Netzwerk statt Portal Site
Bo Peabody baute seit 1992 Tripod auf, einen der mit zwei Millionen Teilnehmern beliebtesten Dienste für kostenlose Homepages. Lycos kaufte Tripod im Februar für 58 Millionen Dollar. c't sprach mit Peabody, mittlerweile Vordenker des Lycos Network, über Portal Sites, Netze von Sites sowie die Zukunft von Lycos und Tripod.
c't: Wie wird Tripod in Lycos integriert werden? Im Moment gibt es zumindest auf der deutschen Homepage nur einen einfachen Verweis auf den Dienst.
Peabody: Es gibt sehr interessante Möglichkeiten, die Dienste zu verbinden. Wenn Sie zum Beispiel Lycos nach `Sport´ befragen, wird Ihnen die Suchmaschine auch persönliche Homepages zum Thema anbieten. Sie werden die Möglichkeit haben, Ihre eigene Homepage über Sport zu entwerfen. Wenn sie andererseits eine eigene Seite mit Tripod anlegen, werden sie eine Lycos-Suchmaske in Ihre Homepage integrieren können.
c't: Jeder spricht momentan über Portal Sites. Wie will sich Lycos mit Tripod - und anderen zugekauften Diensten - von Yahoo und Co. abheben?
Peabody: Wir versuchen nicht wie Yahoo, für jeden Benutzer alles zu sein. Gerade bei Medien, egal ob es sich um Fersehen, Zeitschriften oder das Internet handelt, differenzieren die Menschen sehr stark zwischen einzelnen Marken. Das Lycos Network umfaßt verschiedene Marken für unterschiedliche Menschen: Die Lycos-Suchmaschine bedeutet `Suche und Navigation´, Tripod bedeutet `Community´, Mailcity bedeutet `EMail´. Das Lycos Network sieht sich insgesamt also nicht so sehr als Portal, sondern als Netz von Sites, die mit unterschiedlichen Angeboten individuelle Benutzergruppen ansprechen. In diesem Netzwerk spielt die Suchmaschine Lycos die Rolle eines Portals, Tripod als Community Site sorgt dafür, daß Benutzer auch bleiben.
c't: Aber hat Lycos in dem Portal-Site-Markt wirklich eine Chance? Browser-Hersteller und die Betreiber von Online-Diensten können schließlich ihre Portal Sites im Browser als Startseite vorkonfigurieren. Peabody: Die verschiedensten Player versuchen sich als Anbieter von Portal Sites, Technologiefirmen wie Microsoft und Netscape, Provider wie AOL, Online-Medien-Unternehmen wie Yahoo oder Lycos sowie Vertreter der traditionellen Medien wie Bertelsmann oder Walt Disney. In diesem heißumkämpften Markt werden nur diejenigen überleben, die sich mit Medien am besten auskennen und ihren Besuchern die besten Angebote liefern, also die Vertreter der traditionellen und Online-Medien.
c't: Wie wird das Lycos Network in Zukunft erweitert? Wird es beispielsweise persönliche Shops wie bei Yahoo Store geben?
Peabody: Yahoo Store ist eine schlechte Idee. Es greift die großen Geschäftspartner an, die man bereits hat. Der CD-Händler CDNow bezahlt uns beispielsweise etliche Millionen Dollar für die exklusive Partnerschaft und hat kein Interesse an Konkurrenz auf unseren Servern. Statt dessen bieten wir mit unseren großen Partnern den Benutzern von Tripod die Möglichkeit, auf ihren Homepages Filialen aufzuziehen: Wer über seine Homepage für CDNow eine CD verkauft, bekommt eine Provision. (jo) (jo)