Neue 3D-Chips im Anflug

Neue Grafik-Chips verlocken zur Investition in eine moderne Grafikkarte. Bis zum Jahresende wird es in den verschiedenen Segmenten des 3D-Hardware-Marktes deutlich mehr Leistung zu gĂĽnstigeren Preisen geben.

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Von
  • Manfred Bertuch

SGS-Thomson und nVidia haben vor fast zwei Jahren den ersten PCI-Chip für 2D/3D-Grafik vorgestellt. Dem von Diamond auf der Edge 3D eingesetzten Baustein war allerdings noch kein Erfolg beschieden. Mit dem NV3/STG3000 `Riva 128´ hat man erneut den Windows-95- und PC-Spiele-Markt im Auge. Der Grafikprozessor enthält diesmal keine Audio-Funktionen und beeindruckt in ersten Demos durch seine beachtliche 3D-Leistung. Er hat das Zeug, den zur Zeit stärksten 3D-Chip für Spiele, den `Voodoo Rush´ von 3Dfx Interactive, deutlich zu übertreffen. Der Riva steuert 4 MByte SGRAM über einen 128 Bit breiten Bus mit 100 MHz an und verfügt so über eine durchschnittliche Bandbreite von etwa 800 MByte/s (Bild rechts). In Burst-Zyklen kann die Transferrate auf 1,6 GByte/s ansteigen. Das Businterface ist sowohl für 33-MHz-PCI als auch für 66-MHz-AGP ausgelegt. Der integrierte RAMDAC erreicht maximal 205 MHz Pixeltakt und stellt das 1600er Format noch mit 75 Hz dar. Die TrueColor-Modi reichen bis 1152 × 864 Pixel bei einer Bildwiederholrate von 120 Hz, HiColor kann er bis 1600 × 1200 Bildpunkten mit 75 Hz darstellen.

Seine Leistung bezieht der 3D-Chip unter anderem aus einem 12 KByte großen Cache für Texturen und 3D-Koordinaten (Vertex-Cache) sowie einer integrierten Geometrie-Engine, die stolze 4,2 GFLOPS erreichen soll. Sie unterstützt das `IEEE single precision format´, das auch Direct3D nutzt. Ein besonderes Merkmal ist die Verarbeitung von Display-Listen nach dem Execute Model. Gegenüber dem DMA Model zeichnet es sich durch eine bessere Anpassung an das Direct3D-Konzept des Execute-Buffers aus. Weitere Eigenschaften sind leistungsfähigere Textur-Modi, wie trilineares MIP-Mapping, Alpha-Blending für teilweise transparente Texturen sowie anisotrope Textur-Filterung. Der Chip wird in 10 000er Stückzahlen etwa 30 US-$ Dollar kosten und ist damit sehr konkurrenzfähig. Kartenpreise sind noch nicht bekannt.

Der amerikanische Chip- und Kartenhersteller Number Nine peilt mit seinem neuesten Silizium `Ticket2Ride´ gleichermaßen den PC-Spiele- und den OpenGL-Markt an. Der für 4, 8 oder 16 MByte WRAM ausgelegte Controller ist mit dem Bildspeicher ebenfalls über einen 128-Bit-Bus verbunden. Die integrierte Triangle-Setup-Engine leistet 660 MFLOPS, ferner gibt es einen VLIW-Displaylist-Prozessor. Auch Number Nine hat den Chip mit einem kombinierten 33/66-MHz-Interface für PCI und AGP versehen. Ergonomische TrueColor-Modi sollen mindestens bis zum Format mit 1280 × 1024 Bildpunkten möglich sein. Number Nine wird den Chip auf dem Grafikboard `Revolution 3D´ einsetzen (Bild links). Der Preis für die 4-MByte-Version wird 699 DM betragen, die 8-MByte-bestückte Ausführung soll 899 DM kosten. Versionen für SGRAM sind in der Vorbereitung.

Der Chiphersteller 3Dlabs stellte zusammen mit seinem Partner Texas Instruments den Permedia 2 vor. Der Grafikchip für 4 oder 8 MByte SGRAM bietet sich für Windows 95 und kleine NT-Grafik-Workstations unter OpenGL an. Er soll die doppelte Performance seines Vorgängers erreichen. Der Delta-Geometrie-Prozessor und ein 230-MHz-RAMDAC sind jetzt im Chip integriert, was die Kartenfertigung erheblich verbilligt. Der hochwertige RAMDAC soll Auflösungen bis 1600 × 1200 Pixel bei 83 Hz unterstützen. Voraussichtlich werden alle Permedia-Verwender (Diamond, Elsa, Datapath, Leadtek ...) den neuen Chip einsetzen und im Herbst neue Produkte zu sehr aggressiven Preisen anbieten. Hercules will schon im Juli ein Permedia-Produkt herausbringen. Die mit 8 MByte SGRAM bestückte Karte soll 650 DM kosten. Für August ist eine 100 DM teurere AGP-Version geplant. Diamond hat den Preis für die Fire GL 1000 auf 699 DM gesenkt.

Der bislang stärkste Chip von 3Dlabs, der Glint 500 TX, wird vom Glint MX abgelöst. Er ist für kompromißlose Leistung bei höchster Grafikqualität ausgelegt. Merkmale sind ein VRAM-Bildspeicher, sowie ein zweiter Memory-Bus für den 32-Bit-Z-Puffer aus EDO-DRAM. Mit 16 MByte VRAM stellt er 1600 × 1200 Bildpunkte in 32-Bit-TrueColor double-buffered dar. Auch 1920er HDTV-Auflösungen beherrscht er. Bis zu acht Glint MX können auf einer Grafikkarte parallel arbeiten. Der neue Glint läßt sich mit dem Geometrie-Prozessor Gamma kombinieren, der 1 GFLOP für die Vorverarbeitung von 3D-Daten bereitstellt. Das Host-Interface des Gamma ist kompatibel zu PCI- und AGP-Systemen. (jm) (ole)