3D ohne Brille
Ein vom Berliner "http://www.hhi.de" Heinrich Hertz Institut und der Firma Carl Zeiss in Oberkochen entwickelter Flachbildschirm zeigt `echte´ 3D-Farbbilder ohne lästige und kontrastmindernde Shutter-Brillen.
- Manfred Bertuch
Basis ist ein LC-Display, dessen Pixelspalten im Wechsel jeweils eine Spalte des linken und des rechten Teilbildes darstellen. Ein Infrarot-(IR-)Sensor im Display-Gehäuse ortet die Position des Betrachters, um ein Linsenraster exakt so auszurichten, daß ein Auge nur die `ungeraden´ und das andere nur die `geraden´ Spalten wahrnimmt. Der Sensor orientiert sich dazu an einem IR-reflektierenden Punkt (Marker), den sich der Benutzer auf die Nasenwurzel klebt. Die Justierung des Linsenrasters erreicht eine Genauigkeit von 1 µm. Auf diese Weise bleibt der Stereoeindruck kontinuierlich und ruckfrei erhalten, auch wenn sich der Betrachter bewegt. Allerdings läßt sich das Raster immer nur auf eine Person ausrichten.
Das 14-Zoll-Farbdisplay im Hochformat läßt sich mit FBAS- und SVGA-Signalen ansteuern und besitzt eine Auflösung von 384 x 1024 Stereopunkten. Zeiss fertigt derzeit Einzelstücke für 35 000 Mark; bei einer Serienproduktion von einigen hundert Displays jährlich soll der Preis unter 10 000 Mark sinken. Einsatzgebiete sieht die Firma zunächst bei der medizinischen Diagnose, etwa der 3D-Darstellung von Computertomographie. Für Architektur und Maschinenbau will man größere Displays mit höheren Auflösungen entwickeln.
Die Abteilung für Anthropotechnik des Heinrich Hertz Instituts hat bereits zahlreiche Varianten der Linsenraster-Displays realisiert. Sie reichen von Rückprojektionen mit einer Diagonalen von 1,25 m bis hin zu einer Multikanal-Frontprojektion mit 2,5 m Bilddiagonale, die gleichzeitig vier Personen betrachten können. Im Projekt `Blick´ untersucht eine Arbeitsgruppe die Kombination mit 3D-Bedienoberflächen und Gaze-(Blick-)Tracking. Dabei ermitteln zwei Kameras ohne Hilfe von Markern die Kopfposition des Nutzers und die Stellung seiner Pupillen (Head- und Eye-Tracking). Auf der virtuellen Oberfläche kann man durch bloßes Anblicken Ordner und Web-Seiten öffnen; Texte scrollen automatisch, wenn der Blick unter die letzte Zeile wandert. (Manfred Bertuch/nl) (nl)