Spielwiese fĂĽr 3D

Endlich wächst zusammen, was zusammengehört: 3D-Spielebeschleuniger auf der einen Seite mit der Hard- und Software für CAD, CAM und Animationsdesign auf der anderen Seite. Die Siggraph, alljährliches Mekka der Computergrafik-Branche, beweist den Trend.

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Von
  • Dr. Sabine Cianciolo

Intels öffentliche Veranstaltungen beschränkten sich auf den Pentium-II mit 300 MHz Taktfrequenz. Hinter verschlossenen Türen war aber ein Prototyp des 3D-Prozessors i740 in Aktion zu sehen. Dieser Chip mit dem Codenamen Auburn soll Ende dieses Jahres in Produktion gehen. Er entsteht bei Chips & Technologies - inzwischen von Intel gekauft - in Zusammenarbeit mit der Lockheed-Martin-Tochter Real 3D. Der i740 soll in erster Linie PC-Spielen auf die Sprünge helfen; er leistet Insider-Informationen zufolge das Zwei- bis Vierfache der heutzutage im Spielebereich üblichen Grafikprozessoren.

Der i740 nimmt einen kontinuierlichen Strom von aufeinanderfolgenden Polygon-Endpunkten (Vertizes) entgegen - und keine Listen von Polygon-Gruppen und Oberflächen, das Futter anderer 3D-Chips. Laut John Lenyo, Marketing-Direktor bei Real 3D, ist der i740 nicht für OpenGL gedacht, sondern auf die Windows-Programmierschnittstelle Direct 3D zugeschnitten. Noch geheim blieb, inwieweit der Chip schon in Lizenz die Rendertechnik von Real Time Geometry verwendet, einer von der Kai-Krause-Company MetaCreations aufgekauften Ideenschmiede.

Die bereits in Spiegel und c't gewürdigte 3D-Kamera von Real Time Geometry zeigte MetaCreations in Aktion mit einem Spezialdrucker von 3D Image Technology. Eine dünne, quergeriffelte Linsenfläche auf dem Papier sorgt hier für einen holografischen Eindruck - wie von Kippbildern für Kinder bekannt.

Neues ist auch von MetaCreations´ 3D-Paketen zu vermelden: Infini-D, Ray Dream Studio und Bryce. Die fürs Jahresende angekündigte Windows-Version 4.1 von Infini-D soll die Technik von Real Time Geometry als Effekt bei der Modellierung benutzen. Überraschend schnell fertig wurde die US-Version 5.0 von Ray Dream Studio (Test siehe S. 100). In der nächsten Version von Bryce - bekannt für atemberaubend realistische Bilder irrealer Welten - kann jeder Inhalt in Bewegung versetzt werden, ob Atmosphäre, Objekte, importierte Modelle oder Terrain. Im Herbst 1997 sollen Windows- und MacOS-Version für rund 300 US-$ auf den US-Markt kommen. Eine Windows-NT-Version für DEC Alpha ist ebenfalls geplant.

Apropos Alpha: Digital Equipment rührte fleißig die Werbetrommel für den Alpha-21164-Prozessor. Man hatte eine Reihe von Hardware- und Software-Firmen versammelt, die ihre Produkte rund um die Alpha-CPU präsentierten. Darunter beispielsweise der Workstation-Hersteller Red Box aus England (http://www.red-box.co.uk/).

Intergraph war einer von mehreren Herstellern, die neue Workstations der 300-MHz-Klasse auf Basis des Pentium-II vorstellten. Die TDZ 2000 soll im Viewperf-CDRS-Benchmark ein Ergebnis von 100 erreichen und damit die zur Zeit höchste Grafik-Performance unter Windows NT bieten. Ein Grund dafür ist das Grafik-Subsystem RealiZm II mit der DirectBurst-Technik, die durch eine Optimierung der 3D-Grafik-Pipeline eine rund dreimal höhere Leistung als die bisherigen TDZ-Workstations liefern soll. Die TDZ-2000-Linie kommt unter anderem mit einem oder zwei Pentium-II-Prozessoren, synchronem DRAM und bis zu elf PCI-Slots. Die Grundausstattung startet bei einem Preis von rund 10 500 US-$.

Mit der Intense 3D Pro 2200 stellte Intergraph eine Grafikbeschleuniger-Karte für alle Windows-NT-PCs vor. Die Karte baut ebenfalls auf der in den RealiZm 3D verwendeten Technik auf. Sie kostet rund 2400 US-$ und soll ab August erhältlich sein.

Dynamic Pictures aus Santa Clara zeigte die neue Software-Architektur PowerThreads fĂĽr die Oxygen-3D-Grafikbeschleunigerkarten. Die Kombination von PowerThreads-Software und Oxygen-Hardware verbessert vor allem die Performance 3D-Grafik-Applikationen, die ursprĂĽnglich fĂĽr Systeme mit einer CPU geschrieben wurden, aber auf Multi-Prozessor-Systemen laufen.

Silicon Graphics (SGI) stellte eine auf Open GL aufsetzende Schnittstelle namens `OpenGL Optimizer´ vor. Sie erlaubt, komplexe 3D-Modelle zu vereinfachen, verdeckte Objekte zu entfernen und mehrere Prozessoren parallel zur 3D-Wiedergabe einzusetzen. SGI verspricht in CAD/CAM-Anwendungen Geschwindigkeitszuwächse von Faktor 2 bis Faktor 1000 oder mehr. OpenGL Optimizer ist zunächst für Silicon-Graphics-Workstations erhältlich.

Zur Siggraph hat SGI seine bislang als Cosmo Open GL bezeichnete OpenGL-Implementierung für Windows 95 und NT freigegeben. Sie soll unter anderem dank MMX-Unterstützung bedeutend höhere Darstellungsgeschwindigkeiten für 3D-Szenen erreichen als Microsofts Version.

Kinetix, bisher mit der HEIDI-Schnittstelle des Programms 3D Studio MAX auf eigenen Wegen, will in Version 2.0 von 3D Studio MAX auch OpenGL unterstĂĽtzen. Einige Spielehersteller geben OpenGL inzwischen gegenĂĽber dem von Microsoft favorisierten Direct3D den Vorzug, darunter id Software (siehe c't 9/97, S. 148).

Die Siggraph hat gezeigt: Die Grenzen in der 3D-Welt sind nicht mehr klar abgesteckt - weder die zwischen OpenGL und Direct 3D noch die zwischen Unix und Windows. Sowohl Spielernaturen wie Profianwendern kann die Konkurrenz der Systeme nur recht sein. (jl) (ole)