Leichtes Gepäck

Kraftvoll holt Microsoft aus, um den Kleinrechnermarkt mit Windows-CE-Geräten aufzumischen. Nach zwei vergeblichen Anläufen könnte es dieses Mal mit der neuen Version von Windows CE und der dazugehörigen Geräteklasse mit unerhört langen Akkulaufzeiten, großen Displays und wenig Gewicht gelingen. Doch die CE-Mobilrechner müssen es mit Mini-Notebooks aufnehmen, die jetzt auf den Markt drängen.

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Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Thomas Schult
  • Dr. JĂĽrgen Rink
Inhaltsverzeichnis

Vor zwei Jahren war die Welt der Mobilrechner noch überschaubar: Auf der einen Seite gab es Notebooks im Aktenordnerformat und auf der anderen Seite kleine Personal Digital Assistants (PDAs), die in der Regel wenig mit PCs anfangen konnten. Die Lücke dazwischen lag lange brach, von Toshibas Mini-Notebook Libretto und Subnotebook Portégé mal abgesehen.

Doch heute herrscht die große Unübersichtlichkeit: Mobilrechner werden zu flachen Notebooks plattgeklopft, schrumpfen zu Sub- oder Mini-Notebooks im DIN-A5-Format und kleiner. Winzlinge wie PDAs vom Schlage Psion Serie 5 oder mit Windows CE 2.0 überbieten sich in Kommunikations- und Synchronisationsmöglichkeiten mit PCs. Und nach Vorstellung der Windows-CE-Version 2.11 am 8. Oktober steht eine neue Gerätegattung ins Haus: Die CE-Geräte mit Codenamen Jupiter haben Mini-Notebook-Format und werden als Notebook-Ersatz heiß gehandelt. Für einen ersten Überblick fassen wir die wichtigsten Merkmale jeder Kategorie in der Tabelle weiter unten zusammen.

Extra flache (und gleichzeitig extra teure) Notebooks kamen dieses Jahr in Massen auf den Markt. Sie wiegen zwar nur noch rund zwei Kilogramm, sind aber immer noch genau so lang und breit wie herkömmliche Notebooks. Neuerdings bieten sich die Subnotebooks als Kompromiß an, die ein Display zwischen zehn und zwölf Zoll bei einem Gewicht von etwa 1,5 kg haben - immer noch ein Brocken fürs Handgepäck. Im PDA-Segment gibt es zwar Geräte, die nur ein Zehntel dessen wiegen, dafür aber kaum zum intensiven Arbeiten einladen: Das Display ist winzig und meist zu dunkel, und die Tasten haben Taschenrechnerqualität. Selbst die größten PDAs möchte wohl niemand zum Schreiben eines längeren Geschäftsbriefes einsetzen müssen.

Nun füllen neue Geräteklassen die Lücke zwischen Subnotebook und PDA: Zum einen kommen Mini-Notebooks mit 8-Zoll-Displays auf den Markt, die um ein Kilogramm wiegen. Zum anderen weist `Jupiter´, die neue Generation von PDAs mit dem Betriebssystem Windows CE, ähnliche Abmessungen auf - die Kluft hat sich von beiden Seiten her geschlossen. Die Hersteller buhlen mit diesen beiden Klassen von Geräten mit völlig unterschiedlichem Innenleben um die gleiche Käuferschicht. Zum ersten Mal müssen sich Windows-CE-PDAs und Notebooks unter Windows 95 und 98 im direkten Vergleich messen.

Schon seit zwei Jahren versucht Microsoft mit aller Macht, die PDA-Welt, die ursprünglich von einer Vielzahl proprietärer Lösungen geprägt war, auf die gemeinsame Grundlage Windows CE zu stellen. Verschiedene Versionen des Betriebssystems spielten dabei Geburtshelfer für jeweils eigene Geräteklassen: Zunächst war Microsoft mit Windows CE 2.0 Initiator des Handheld-PC, der sich mit seiner winzigen Tastatur an den klassischen PDAs von Firmen wie Psion oder Sharp orientiert. Ohne die üblichen Tasten kommen die Taschen-PCs als zweite, kleinere Geräteklasse aus, die unter einer Variante von CE 2.0 laufen. Nach dem Vorbild von 3Coms PDA-Bestseller PalmPilot lassen sich die in eine Hemdentasche passenden Geräte mit einem Plastikstift bedienen, der auf dem Touchscreen agiert.

Die Stiftgeräte kamen allerdings erst in diesem Sommer hierzulande auf den Markt und konnten so trotz ihrer guten Ausstattung noch nicht an der Vormachtstellung des PalmPilot und seines Nachfolgers Palm III rütteln, die weltweit bisher mehr als zwei Millionen Male über den Ladentisch gingen. Die Tastaturgeräte (`Handheld-PCs´) sind zwar mittlerweile fast ein Jahr in Deutschland erhältlich, wurden aber zwiespältig aufgenommen. Die filigranen, von Windows 95 entlehnten Desktop-Symbole sind auf Monochrom-Displays nur schlecht zu erkennen. Wer tränende Augen vermeiden will, sollte zu den um die 2000 Mark kostenden PDAs mit Farbdisplay greifen. Die Colorgeräte entpuppten sich jedoch als wahre Stromfresser - oft ist schon nach zwei Stunden Schluß, während man bei Schwarzweiß-Displays um die zehn Stunden arbeiten kann, sofern die Display-Beleuchtung ausgeschaltet bleibt.

Zudem muĂźten sich die Windows-CE-Nutzer mit Bonsai-Programmen wie Pocket Word und Pocket Excel herumschlagen, die so manches mĂĽhsam am PC erstellte Layout zunichte machten. Kein Wunder, daĂź Psion mit der Serie 3 beziehungsweise 5 und 3Com mit dem Palm III nach wie vor in Deutschland dominiert.

Wenn sich schon der PDA-Markt nicht so einfach erobern läßt, dann versucht man es eben mit CE-Geräten der Jupiterklasse. Die voraussichtlich weniger als 2000 Mark kostenden Farbgeräte haben das Zeug zum mobilen Volkscomputer, mit dem sich neue und unterschiedliche Käuferschichten erschließen lassen. Und sie werden einige Kunden von den herkömmlichen Notebooks weglocken - viele arbeiten unterwegs wohl wirklich nur mit Texten, EMails und einfachen Präsentationen. Die Auflösung der Jupiter-Geräte von 640 x 480 oder später auch 800 x 600 dürfte dafür ausreichen.

In die Gehäuse der aktuellen CE-Geräte passen größere Akkus, die nach Herstellerangaben rund zehn Stunden Rechenzeit ermöglichen - das schaffen Notebooks mit ihren vielen Komponenten wie Festplatte und Laufwerk nie. Zudem soll zusätzliche Software den Mobilrechner immer PC-ähnlicher machen: Windows CE 2.11 unterstützt nun HTML 3.2 sowie JavaScript und macht mit Pocket Access auch Datenbanken Beine.

Die volle PC-Kompatibilität der mobilen Anwendungen gibt es jedoch nur, wenn auf dem Rechenzwerg auch Windows 95 oder 98 läuft. Das können die neu vorgestellten Mini-Notebooks leisten, die in der Größe den CE-Zwergen vom Stamme Jupiter gleichen. Während sogenannte Subnotebooks mit Tastaturen ausgestattet sind, die nur rund zehn Prozent kleiner als bei normalen Notebooks ausfallen, kommen die Minis nur auf zwei Drittel der Tastaturbreite. Bisher wurden sie fast ausschließlich in Japan abgesetzt. Jetzt drängen die Hersteller jedoch mit mindestens fünf Gerätetypen auch auf den deutschen Markt.

Neben dem ersten Jupiter-Gerät holten wir auch die brandneuen Mini-Notebooks zum ersten Mal auf den c't-Prüfstand. Ob statt der neuen Geräteklassen nicht auch die kleineren PDAs mit Windows CE 2.0 (`Handheld-PCs´) reichen, prüften wir anhand der aktuellen Modelle von Compaq, LG und Philips.

Wer sich jetzt für mobiles Rechnen entscheidet, hat eine schwierige Wahl zu treffen. Zunächst sollte er die Geräteklasse sorgfältig wählen - neun Typen vom ausgewachsenen Notebook bis zum Stift-PDA stehen zur Verfügung. Während die Übersicht weiter unten die wichtigsten Merkmale jeder Klasse aufführt, bewertet die Kaufberatung am Schluß dieses Schwerpunkts (ab Seite 198) die Eignung für typische Aufgaben.

Da mittlerweile alle neun Gerätetypen in c't getestet wurden, sollte die Wahl mit unserer Hilfe nicht allzu schwer fallen. Dann muß man nur noch die Scheu verlieren, wenn im Zug viele Augenpaare die Neuerwerbung anstarren. (ts/jr) (ts)