Systems '97

Alljährlich ruft die Systems zum Oktoberfest der DV-Branche nach München. Spektakuläres steht nicht auf dem Tapet, doch durch die Möglichkeit ruhiger, aber intensiver Kontakte soll die Geschäftswelt angelockt und bei der Stange gehalten werden.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Frank Möcke
  • Frank Möcke
Inhaltsverzeichnis

Insgesamt 1761 Aussteller haben sich zur Münchner Computermesse angemeldet, in etwa die gleiche Zahl wie im Vorjahr. Dies entspricht einem knappen Viertel der Firmen, die im Frühjahr auf der CeBit präsent sind. Zieht man in Betracht, daß sich in den hannoverschen Messehallen mehr als sechsmal so viele Besucher wie zur Systems drängen, werden auch die Vorteile einer kleineren Veranstaltung offenbar: Weil die wichtigen Anbieter Flagge zeigen, lassen sich Geschäfte in größerer Ruhe als im überfüllten drögen Hannover abwickeln. Münchner Lebensart gibt´s gratis dazu.

Die Veranstalter lenken die Blicke der Besucher auf ausgewählte Schwerpunkte. Sie nennen das `Messen in der Messe´. Damit sollen einerseits ein schneller Überblick über die Branche und andererseits detaillierte Einblicke und kompetente Beratung bei lösungsorientierten Anwendungen ermöglicht werden.

Im Bereich `The World Online/New Media´ kann sich der Interessierte an aktuellen Netzvisionen laben. Die Halle 14 dient der Information und Kommunikation über Internet, Intranet, Extranet, New Media Produkte und ihre kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten. Sie integriert Ausstellung, Auditorium und Aktionsbühne.

Die Anwendungen, Diskussionen, Vorträge und Interviews kreisen unter anderem um Electronic Commerce, digitale Märkte, NC versus Net PC und Busineß-TV. Der Fachbesucher kann sich über Electronic-Cash- und Online-Shopping oder über die Benutzerfreundlichkeit und die offenen Standards der Systeme informieren.

Im Blick haben die Münchner den Mittelständler. Ihm wollen sie Überblick gewähren und individuelle Unternehmenslösungen andienen. Noch hat der online getätigte Warenumsatz die Milliarden-Mark-Grenze nicht erreicht, doch die Branche möchte nicht unvorbereitet sein, wenn sich die Zahl der deutschen Online-Nutzer von derzeit vier auf die in einigen Jahren erwarteten zehn Millionen erhöht haben wird.

Dem Fachhandel dient die Systems ein eigenes Zentrum an: `Dealers only´ in Halle 24. Die aktuelle Ausstellungsfläche hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Als Höhepunkt der Forumsveranstaltungen gilt das `Europäische Fachhandelspanel´ am Mittwochnachmittag.

Auf Initiative der Zeitschrift Cosmopolitan startet die Aktion `Technik, Frauen, Zukunft´. Arbeitsgruppen, Diskussionsrunden und Präsentationen sollen praxisbezogen und anwendungsorientiert dem weiblichen Geschlecht die neuen technischen Möglichkeiten schmackhaft machen. Dazu fährt man Frauen in Top-Positionen als `Role Models´ auf. Sie sollen anderen Frauen Karrierechancen aufzeigen.

Die Messe München wird den Eintrittspreis für Frauen am Montag, den 27. 10. 1997, auf 20 DM senken, um die bisher unterrepräsentierte Weiblichkeit zu ködern. Die meisten Workshops für Frauen werden an diesem Tag stattfinden. Deren Themen umfassen unter anderem `Selbständig machen im eigenen Office´, `Internet-Auftritt für Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen´, `Berufe rund um den PC´, `Teleworking´ und `Recherchieren im Internet für Studentinnen´.

Unter dem Motto `Experten unter sich´ wird in diesem Jahr erstmalig das Angebot für Softwareentwickler innerhalb des Gliederungsbereichs `Software´ in der Halle 3 konzentriert. Ziel ist es, diesem Bereich eine eigenständige Plattform zu schaffen und einen gezielten Informationsaustausch zwischen Herstellern, Dienstleistern und Anwendern zu ermöglichen.

In aller Munde und immer wieder dramatisiert und neu aufgelegt wird das Thema `Jahrtausend-Umstellung´. Die Branche hofft, aus dem Wechsel des Millenniums Kapital zu schlagen. Und eine zweite Geldquelle möchte sie sich gerne erschließen: Die Umstellung auf den Euro.

Die Doppelwährungsphase hat wie die Umstellung auf das Jahr 2000 für die Datenverarbeitung der Unternehmen umfangreiche Auswirkungen. So sind bei zahlreichen, in der Regel älteren Anwendungen zum Teil erhebliche Anpassungen notwendig.

Gewichtige Weltpremieren sind nicht zu erwarten. Apple fehlt, man wird sich vom 13. bis 15. November auf der Mac World in Düsseldorf präsentieren.

Microsoft offeriert in Halle 7, C08/D03 den Internet Explorer 4.0 und seine Office- und Back-Office-Lösungen. Außerdem Front Page 98 zur Gestaltung von Web-Seiten und Project 98, das nach dreijähriger Entwicklungszeit von Grund auf überarbeitet worden ist. Es soll den Ablauf von Arbeitsvorgängen möglichst realitätsnah darstellen und die Zusammenarbeit im Unternehmen verbessern.

IBM stellt in Halle 5, A06/B07 `Electronic Business´ und Network-Computing in den Vordergrund. Wie Microsoft haben die IBMler vornehmlich den Mittelstand im Visier.

Der Distributor Maxcom (Halle 19, E06/F07) will im großen Rahmen DVD-Video präsentieren. Zusammen mit Toshiba wird digitales Kino mit Hilfe von DVD-ROM-Laufwerk und MPEG-2-Hardware gezeigt - auf die Filme darf man gespannt sein, insbesondere, wie viele es denn schon gibt?

Die Geschwindigkeiten bei CD-ROM-Laufwerken haben inzwischen den Faktor 32 erreicht, verschiedene Anbieter stellen die Turbokreisel vor, zum Teil schon mit UltraSCSI-Schnittstelle ausgestattet.

Grafikkarten mit einem neuen Chip von nVidias/SGS-Thomson zeigen beispielsweise Elsa und Miro (Halle 21, D12/E13). Der Riva 128 ist der erste Chip, der neben ordentlicher Windows-Beschleunigung auch sehr gute Leistung bei 3D-Spielen bietet. Auch Karten mit dem Permedia 2, der Neuentwicklung von 3Dlabs werden zu sehen sein. Dieser Chip kann bis zu 8 MByte SGRAM adressieren und bietet sich damit auch fĂĽr semiprofessionelle 3D-Anwendungen mit OpenGL an.

Ein zweitägiger Kongreß findet vom 30. bis 31. Oktober statt. Mit über 24 Vorträgen in drei parallelen Vortragsreihen, mit Schwerpunkten für Einsteiger, Fortgeschrittene und Strategien, spricht die `SIGS Conference for Java Development´ sowohl Softwareentwickler wie auch IT-Managern an. Über 15 Experten aus Europa und den USA befassen sich mit Techniken und Strategien des Java-Einsatzes in `large scale applications´. Die Themeninhalte umfassen CORBA, IIOP, JavaBeans, AFC versus JFC, Database Connectivity, Security und Hinweise für die richtige Wahl von Java Produkten. Die Konferenzsprache ist Englisch.

Auf dem Messestand des IT-Treffs (Halle 24, A19/B11) wollen die GroĂźen und Etablierten der Branche ihre Ideen der Wirtschaft unterbreiten und kleinere Firmen und Newcomer unterstĂĽtzen.

Ziel ist der Aufbau eines Netzes, Bereitstellung von Kapital und Unterstützung durch die begleitenden Partnerfirmen. Namhafte Firmen gehören zum `IT-Adventure´, unter anderen Lotus, Hewlett-Packard, Siemens-Nixdorf, Nokia, NCR, digital und die Franziskaner-Weissbier-Brauerei. Neu begründete Partnerschaften können so stehenden Fußes zünftig begossen werden. (fm)

  • Messedauer: Montag, 27., bis Freitag, 31. Oktober
  • Ă–ffnungszeiten: 9.00 bis 18.00 Uhr
  • Tageskarte: 46 DM
  • Zweitageskarte: 81 DM
  • Gruppenkarte: ab 10 Personen je 36 DM
  • Frauentageskarte: am Montag, den 27. 10. 1997, 20 DM
  • SchĂĽler, Studenten, Senioren: 31 DM (Katalog inklusive)
  • CD-ROM: 38 DM