Pixel-Triebwerk
Hersteller Diamond läutete vor knapp zwei Jahren die Ära der 3D-Add-on-Boards durch die Monster 3D ein. Seitdem schwören Spiele-Freaks zu Recht auf Beschleuniger mit dem schnellen Voodoo-Graphics-Chipsatz. Jetzt hat die Monster 3D II, basierend auf dem Nachfolger des Voodoo, den Weg in die Redaktion gefunden.
- Manfred Bertuch
Zur Premiere der Monster 3D II flog Hersteller Diamond 80 Journalisten nach Paris ein, schließlich gaben 800 000 verkaufte Karten des Vorgängermodells genug Anlaß für selbstbewußtes Auftreten. Die neue Monster verfügt mit jeweils 4 MByte Bild- und 4 MByte Texturspeicher über doppelt so viel RAM wie der Vorgänger. Dadurch laufen Spiele in Auflösungen bis 800 × 600 Bildpunkten. Bei einigen Titeln, die auch ohne Z-Buffer auskommen (Tomb Raider II, G-Police, ...) erreicht die Karte sogar das Format mit 1024 × 768 Punkten. Zur höheren Geschwindigkeit des Voodoo2 tragen vor allem der von 50 auf 90 MHz erhöhte Takt und der zweite Texturprozessor bei.
Die zwei Texturchips machen zum einen trilinear gefiltertes MIP-Mapping möglich und können zum anderen zwei Texturen gleichzeitig berechnen. Dieses `Single-Pass-Multi-Texturing´ erlaubt es, ein Dreieck ohne Zwischenspeicherung im Bildspeicher mit einer Textur und einer Lighting-Map zu belegen. Da DirectX 5 noch keine Multi-Texturen unterstützt, kann man dieses Feature zur Zeit nur unter Glide und in den bekannten OpenGL-Spielen nutzen. Dem Vernehmen nach paßt Acclaim (www.acclaimnation.com) zur Zeit die Texturen des Descent-Remakes Forsaken an die Möglichkeiten des Voodoo2-Chipsatzes an.
Die Monster 3D II soll im März für knapp 500 DM in den Handel kommen. Das SpieleBundle umfaßt voraussichtlich Vollversionen von Heavy Gear und Interstate 76 von Activision sowie reduzierte Versionen (Special Editions) von Need for Speed II (Electronic Arts) und Tomb Raider II nebst einiger weiterer Spiele-Demos, unter anderem von Flight Unlimited II.
Polygone satt
Im Test mit fast endgültigen DirectX- und vorläufigen Glide-Treibern zeigt sich die neue Monster dem Riva 128 klar überlegen. Die Abhängigkeit von der Geschwindigkeit des PCs schwankt stark und ist bei G-Police am ausgeprägtesten. Die Framerate von GLQuake ist in der Auflösung 800 × 600 bereits auf einem Pentium-166-System trotz aktivem Multi-Texturing durch die Pixelfüllrate des Voodoo2 begrenzt. Dieser Effekt könnte aber auch damit zusammenhängen, daß wir auf den älteren OpenGL-Treiber von 3Dfx Interactive zurückgreifen mußten. Das Konfigurationstool wurde um Schalter erweitert, mit denen sich unter anderem trilineares MIP-Mapping und unsynchronisiertes Rendering erzwingen lassen.
Die Monster 3D II arbeitet wie der Vorgänger als eigenständige Grafikkarte für 3D-Ausgaben. Die Beeinträchtigung des Bildsignals einer 2D-Karte durch das Loop-Through-Kabel war bei der Auflösung 1152 × 864 und 75 Hz Bildwiederholfrequenz zwar nicht übermäßig stark, eine leicht Unschärfe aber zu erkennen.
Mehrkartenlösung
Ein spezielles Feature ist die Parallelschaltung zweier Voodoo2-Boards mittels SLI (Scan Line Interleave). Eine der beiden Karten erzeugt dann nur die geraden, die andere alle ungeraden Bildzeilen. Dadurch verdoppeln sich Pixelfüllrate und Größe des Bildspeichers, was Spieleauflösungen bis 1024 × 768 Bildpunkte inklusive Z-Buffer möglich macht. Die Texturkapazität erhöht sich allerdings nicht, da man die Texturen in beiden Karten speichern muß. Diamond erwägt, ab Mai ein Doppelpack `MEGA Monster´ oder eine einzelne Karte mit SLI-Kabel anzubieten. Die Preise dieser Optionen stehen noch nicht fest.
Natürlich ist Diamond nicht der einzige Hersteller, der sich für den Voodoo2-Chipsatz interessiert. Creative Labs hat bereits eine `3D Blaster Voodoo2´ angekündigt und an 3Dfx viel Geld bezahlt, um die Chip-Bezeichnung im Produktnamen verwenden zu dürfen. In Deutschland wollen außerdem Jazz Multimedia (Renegade 3D [1]) und Guillemont International weitere Voodoo2-Boards herausbringen. Eventuell reduzieren die Mitbewerber den Bildspeicher auf 2 MByte, um sich von Diamond durch einen günstigeren Preis absetzen zu können. Daß die Spielehersteller auch die neuen Voodoo-Boards unterstützen, ist so gut wie sicher. Die alten Patches sind übrigens auch mit dem Voodoo2 lauffähig. (jm)
Literatur
[1] Manfred Bertuch, Erste Voodoo2-Ergebnisse, c't 1/98, S. 20
[2] Manfred Bertuch, Die Spezialisten kommen, 3D-Beschleuniger mit dem Voodoo-Chipsatz von 3Dfx Interactive, c't 11/96, S. 174 (ole)