Leicht, flach und ohne Kabel
Flach ist in: Die Winter-Comdex in Las Vegas bestätigte den gegenwärtigen Trend zu schnurlosen und superflachen Geräten. Nach den Notebooks specken nun die Lautsprecherboxen ab, Flachbildschirme werden erschwinglich, und surfen kann man künftig auch in der Badewanne.
- Manfred Bertuch
- Dr. Sabine Cianciolo
Ausstellern muß etwas einfallen, um in Las Vegas aufzufallen. Microsoft lockte Besucher auf den größten Comdex-Stand. Der Softwaregigant breitete sich auf rund 2300 Quadratmetern aus - mit direktem Blick auf die Golden-Gate-Brücke, die Standnachbar Philips als Blickfang aufgebaut hatte. Xerox hielt mit einer vorbildgetreuen griechischen Tempellandschaft dagegen. Andere, etwa Intel, IBM und Netscape, machten durch ihre Comdex-Abstinenz auf sich aufmerksam.
Im Vorfeld der Computer-Show hatten einige Experten bereits die Nach-PC-Ära proklamiert. Weil sich mit PCs immer weniger verdienen läßt, richtete sich das Interesse vermehrt auf neue Bereiche, zum Beispiel digitale Tonaufzeichnungsverfahren, Auto-Navigationssysteme und digitales Fernsehen. `Hunderte Firmen, von der kleinen Klitsche bis hin zum Telekommunikationsriesen, hoffen sich in diesen Bereichen dem Würgegriff des Wintel-Kartells zu entziehen´, konstatierte das Wallstreet Journal. Bill Gates reagiert auf solche Unkenrufe gelassen. Ein wirklich aufregendes Jahr habe er hinter sich, begann er am Vorabend der Comdex sein Grußwort und kam schnell auf die Mängel der Informationstechnologie zu sprechen: ungenügender Schutz der Privatsphäre und zu geringe Anwenderfreundlichkeit der Produkte. Das soll nun alles besser werden.
Bis dahin ist es möglicherweise noch ein langer Weg. Derweil dürfen sich Anwender mit günstigeren Preisen bei Flachbildschirmen trösten. Auf der Comdex zeigten eine Reihe von Firmen leichte, augenfreundliche 15-Zoll-Displays aus dem Preissegment unter 1000 US-Dollar. Dazu zählte der AcerView F51 (999 Dollar), der FT-15 von Sceptre (990 Dollar), ViewSonics VP150 (984 Dollar), NECs MultiSync LCD 1500M (950 Dollar), der Brilliance 151AX von Philips/Magnavox (900 Dollar) und das Modell LS 500C von MAG Innovision (750 Dollar). Trotzdem müssen sich Anwender wohl erst noch daran gewöhnen, daß die Flachen derzeit noch soviel kosten wie ein preisgünstiger Computer.
Leichte Reisebegleiter
Ebenso wie die Monitore eignet sich eine neue Generation flacher Lautsprecherboxen zur Wandmontage. So stellte Benwin (www.benwin.com) Flat-Panel-Lautsprecher der Serie BW2000 vor, die ab November für einen Preis von rund 130 Dollar zu haben sind. Im Gegensatz zu konischen Boxen verfügen sie über keine Hot-Spots, sondern strahlen den Klang gleichmäßig im 360-Grad-Radius ab.
Die Attribute flach und leicht reklamieren auch die Notebook-Hersteller für sich. Mitsubishi, eigentlich mehr für seine Autos bekannt, präsentierte in Las Vegas den Pedion EM. Der Vorgänger Pedion, das Ergebnis einer gemeinsamen Entwicklung mit Hewlett-Packard, feierte auf der Winter-Comdex des Vorjahres Premiere - damals mit Pentium-Prozessor (233 MHz), 64 MByte RAM und 1-GByte-Festplatte. Während HP den Pedion mangels Nachfrage aus dem Programm nahm, wagt Mitsubishi (www.mitsubishi-mobile.com) nun im Alleingang den Sprung in die Pentium-II-Klasse.
Der nur knapp 2,3 cm hohe und 1,7 kg schwere EM ist mit einem 266-MHz Pentium-II, 96 MByte EDO-RAM und einer 4,3-GByte-Festplatte bestückt. Weiterhin beherbergt das Gehäuse einen PCMCIA-Slot für zwei Typ-II- oder eine Typ-III-Karte. Ein 20X CD-ROM-Laufwerk, die serielle und parallele Schnittstelle sowie ein USB-Anschluß wurden in ein separates Multimedia-Pack ausgelagert, das allerdings stattliche 1,2 Kilo auf die Waage bringt.
Den Preis für das beste Produkt in der Kategorie `leichte Reisebegleiter´ heimste in diesem Jahr Toshiba ein: Der Portégé 3010CT kostet mit rund 1900 Dollar nur etwa halb soviel wie der Pedion, bietet dafür allerdings auch weniger Prozessor-Leistung. Im Innern arbeitet ein 266-MHz-Pentium, dem in der Grundausstattung 32 MByte RAM zur Verfügung stehen. Der Reisebegleiter läßt sich allerdings auf 96 MByte aufrüsten.
Voodoo-Zauber
Mittlerweile steht auch der Voodoo-2-Nachfolger in den Startlöchern. Wie erwartet, ist das neue 3Dfx-Flaggschiff eine Weiterentwicklung des Banshee mit doppelt ausgelegter 3D-Pipeline für Single-pass-Multitexturing. Der in 0,25µ-Technik gefertigte Chip beherbergt 8,2 Millionen Transistoren und soll 7 Millionen Dreiecke/s verarbeiten können. In der Ausführung für Add-in-Karten (Voodoo-3 3000) erzeugt er mehr als 366 Millionen Texel/s. Der integrierte 350-MHz-RAMDAC soll Auflösungen bis 2048 x 1536 (Quad XVGA) bei 75 Hz ermöglichen. Eine preiswertere Variante für OEMs ist mit 250 MTexel/s und 300 MHz maximalem Pixeltakt spezifiziert (Voodoo-3 2000). Das Host-Interface beherrscht jetzt AGPx2-Transfers mit Sideband-Adressing. Zusammen mit einem ebenfalls von 3Dfx entwickelten Treiberbaustein kann Voodoo-3 auch digitale LCDs ansteuern und erzeugt dank `subpixel image scaling´ auch bei hochgerechneter Auflösung ein sauberes Bild. Der Chip ist für das 2. Quartal 1999 angekündigt. Im Frühsommer will man eine Version für AGPx4 folgen lassen.
3Dfx konzentriert sich mit Voodoo-3 fast ausschließlich auf einen hohen Dreiecksdurchsatz und Füllraten, die man für Auflösungen von 1024 x 768 Pixeln und mehr benötigt. Eine Reihe von Qualitätsmerkmalen, die bei der Konkurrenz schon zum Standard gehören, sucht man beim Voodoo-3 jedoch vergeblich. Wie seine Vorgänger kann er keine Texturen verarbeiten, die größer als 256 x 256 Pixel sind. Zudem fehlt ihm die Fähigkeit, Texturen direkt aus dem Hauptspeicher heraus zu verarbeiten - eine der interessantesten Vorzüge von AGP. Als Nachteil sehen viele Entwickler auch die Beschränkung auf einen 16-Bit-Z-Buffer (effektiv 22 Bit) sowie auf maximal 16 MByte Bildspeicher und die fehlenden 3D-Funktionen in Auflösungen mit 32 Bit Farbtiefe. Wie es scheint, gelingt es 3Dfx nicht, den in diesem Punkten verlorenen Anschluß an Riva TNT und andere Chips zurückzugewinnen.
Konkurrent nVidia will bereits im März mit dem Riva TNT-2 auftrumpfen. Er entspricht im wesentlichen dem jetzigen Riva TNT, verträgt aber dank 0,25-µm-Fertigung höhere Takte. Auf der Comdex stand jedoch noch der Riva TNT und das Projekt `Vanta´ im Vordergrund. Die preiswerte, ebenfalls in 0,25 µm gefertigte OEM-Ausführung des Riva TNT besitzt einen auf 64 Bit reduzierten Speicherbus und ist ausschließlich für die Mainboard-Integration gedacht. Damit will man 3D-Beschleunigung auch abseits des Spielesektors etablieren. Entsprechende Mainboards kann man im zweiten Quartal 1999 erwarten. Im Frühjahr 1999 sollen sogenannte Business Developer Workshops abgehalten werden, um die Einführung von 3D-Grafik auf Firmen-Desktops zu beschleunigen. Interessenten können sich ab dem 2. Januar 1999 auf der Website des Herstellers (www.nvidia.com) registrieren lassen.
ATI nutzte das grafisch anspruchsvolle Spiel Unreal, um erste Exemplare des Rage 128 gegen die Konkurrenz antreten zu lassen. Bei einer Auflösung von 800 x 600 erreichte der Chip 35 Bilder/s. Der Riva TNT und Banshee sollen bei 30 und 29 fps liegen, Savage 3D und G200 bei 20 und 17 fps. Der ATI-Chip wird im kommenden Frühjahr, zunächst mit einem Chip-/Speichertakt von 75/100 MHz, auf ersten Grafikkarten erscheinen. ATI hofft, den Takt im Laufe der Produktion bis auf 75/125 oder 100/125 MHz steigern zu können.
| Creative Labs ĂĽberraschte die Fachwelt mit volumetrischen Schatten in Unreal. |
Creative Labs bewies mit einer speziellen Version von Unreal seine Fachkenntnis. Neben verbesserten Soundeffekten gab es auf der Graphics Blaster mit dem Riva TNT volumetrische Schatten zu sehen: Der Effekt bildet reale, sich bewegende Schatten nach und ist nicht mit den statischen, grauen Polygonen in herkömmlichen Spielen zu vergleichen. Die Programmierer nutzen den Stencil-Buffer des Grafikchips, somit funktioniert dieser Effekt auch auf Riva-TNT-Boards anderer Hersteller.
Auch deutsche Hersteller steuerten zur Comdex Neuheiten bei. Elsa kündigte Synergy II an, ein Einstiegsprodukt für CAD, Animation und Image Processing. Es basiert auf dem Riva TNT und verfügt über 16 MByte RAM. Die umfangreiche Softwareausstattung deckt beschleunigende Treiber für AutoCAD R13 und R14 ab sowie speziell optimierte HEIDI- und OpenGL-Software für 3DStudio MAX R2, VIZ R2, Lightwave 3D und andere. Mitgeliefert wird auch ElsaView, ein 3D-Viewer für AutoCAD, MDT und ADT. Das Produkt soll im ersten Quartal nächsten Jahres für 299 Dollar erhältlich sein.
Kabellos surfen
Am Cyrix-Stand wurde Besuchern ein Referenz-Design des WebPad mit MediaGX-Prozessor vorgestellt. Das 20 × 28 Zentimeter kleine Gerät sieht einem Tablett ähnlich und verfügt über einen berührungsempfindlichen LC-Bildschirm. WebPad gestattet Usern bei einer Reichweite von 150 Metern, etwa im Swimming-Pool, EMails zu versenden, zu empfangen oder im Web zu surfen. Der Prototyp wird von einer Batterie gespeist. Wie beim schnurlosen Telefon benötigt man eine Basis-Station, die entweder an eine Telefonleitung oder ein Netzwerk angeschlossen wird und als Empfänger und Ladegerät dient.
| Referenz-Design ohne Wert? Cyrix´ WebPAD verzichtet auf den Bluetooth-Standard. |
Das Messemuster verfügte bereits über 16 MByte RAM, 8 MByte ROM, zwei USB-Ports sowie Lautsprecher und Mikrofon, jedoch keine Festplatte oder PCMCIA-Slots. Laut Cyrix will man es den OEMs überlassen, derartige und andere Features einzubauen. Experten geben dem von Cyrix im Alleingang entwickelten Design indes keine großen Chancen. Einerseits tummelt sich das Funkmodem des WebPAD bei 2,4 GHz in einem (lizenzfreien) Bereich, den beispielsweise auch das Wireless LAN verwendet. Andererseits beteiligen sich neben IBM, Ericsson, Nokia und Intel weltweit rund 90 verschiedene Unternehmen an der Spezifikation eines offenen Funkstandards für Sprach- und Datenübertragung namens Bluetooth. Bluetooth soll die Kommunikation zwischen zahlreichen Gerätegattungen vereinheitlichen. Unter anderem werden so PCs, Handys und auch Telefone miteinander kommunizieren können.
Ein weiterer Neuling lockte Interessenten an den Stand von Iomega. Der Hersteller präsentierte den Nachfolger des 100-MByte-Zip-Drives. Das Gerät verwendet die neuen 250-MByte-Zip-Disks. Dennoch bleibt die Kompatibilität zu den 100-MByte-Zip-Disks bestehen. Zip 250 kostet rund 200 Dollar, kommt noch vor Ende dieses Jahres auf den US-Markt und im ersten Quartal in deutsche Regale.
Einen Preis für das beste Exponat der Messe heimste Epigram ein. Der vorgestellte iLine10-Chipsatz rüstet existierende Telefonleitungen mit zehn MBit/s-LAN-Funktionalität aus. Der Telefonverkehr wird von der Doppelnutzung der Leitung nicht beeinträchtigt. Der Hersteller arbeitet mit verschiedenen Partnern (3Com, Texas Instruments und Netgear), die den iLine10-Chipsatz in ihre Produkte wie beispielsweise Netzwerkkarten integrieren. Epigram bietet das Heimnetz zunächst in den USA an, hat aber bereits den europäischen Markt im Auge. (em) (ole)