TX-Trouble
Kaum sind die neuen TX-Boards in größeren Stückzahlen auf dem Markt, da häufen sich auch schon die Fehlermeldungen. Mal funktioniert eine Seagate-Festplatte am integrierten IDE-Port nicht richtig, mal versagt die Fritz-ISDN-Karte von AVM.
- Georg Schnurer
Den TX-Chipsatz hat Intel als echten Tausendsassa konzipiert: Er kann nämlich sowohl für Desktop-PCs als auch für Notebooks eingesetzt werden. Folglich arbeitet er nicht mehr mit 5 Volt, sondern mit 3,3 Volt. Das ist modern und spart Energie. Dem Notebook-Anwender ist das natürlich nur recht, für den Desktop-Eigner kann dies aber zum Alptraum werden. Nach einem Boardwechsel streikt plötzlich die Festplatte, und oft klappt auch der Datentransfer via ISDN nicht mehr.
Der Grund für diesen Ärger ist die Spannungsversorgung des zum TX-Chipsatz gehörenden PIIX4. Er wird, wie die CPU-Bridge, mit 3,3 Volt betrieben. Folglich wird auch der vom PIIX4 gesteuerte ISA-Bus und die EIDE-Schnittstelle mit 3,3 Volt versorgt. Das heißt, alle Daten- und Adreßleitungen haben einen maximalen High-Pegel von 3,3 Volt. Alle anderen auf dem Markt befindlichen Desktop-Chipsätze arbeiten dagegen mit 5 Volt. Da alle ISA- und IDE-Signale mit TTL-Pegel arbeiten, sollte sich daraus kein Problem ergeben. Als `High´ gilt jedes Signal oberhalb von 2 Volt. In der Praxis kann der High-Pegel des TX-Chipsatzes aber gefährlich nahe an diese kritische Schwelle herabsinken, etwa dann, wenn der Bus stark belastet wird. Zudem nutzen viele Hersteller HC-Eingangsbausteine, die einen Pegel von 3,1 Volt erwarten.
Dies scheint bei den Seagate-Festplatten ST 31720, ST 33240 und ST 32531 der Fall zu sein. Am EIDE-Port des PIIX4 treten beim Übertragen größerer Datenmengen Fehler auf. Probleme mit dem TX-Chipsatz hat auch eine Teilserie der Fritz-Card von AVM. Konkret betroffen sind etwa 100 000 Karten, die zwischen April und Juni 97 gefertigt wurden. Diese sind daran zu erkennen, daß auf der Lötseite der ISA-Kontakt B10 (12-Volt-Masse, zehnter Kontakt vom Slotblech aus gezählt) fehlt. Ältere Karten und die aktuell ausgelieferten Versionen haben dagegen keine Probleme mit dem TX-Chipsatz.
Fehlerbilder
Wer eine der genannten Seagate-Platten oder eine Fritz-Card aus der betroffenen Serie besitzt und bislang problemlos damit arbeitet, braucht sich nicht zu wundern. Damit der Fehler auftritt, müssen verschiedene Faktoren zusammenkommen. Wessen Netzteil auf der 5-Volt-Leitung weniger als 5,05 Volt liefert, ist aus dem Schneider. Auch unbehelligt bleiben all die, die mit einer CPU arbeiten, die 3,5 Volt nutzt. Die I/O-Spannung der CPU versorgt nämlich auch den Chipsatz. Liegt sie höher, so steigt auch der High-Pegel.
Betroffen sind also nur solche TX-Systeme, die mit einem kräftigen Netzteil und einer CPU arbeiten, die als I/O-Spannung 3,3 Volt nutzt. In diese Kategorie gehören alle Intel-MMX-Prozessoren, die Pentium-S-CPUs, der K6 von AMD und aus dem Hause Cyrix/IBM der 6x68 MX sowie der 6x86L.
Abhilfe
Zumindest bei Rechnern mit S-Pentium ist Abhilfe leicht möglich: Es genügt, den Prozessor mit 3,5 Volt zu betreiben. Das liegt innerhalb der Spezifikation und birgt kein Risiko. Wer einen Rechner mit MMX-CPU besitzt, hat es nicht so einfach: Ein Austausch des Netzteils ist kaum zu empfehlen, da man nicht sicher sein kann, nicht wieder ein kräftiges Exemplar zu erhalten. Damit muß der Fehler an den betroffenen Geräten selbst behoben werden. Bei Problemen mit einer der genannten Seagate-Platten hilft unseres Wissens nach nur ein Austausch. Wer noch Garantie auf die Platte hat, sollte sich mit seinem Händler, respektive mit Seagate in Verbindung setzen.
Etwas mehr Möglichkeiten gibt es bei der Fritz-Card von AVM. Oft hilft es bereits, die Karte in den dem Netzanschluß des Boards an nächsten liegenden ISA-Slot zu stecken. Bringt dies keine Abhilfe, so können des Lötens Kundige den Pin B 1 (5-Volt-Masse) an dem betroffenen ISA-Slot mit dem Pin B 10 (12-Volt-Masse) verbinden. Dadurch sinkt das Niveau der Masseleitung, was wiederum den High-Pegel anhebt. Wer nicht auf seinem Board herumlöten will, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich an AVM zu wenden und auf Kulanz - sprich einen Austausch der Karte gegen ein aktuelles Modell - zu hoffen.
Um solcherlei Ärger in Zukunft zu vermeiden, hat Seagate bereits die Interface-Bausteine aller aktuellen Festplatten geändert. Auch AVM ist nicht untätig geblieben und hat die Fritz-Card überarbeitet. Aktivitäten sind aber auch bei den Board-Herstellern zu beobachten. So hat Asus die TX-Boards einem Redesign unterzogen. Die neuen Versionen (TX97E: 1.11, TX97XE: 3.01) arbeiten mit höherer I/O-Spannung. Bei Giga-Byte geht man sogar noch einen Schritt weiter: die nächste Generation TX-Boards soll einen speziellen `5-Volt-ISA-Slot´ erhalten. Treiber sorgen auf diesem für den gewohnten 5-Volt-Pegel auf allen Signalleitungen.
Und Intel?
Bei Intel sieht man unterdessen keinerlei Handlungsbedarf. Der TX-Chipsatz entspräche voll dem ISA- und EIDE-Standard, so erfuhren wir auf Nachfrage. Im übrigen hätte man die Industrie bereits vor der Einführung des TX über die geänderten Pegel informiert. Diese Information scheint zumindest bei Seagate angekommen zu sein, bestätigte man uns dort. AVM, aber auch größere deutsche Hardware-Hersteller wie etwa Elsa wußten jedoch nichts von solch einem Intel-Rundschreiben. (gs) (gs)