Pentium-Konkurrent Nr. 3

Mit vollmundigen Versprechungen kündigte IDT den C6 auf der Computex in Taiwan an. Kompromißlose Vereinfachung sollte dem neuen Bewerber zu hinreichender Performance auf kleinstem Raum verhelfen und damit sensationell niedrige Preise ermöglichen. Wann der neue Prozessor erhältlich sein wird, ist nach wie vor fraglich. Ob seine Leistungsfähigkeit Intel, AMD und Cyrix/IBM Kopfschmerzen bereiten kann, verrät ein erster Test.

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Von
  • Uwe Post

Der Preis als einziges Kaufargument? In der Tat hauen die technischen Daten des C6 niemanden vom Hocker: Er besitzt als einziger Sockel-7-Aspirant nur eine Integer-Unit und verzichtet komplett auf Sprungvorhersage. Zudem implementierte IDT sehr viele Instruktionen nicht in Form fester Transistorschaltungen, sondern mittels eines ROM-Microcodes, was nicht gerade ein Garant für hohe Performance ist. Nur einige wenige häufig benötigte Anweisungen sind fest verdrahtet. Insofern könnte man den C6 durchaus als Prozessor mit RISC-Kern bezeichnen.

Das Ergebnis der radikalen Vereinfachungen ist zwangsläufig eine schwächere Rechenleistung. Auf der Haben-Seite des C6 stehen somit nur noch der extrem niedrige Stromverbrauch, die sehr geringe Größe des Chips sowie die Tatsache, daß der Prozessor mit einer einzigen Spannung arbeitet (3,3 Volt). Damit ist er neben Intels Overdrive der einzige MMX-Prozessor, der in älteren Sockel-7-Boards arbeitet.

Noch ist der C6 jedoch nicht erhältlich, und viele Computer-Besitzer wollen gerade jetzt upgraden. Daher könnte das Interesse am C6, wenn er denn einmal zu haben sein wird, magerer ausfallen, als es IDT lieb ist. Aufgrund des niedrigen Stromverbrauchs der projektierten Notebook-Version (Cache, FPU- und MMX-Sektionen schalten sich bei Nichtbenutzung ab) könnte der C6 in diesem Bereich allerdings gute Verkaufschancen haben. Eine Alternative zu Intels Notebook-CPU liefert bislang weder AMD noch Cyrix.

Eine der Strategien, mit der der C6 trotz einfacher Architektur zu hoher Performance kommen will, betrifft die Größe des L1-Cache im Prozessor. Je 32 KBytes stehen hier für Daten beziehungsweise Code zur Verfügung, in dieser Hinsicht gleicht der IDT-Kandidat dem K6 von AMD. Das gilt auch für die zweifache Assoziativität der Caches.

Zu schnellen SprĂĽngen verhilft dem C6 lediglich seine Call/Return-Tabelle, die nur bei Unterprogramm-Aufrufen beschleunigend wirkt, nicht aber bei Schleifen. Weder ein Sprungziel-Zwischenspeicher (BTB, Branch Target Buffer) noch eine Tabelle der zuletzt genutzten Verzweigungen (BHT, Branch History Table) existieren im IDT-Chip.

Immerhin verfügt der C6 über den modellspezifischen, Takte zählenden Time Stamp Counter - im Gegensatz zum alten Cyrix 6x86, der aufgrund dieses Mangels einige schlampige Programme nicht verarbeiten kann. Die restlichen modellspezifischen Register des Pentium fehlen dem C6 dagegen, Performance Monitoring wird von ihm also nicht unterstützt.

Zum Test stand uns ein 150-MHz-Sample zur Verfügung. Aus dem Teststadium ist das Silizium eigentlich heraus, trotzdem muß man unsere Meßwerte im richtigen Licht betrachten. Der Prozessor mit der Bezeichnung `C6-DS150´ arbeitete nur bei einer Busfrequenz von 50 MHz und einem Multiplikator von 3 stabil. Mit nur 50 MHz auf dem Bus läßt sich heutzutage natürlich kein Blumentopf mehr gewinnen. Daher verbietet sich der Vergleich mit 200-MHz-CPUs von selbst. Als Anhaltspunkt für künftige, höher getaktete Versionen des C6 dienen deshalb die Meßwerte von gleich eingestellten Konkurrenten (Pentium MMX, K6 und Cyrix 6x86MX).

Mit unserer Testkonfiguration (Asus TX97, Matrox Mystique, 32 MByte RAM, Quantum Fireball ST64AP2E) führten wir diverse Benchmarks unter Windows 95 und NT 4.0 durch. Die BIOS-Version 0107 erkannte den Prozessor anstandslos. Die Ergebnisse bestätigten im großen und ganzen unsere Erwartungen. Im Vergleich zu AMDs K6 und dem M2 von Cyrix bildete der C6 in allen Disziplinen das Schlußlicht. Gegenüber Intels MMX-Pentium konnte sich der C6 immerhin bei der BAPCo unter Windows 95 durchsetzen. Das ist allerdings nicht unbedingt ein Verdienst des C6, sondern zeigt vielmehr ein Manko des Pentium-MMX: sein kleiner L1-Cache bremst die CPU unter Windows 95 aus.

Gleitkomma-Tests wie ctapfel, POVRay, Hint, Whetstone und Landmark attestieren dem C6 die schwächste FPU-Leistung der angetretenen Konkurrenz. Im Integer-Bereich sieht es ähnlich aus. Die Low-Level-Tests (Hint, Dhrystone, Landmark) lassen hier keinen Zweifel zu: Der C6 ist aufgrund seiner schlichten Architektur in jeder Hinsicht die langsamste derzeit verfügbare MMX-CPU.

Bei Spielen sieht es ähnlich aus (QBench, POD): Der C6 kann auch hier nicht mithalten. Steht der CPU allerdings eine 3D-Beschleuniger-Karte zur Seite, so verwischen sich die Unterschiede zwischen den Prozessoren völlig.

Um die vollmundigen Versprechungen von IDT in Sachen Stromverbrauch zu überprüfen, schlossen wir ein Meßgerät an. Das Ergebnis ist überzeugend: Mit 1,8 A verbraucht der C6 weit weniger Strom als die Konkurrenz: Pentium, K6 und M2 benötigen zwischen 2,3 und 4,1 A. Folgerichtig wird der C6 auch nicht so heiß wie seine Gegenspieler.

Wer soll einen C6 kaufen? Für das Upgrade-Geschäft kommt die CPU sicher zu spät. Nach dem letzten Preissturz haben viele PC-Besitzer ihr System bereits auf den neuesten Stand gebracht. Zudem soll ein Upgrade einen Performance-Gewinn bringen, und der ist angesichts der Testergebnisse fraglich.

Für Büroanwendungen genügt die Leistung des Prozessors durchaus, höhere Ansprüche erfüllt er aber nicht. Dafür ist er preiswert in der Herstellung und verbraucht wenig Strom. Die geplante Absenkung der Core-Spannung von 3,3 auf 2,8 Volt dürfte diesen Pluspunkt noch deutlicher machen. Weiterhin erleichtert die Mikro-Architektur die Erhöhung der Core-Frequenz. Dadurch wäre eine deutliche Performance-Steigerung möglich. IDT-Prozessoren mit mindestens 200 MHz müßten jedoch sehr bald auf den Markt kommen. Angesichts der Performance-Bedürfnisse vieler PC-Besitzer könnte der C6 ansonsten zu einem Flop geraten. (up) (ole)