucker auf - diese kann man als Macintosh-Benutzer unter Dave ebenfalls mit den PC-Kollegen teilen. Allerdings muß man sich hier um einen passenden Druckertreiber kümmern, wenn das Gerät nicht gerade PostScript versteht, was der LaserWriter-Treiber von Apple ja problemlos produzieren kann. Dave macht den ausgewählten Drucker für das MacOS und andere Applikationen transparent, so daß die keinen Unterschied zu 'normalen' Druckern erkennen, die direkt am Mac oder etwa innerhalb eines AppleShare-Netzes angeschlossen sind. Je nach MacOS-Version wird dementsprechend auch ein Desktop-Printer-Icon angelegt.
PC im Mac-Netz
Es dürfte die Ausnahme sein, aber manchmal gilt es auch einen PC ins AppleShare-Netz zu integrieren. Hierfür existieren zwei Lösungen.
Apple selbst legt dem AppleShare-Paket, das die gesamte Serversoftware umfaßt, den 'AppleShare Client for Windows' bei. Der funktioniert leider nur unter Windows 3.x; mit einer Version für Windows 95 oder NT braucht man wohl nicht mehr zu rechnen. Außerdem hat er ein großes Manko: PC-Anwender können auf AppleShare-Ressourcen (Drucker, Laufwerke) zwar zugreifen, Mac-Anwender 'sehen' die angeschlossenen PCs jedoch nicht.
Das bereits in [2] vorgestellte PC MacLAN für Windows von Miramar Systems geht hier viel weiter. Das Programm besteht im wesentlichen aus vier Komponenten: einem AppleShare File Client, einem AppleShare File Server, dem AppleTalk Print Client sowie dem AppleTalk Print Server. Damit stellt es die einzig brauchbare PC-Lösung dar, um Dateien und Drucker in beiden Richtungen zu teilen. Neben der 16-Bit-Version für Windows 3.x gibt es seit kurzem auch eine Variante für Windows 95 (rund 450 DM), die auch dessen Besonderheiten wie etwa lange Dateinamen unterstützt. Leider ist sie nicht zu Windows NT kompatibel, weswegen der Hersteller derzeit am dritten Produkt arbeitet. Der deutsche Distributor Brainworks, Garching bei München, rechnet mit einem marktreifen Produkt im September.
Remote-Control-Software
Eigentlich mit einer anderen Zielrichtung entwickelt wurde Timbuktu Pro von Farallon: es dient der Fernbedienung respektive Fernwartung anderer Computer [3]. Dank seiner ausgeklügelten Benutzerverwaltung kann man es aber auch zur schlichten Dateiübertragung mißbrauchen. Das Drucken von Dokumenten gestaltet sich damit zwar etwas komplizierter als über die anderen Lösungen, aber es funktioniert: man muß halt die nötigen Arbeiten im Fernbedienungsfenster, also auf dem anderen Computer durchführen. Dazu überträgt man zunächst die gewünschten Dateien auf den Rechner, an dem der Drucker angeschlossen ist, und druckt sie dort über dessen Druckfunktionen aus.
Das Programm enthält mit den 'Flashnotes' sogar eine rudimentäre Chat-Möglichkeit, über die Benutzer Nachrichten versenden und empfangen können.
Eine kostenlose Demoversion steht bei Farallon für MacOS (http://www.farallon.com/product/tb2/tb2maceval.html) und Windows (http://www.farallon.com/product/tb2/tb2wineval.html) zum Download bereit; im April soll es auch eine NT-Variante geben (http://www.farallon.com/product/tb2/tb2nteval.htm).
Netzwerkbetriebssysteme
Ein Peer-to-Peer-Netz ist meist schon mit fünf, spätestens zehn Mitgliedern überlastet. In diesem Fall sollte man ein richtiges Netzwerk mit einem dedizierten Server einrichten, der zentral sämtliche Daten und Benutzerrechte verwaltet. Ab hier gibt es eigentlich auch keine Probleme mehr mit der Integration anderer Betriebssystemplattformen. Systeme wie Novell Netware, Windows NT Server, OS/2 Warp Server 4 oder Linux haben entweder bereits die nötigen Komponenten eingebaut oder sie lassen sich zumindest hinzukaufen: Novell offeriert 'NetWare for Macintosh', das man zu NetWare 3.12 hinzukaufen muß, das aber NetWare 4.11 auch beiliegt. Bei IBM muß man den LAN Server für Macintosh, eine Erweiterung des OS/2 Warp Server, erwerben. Für rund 1000 Mark pro Serverarbeitsplatz rüstet er AppleTalk-Ressourcen für Mac-Benutzer im Netz nach. Via TCP/IP funktioniert das jedoch nicht. Dem Zugriff auf andere Netzwerksysteme von Linux aus widmet sich ein ausführlicher Artikel in einer der nächsten c'ts.
Windows NT Server
Die Fähigkeit von Microsofts Windows NT, mit Macs im Netz zu kooperieren, beschränkt sich auf die Serverversion. In der Workstation-Variante findet sich lediglich die Unterstützung für das zugrundliegende AppleTalk-Protokoll. Erst der Server enthält darauf aufbauende Software, die in einem Mac-Netz Datei- und Druckdienste anbietet - NT löst übrigens immer mehr AppleShare-Server ab, weil es schneller und stabiler arbeitet. Das System spielt dabei ausschließlich die Rolle eines Servers, das heißt, es kann nicht auf Ressourcen zugreifen, die ein Macintosh im Netz anbietet. Bei Bedarf muß man also auch den NT-Server um das von Miramar angekündigte PC MacLAN for Windows NT erweitern.
Um die Apple-Unterstützung auf einem NT-Server zu aktivieren, muß man unter 'Netzwerk' in der Systemsteuerung die 'Services für den Macintosh' hinzufügen. Zum Verwalten der bereitgestellten Ressourcen dient unter NT 4.0 immer noch der Dateimanager; der neuen Oberfläche fehlt jeder Support für diesen Zusatz. Um für den Mac Dateien im Netz bereitzustellen, faßt NT Bereiche auf einer NTFS-Partition zu einem sogenannten Volume zusammen; die Freigabe von CD-ROMs funktioniert ebenfalls. Als Print-Server ist NT sogar in der Lage, Mac-Clients auch Nicht-PostScript-Drucker als solche zu verkaufen.
Fazit
Das alte Bild: wer einen PC oder Mac in die jeweils andere Welt bringen will, findet keine passenden Funktionen in seinem Betriebssystem. An Know-how kann es den Herstellern eigentlich kaum mangeln; vielmehr scheint das ein Ergebnis gezielter Produktpolitik zu sein. Schade. So muß man auf spezialisierte, aber teure Produkte zurückgreifen. Die sind immerhin noch preiswerter als etwa ein zusätzlicher Drucker und komfortabler als ein Wechselplattenlaufwerk, das man vom einen Computer zum anderen trägt. (se)
Literatur
[1] Stephan Ehrmann, Gute Verbindung, Mac und PC zum Dateitransfer direkt koppeln, c't 4/96, S. 376
[2] Bert Ungerer, Scheinfrucht, AppleShare für Windows: Personal MacLAN Connect, c't 3/96, S. 88
[3] Andreas Heyl, Fernbedienung, Timbuktu Pro: Remote Control Software für Windows und MacOS, c't 8/96, S. 86 (ha)