Modellpflege
Im 6-Monats-Turnus werfen die Hersteller neue Grafikbausteine auf den Markt. Die gegenwärtige Runde dreht sich um gesteigerte Leistung durch höheren Takt, die Ergänzung von Features wie Single-Pass-Multitexturing sowie die Überarbeitung von Caches und Pipelines.
- Manfred Bertuch
Ende Januar stellte 3Dfx den neuen Voodoo-3-Chip in zwei AusfĂĽhrungen vor. Wie erwartet vereint er die Eigenschaften von Banshee und Voodoo-2 in einem IC. Der Voodoo-3 ist also kein reiner 3D-Zusatzbaustein, sondern ein vollwertiger Grafikchip mit 2D- und 3D-Funktionen. 3Dfx betont, daĂź ein hoher Dreiecksdurchsatz in Spielen mit detaillierten Szenen ohne Sichtweitenbegrenzung wichtig sei und setzt voll auf Geschwindigkeit. Der Voodoo-3-3000 ist fĂĽr 166 MHz Speichertakt ausgelegt, etwas darunter bleibt die Variante Voodoo-3-2000 mit 125 MHz.
Auf lokale Speicher mit mehr als 16 MByte, hochaufgelöste Texturen, AGP-Funktionen für die Erweiterung der lokalen Speicherkapazität sowie 32-Bit-Rendering verzichtet 3Dfx nach wie vor. Der in einem 452poligen BGA-Gehäuse untergebrachte Voodoo-3 kann mit einem Interface-Baustein auch LC-Monitore digital ansteuern. Dadurch, daß das LCD-Interface nicht im Grafikchip integriert ist, sei man flexibel hinsichtlich neuer LCD-Standards. Der RAMDAC erreicht 350 beziehungsweise 300 MHz maximalen Pixeltakt; eine AGPx4-taugliche Version soll im Laufe des Jahres folgen.
Mit dem Savage-3D-Nachfolger Savage 4 hofft die finanziell gebeutelte Chipschmiede S3 - allein im letzten Quartal 1998 fuhr sie 70,3 Millionen US-$ Verlust ein - wieder in den profitablen Bereich zurĂĽckzukehren. Die Variante Savage 4 Pro verfĂĽgt ĂĽber ein AGPx4-Interface, steuert maximal 32 MByte lokalen Speicher mit bis zu 143 MHz an und besitzt einen 300-MHz-RAMDAC; die AusfĂĽhrung Savage 4 GT ist auf AGPx2, 125-MHz-Takt und 16 MByte lokalen Speicher begrenzt. Beide Versionen besitzen allerdings nicht den mittlerweile ĂĽblichen 128-Bit-Datenpfad zum Grafik-RAM, sondern lediglich einen 64-Bit-Bus. Ferner unterstĂĽtzt der Savage 4 die DVD-Dekodierung in Hardware.
Ihr herausragendes Merkmal ist, daß die S3-Chips die Direct-X-6.0-Texturkompression in Hardware ausführen können: Oberflächen lassen sich dadurch in Spielen fotorealistisch gestalten, ohne daß Speicherplatz- oder Leistungsprobleme auftreten. Neu hinzugekommen ist Single-Pass-Multitexturing sowie ein Vertex-Buffer, der den Polygondurchsatz leicht verbessert; eine Spezialität dabei sind zwei unabhängig arbeitende Einheiten für trilineare Texturfilterung, die Single-Pass-Multitexturing ohne nennenswerten Zeitverlust ermöglichen. Ein digitales Interface für LC-Displays bis 1280 x 1024 Bildpunkte (Panel-Link) ist ebenfalls integriert. Das Spiel Unreal lief auf einem Prototyp, dessen Arbeitstakt noch auf 100 MHz begrenzt war, in 1024er-TrueColor-Auflösung weitgehend flüssig und vor allem mit den bekannt beeindruckenden S3TC-komprimierten HiRes-Texturen.
nVidia will eine neue Version des Riva TNT herausbringen. Man arbeite an einer 0,25-µm-Ausführung namens TNT-2, die mit einem Core-Takt von 143 MHz und eventuell höherem Takt für den Speicher laufe. Er besitzt ferner ein AGPx4-Interface und kann maximal 32 MByte lokalen Speicher sowie digitale LCDs ansteuern. Größere Caches und überarbeitete Pipelines sollen ebenfalls zur Geschwindigkeitssteigerung beitragen.
Beim Permedia-3 von 3Dlabs geht es nicht um Modellpflege, sondern um einen völlig neuen Chip. Dieser ist seit Monaten überfällig und soll jetzt endlich im Labor zufriedenstellend laufen. Wann erste Boards herauskommen, ist dagegen immer noch offen. Weitere Neulinge kommen von SiS und Trident: Die Chancen des SiS300 und des Blade 3D liegen zwar eher im Bereich der No-name-Produkte aus Fernost, die Papierdaten des SiS300 lesen sich allerdings nicht schlecht: maximal 64 MByte Speicher, AGPx4, Hardware-DVD, 128-Bit-Datenbus und TV-Out mit Dual-View.
Spannendes Rennen
Das Rennen um die meisten Bilder pro Sekunde werden in den nächsten Monaten wieder 3Dfx und nVidia unter sich ausmachen. Ob der auf Speed getrimmte Voodoo-3 den an nVidia verlorenen Lorbeerkranz zurückgewinnen kann, bleibt abzuwarten. Das rundere Konzept kann man dagegen S3 bescheinigen: Texturkompression und integrierte DVD-Beschleunigung findet man nur beim Savage 4; der Permedia-3 läßt sich noch nicht einordnen. Ebenfalls bleibt abzuwarten, ob die angekündigten Taktgeschwindigkeiten bis zu 166 MHz beim Voodoo-3-3000 auch in der Serie erreicht werden. Im letzten Jahr kündigten 3Dfx, nVidia und S3 zwar Grafikchips für 125 MHz an, tatsächlich lag die Leistung jedoch nur zwischen 95 und 120 MHz.
Produkte mit dem Voodoo-3 und dem Savage 4 darf man nach der CeBIT 99 beispielsweise von Elsa, Guillemot und Diamond erwarten, wobei ein 32-MByte-Board mit dem Savage 4 besonders preisgünstig sein wird (etwa 250 DM). nVidia-Fans müssen sich voraussichtlich noch einen Monat länger gedulden, denn mit dem TNT-2 ist nicht vor Mai zu rechnen. (ea) (ea)