PC-Preiskampf auf Kundenkosten

Intel senkte am 27. Juli die Preise für Pentium-CPUs - und zwar deutlich. Der Konkurrenz blieb nichts anderes übrig, als nachzuziehen. Die Nachfrage nach den auslaufenden, beinahe verschenkten MMX-losen Pentium-CPUs überfordert Händler und Distributoren: die Lager sind leer. Viele Kunden ärgern sich: die Hoffnung auf ein billiges Upgrade älterer Systeme ist dahin.

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Von
  • Gaby Schulemann-Maier

Die alten CPUs eignen sich zum gerade anstehenden Upgrade von Single-Voltage-Mainboards, die in großer Zahl in Privat- und Büro-PCs heimisch sind. Die begehrten Pentium-Prozessoren mit 133 bis 200 MHz tauchen zwar auf Intels offizieller Preisliste auf, aber die Produktion läuft derzeit aus. Angesichts der bevorstehenden Preissenkung verschleuderten einige Händler ihre Lagerbestände schon vor der offiziellen Bekanntgabe durch Intel an die kaufwillige Kundschaft. Die Lieferkanäle leiden unter Verstopfung, die Kunden werden vertröstet. Die realen Preise für Pentium-S haben mit den erfreulich kleinen Zahlen auf Intels Preisliste nicht mehr viel zu tun. Auch unsere Anfragen bei Händlern führten selten zum Erfolg. Mit knapp 500 DM liegt der ermittelte Durchschnittspreis des P 200 sogar über dem des schnelleren K6 PR200. Der Grund: Das Angebot ist beschränkt und die Nachfrage hoch.

Eigentlich sollte der Preisverfall zum Vorteil des Kunden sein. Das ist er auch, was `up to date´-Systeme betrifft. Aktuelle Komplettgeräte werden billiger, sogar solche, die auf dem Pentium II basieren. Wer bislang Intels Flaggschiff mit 300 MHz betreiben wollte, mußte unangenehm tief in die Tasche greifen - um die 4500 DM pro Prozessor waren fällig, wenn man überhaupt einen ergattern konnte. Jetzt hat Intel offenbar die Ausbeute bei der Herstellung verbessern können. Der derzeitige Nonplusultra-Pentium wird durch die Preissenkung um über 1000 Dollar erstmals bezahlbar. Ähnlich massiv in den Keller beförderte Intel die Preise aller seiner Sockel-7-CPUs, daher blieb die Reakion der Konkurrenz nicht aus.

AMD hatte schon bei der Markteinführung des K6 versprochen, stets 25 Prozent unter Intels Preisen zu bleiben. Das hat zur Folge, daß der K6 jetzt nur noch zwischen 109 und 290 US-Dollar kostet (166 beziehungsweise 233 MHz). Weniger deutlich fallen die Änderungen beim nagelneuen Cyrix-Prozessor aus. Der 6x86MX wird im Preis zwar unter den Intel-CPUs gleicher Leistungsfähigkeit liegen, aber knapp über den AMD-Modellen. In den Mobil-Markt will AMD ja erst im kommenden Jahr vorstoßen, ebenso wie Cyrix. Trotzdem sinken auch die Preise für Intels Notebook-CPUs um 26 bis 46 Prozent.

Nachdem auch Speicher-Chips inzwischen unter die 6-Dollar-Grenze gefallen sind (16 Megabit), steuert nur noch der hohe Dollar-Kurs dem Super-Discount entgegen.

Die US-Dollar-Beträge bei Abnahme von 1000 CPUs sind nur die eine Seite der Medaille. Viel interessanter ist, ob Komplettgeräte und Prozessoren für Endverbraucher überhaupt erhältlich sind - und wieviel Geld man dafür auf den Tisch legen muß. Unsere aktuellen Anfragen bei verschiedenen Versandhändlern ergaben, daß ein einzelner Pentium MMX mit 200 MHz für durchschnittlich 580 DM zu haben ist. Das sind über einhundert Mark mehr, als ein Käufer für den AMD K6 PR200 hinblättern muß (im Schnitt 450 DM). Cyrix´ 6x86MX war überhaupt noch nicht zu bekommen. Ein Händler erklärte sogar, daß er letzteren wegen der Probleme mit dem Vorgänger möglicherweise gar nicht anbieten werde.

Sowohl Vobis als auch andere Ketten haben ihre Preise für Komplettgeräte schon vor dem fraglichen Datum angepaßt - das gilt für Pentium-Systeme wie auch für solche, die auf dem K6 oder dem M2 basieren. Vobis spricht von Senkungen um 200 bis 500 DM für die Rechner der Highscreen-Serie. Comtech setzte den Einführungspreis für 6x86MX-basierte Systeme etwa um 200 DM herab. Gateway 2000 hatte schon zum 24. Juli neue Preise für Multimedia- und Pentium-II-Systeme festgelegt, Geräte auf Basis des 300-MHz-Pentium-II sollen ab Ende August den Weg zum Kunden finden. Kleinere Hersteller wie Netpower liefern ab sofort 300 MHz-Workstations mit Highend-Ausstattung für etwas über 12 000 DM. Vor kurzem war noch von 16 000 DM die Rede, und jene Konfiguration enthielt weniger RAM und eine kleinere Festplatte.

Weitere Preissenkungen werden das Weihnachtsgeschäft bereichern: am 1. November folgt Intels nächste Attacke mit Preissenkungen um voraussichtlich 18 Prozent. (up) (br)