AMD K6-2 "fast" unschuldig
- Andreas Stiller
Von AMD gab es zwar keine offizielle Stellungnahme zu den in c't 24/98 gemeldeten Problemen einiger K6-2-Prozessoren, aber ein inoffizielles Papier, dessen Inhalt auf Umwegen zu c't gelangte. Gemäß dem c't-Bericht sollten Prozessoren der Herstellungswochen 34 bis 39 (A9834 ... A9839) in 100-MHz-Systemen häufig zu Systemabstürzen neigen. Das AMD-Papier bestätigt die Probleme, die eine Charge von 30 000 Prozessoren mit solchen Boards aufwies, die sich nicht im vollen Umfang an die Super-7-Spezifikation hielten. Diese Boards hatten sich vielmehr an dem bezüglich Timing großzügigeren Vorgängertyp (Codename Chomper) orientiert.
Um nicht so lange zu warten, bis sich die Board-Hersteller rühren, revidierte AMD von sich aus ab 1. November die Testspezifikationen. Nunmehr freigegebene Prozessoren sollen wieder auch mit schlechter designten Boards klarkommen. Das führte nebenbei dazu, daß AMD die Prozessoren, die die 100-MHz-Specs nicht erfüllen, jetzt als `66 MHz only´ vermarktet.
Neben möglichen Spezifikationsunterschieden gibt es aber weitere Stolperstellen für schnelle Prozessoren in Supersockel-7-Boards:
- Schlampig programmierte Software verwendet primitive Zeitschleifen, die überlaufen können (DOS-Maustreiber, Clipper- und Borland-Pascal-Programme, Windows 95, Windows 98). Meist sind Patches dafür im Internet erhältlich.
- Die AMD-Prozessoren verbrauchen viel Strom (die 400-MHz-Version gar bis zu 11,25 A). Wenn zusätzlich die AGP-Karte stromgierig ist (RivaTNT etwa schluckt 7 W) stehen bei schlecht ausgerüsteten Boards Instabilitäten ins Haus (siehe auch AGP-Reibereien, S. 186).
- Oft sind auch schlechte Speicher fĂĽr Fehler verantwortlich: es sollten echte PC-100-Module sein.
- Auch bei der Jumperung der neuen K6-2-Versionen (CXT) muß man aufpassen: Diese interpretieren nämlich die alte Einstellung × 2 als × 6 (was für das Upgrade alter Systeme ja ganz nützlich ist).
Wer von einem instabilen K6-2/100-System betroffen ist, sollte zunächst diese Punkte abklären, bevor er bei seinem Händler oder bei AMD (Hotline: 0 89/45 05 31 99) reklamiert. So mancher wird dabei in der berüchtigten Zwickmühle der Schuldzuweisungen zwischen Board- und Prozessorherstellern steckenbleiben. Ein generelles Umtauschprogramm will AMD wegen `fehlender Schuld´ nicht anbieten. Angesichts der einfachen Lösungsmöglichkeit durch neue Prozessoren wäre AMD aber dennoch gut beraten, hier zumindest großzügig den Kulanzweg zu beschreiten. Und schließlich kann die Firma ja die alten Prozessoren als `66 MHz only´ weitervermarkten. (as) (as)