Man muĂź doch mit der Zeit gehen
Man muĂź doch mit der Zeit gehen
"Aber aufs Klo kommt mir so ein Ding nicht!" Ich verstehe gar nicht, worüber sich meine Frau so aufregt. Ein Computer gehört heutzutage schließlich in jedes Zimmer. Man muß doch mit der Zeit gehen.
Wenn ich mal koche, will ich doch nicht stundenlang Kochbücher wälzen. Außerdem merken die sich nicht, was wir gerade letzte Woche gegessen haben und was uns besonders gut geschmeckt hat. In mein Multimedia-Kochbuch kann ich das eintragen, es gibt mir für jeden Tag Rezeptvorschläge und druckt sogar eine Einkaufsliste. Nur kochen müssen wir noch selber - aber da erfinden sie sicher auch bald etwas. Man muß doch mit der Zeit gehen.
Gegen den Computer neben dem Bett war meine Frau zuerst auch. Aber mittlerweile habe ich sie überzeugt. Es gibt doch nichts Schöneres, als vor dem Einschlafen noch ein Viertelstündchen in der Multimedia-Ausgabe eines guten Krimis zu schmökern. Die Festplatte surrt uns in den Schlaf, und der Bildschirmschoner mit dem Kaminfeuer spart die Nachttischlampe. Man muß doch mit der Zeit gehen.
Im Urlaub waren wir dieses Jahr nicht. Wer wird sich noch auf überfüllten Autobahnen drängeln, um dann den Eiffelturm von unten zu sehen? Ihn zu besteigen verbietet die 300 Meter lange Warteschlange, und von der Seite oder von oben - wie in der Echtzeit-3D-Simulation auf unserem Rechner - bekommt man ihn überhaupt nicht zu sehen. Für den PC auf dem Balkon habe ich uns außerdem noch "ScubaWin 3.0" besorgt. Die Fische sehen durch die Scheibe des Monitors mindestens so bunt aus wie durch eine Taucherbrille. Nirgendwo drohen Feuerquallen oder Killeralgen. Nebenbei sind Ferien im eigenen Heim noch umweltschonend. Man muß doch mit der Zeit gehen.
Einen Laptop samt GPS-Empfänger auf dem Fahrrad unterzubringen war nicht so einfach. Aber ohne meinen Routenplaner bin ich einfach ungern unterwegs. Was ein bißchen stört, ist die Tatsache, daß das Programm nichts von dem Verkehr um mich herum mitbekommt. Gerade wenn ich auf einer Straße ohne Radweg fahre, erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich meine Augen vom Display abwende und auf den Weg richte. Aber ich arbeite dran. Man muß doch mit der Zeit gehen.
Immerhin kann ich mir dank Multimedia nun ganz genau ansehen, was in meinem Körper passiert, wenn gebrochene Knochen zusammenwachsen. Der "Interaktive Hausarzt" zeigt es mir dreidimensional und berechnet auch den Fortschritt der Heilung. Demnach werde ich mit der Zeit doch wieder gehen können.