Platten-Karussell

Die Festplattenhersteller bräuchten eigentlich zwei bis drei Messen pro Jahr, um alle Neuheiten zu präsentieren. Auf der CeBIT gibt es mehrere Rekorde zu bestaunen: die größte Festplatte faßt 50 GByte, die schnellste überträgt knapp 30 MByte/s, und die kleinste ist nur halb so groß wie eine Kreditkarte.

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Von
  • Dr. Harald Bögeholz

Seit dem letzten Platten-Karussell haben sich schon wieder elf neue Festplatten auf dem Prüfstand eingefunden. Da das Testverfahren unverändert blieb, sind die Ergebnisse mit denen der vergangenen Festplattentests vergleichbar. Der Benchmark H2bench läuft unter DOS und mißt verschiedene Aspekte der Festplattenleistung. Für Anwendungen wie Audio- und Videobearbeitung, bei denen große Datenmengen sequentiell verarbeitet werden müssen, spielen die Dauertransferraten eine große Rolle, während man für normale Büroanwendungen sein Augenmerk eher auf den gewichteten Mittelwert richten sollte. Neben dem Benchmark unterziehen wir alle Festplatten einer Geräuschmessung. Für eine nähere Erläuterung des Meßverfahrens siehe [1].

Mit der Barracuda 50 liefert Seagate die bisher höchste Kapazität im 3,5"-Formfaktor. Spätestens dieses Laufwerk markiert das Ende der FAT16-Ära: Mit 24 Partitionen à 2 GByte wären alle Laufwerksbuchstaben von C: bis Z: belegt. Windows 95 oder gar DOS sind allerdings wohl nicht der Zielmarkt für solch ein Server-Laufwerk.

Höchste Leistung versprechen die mit 10 000 U/min drehende Cheetah 18LP von Seagate sowie Fujitsus Allegro 5LE. Unter diesen beiden hat das Fujitsu-Laufwerk die Nase vorn. Das uns zur Verfügung stehende Vorserienmodell der MAG3182LC zeigte allerdings noch eine kleine Schwäche beim sequentiellen Lesen; hier fielen die Dauertransferraten niedriger als beim Schreiben aus. Die Cheetah 18LP wies keine derartigen Anomalien auf, erreichte aber auch "nur" 26,9 MByte/s in der schnellsten Medienzone. Hinsichtlich des Laufgeräuschs ist das Fujitsu-Laufwerk zu bevorzugen, das trotz seiner 10 000 Touren erstaunlich leise läuft. Western Digital hat ebenfalls 10 000er Laufwerke angekündigt, jedoch beginnt die Massenproduktion erst im Sommer.

Die Hersteller von IDE-Platten lösen zur CeBIT das Versprechen ein, ihre Laufwerke mit dem schnellen Ultra-ATA/66-Interface auszustatten. Die Modelle von Fujitsu, Quantum und Western Digital beherrschen den Ultra-DMA-Modus 4 mit bis zu 66 MByte/s, während die Maxtor DiamondMax Plus 5120 sich noch mit 33 MByte/s (UDMA-Mode 2) begnügt.

Aktuelle Festplatten schöpfen mit ihren Datenraten bisher noch nicht die 33 MByte/s des UDMA-Mode 2 aus. Da Mainboards mit Ultra-ATA/66-Interface noch nicht sehr verbreitet und entsprechende PCI-Hostadapter noch nicht erhältlich sind, haben wir auch die Ultra-ATA/66-fähigen Festplatten nur im UDMA-Mode 2 an unserem bewährten Promise Ultra33 gemessen. Die Ergebnisse spiegeln also die an einem heutigen System zu erwartende Leistung wider. Im UDMA-Mode 4 würde sich erfahrungsgemäß der gewichtete Hdbench-Mittelwert um ein paar Prozent verbessern, die übrigen Werte aber exakt gleich bleiben.

Unter den EIDE-Platten gibt die Maxtor DiamondMax Plus 5120 klar den Ton an. Mit einer Dauertransferrate von bis zu 20,5 MByte/s ist das Laufwerk gut 20 % schneller als der nächste Verfolger, Western Digitals Expert. Beim gewichteten Mittelwert profitiert die Expert allerdings von ihrem mit 2 MByte überaus großzügig bemessenen Cache. Für die Expert- und die neue Caviar-Familie hat Western Digital IBM-Technologie lizenziert und das Design der Deskstar 25GP beziehungsweise Deskstar 22GXP komplett übernommen. Die mit 7200 U/min drehende Expert kommt als AC418000 mit 18 GByte und als AC29100 mit 9 GByte auf den Markt. Neues Spitzenmodell der mit 5400 U/min drehenden Caviar-Familie ist das 20-GByte-Laufwerk AC420400. Die Testergebnisse fielen erwartungsgemäß fast identisch mit denen der baugleichen IBM Deskstar 25GP aus, die auf fünf Scheiben 25 GByte speichert.

Von Fujitsus Picobird-13-Familie waren kurz vor der CeBIT nur die kleinsten Kapazitätsvarianten mit 4,3 und 6,4 GByte aufzutreiben. Die Laufwerke sollen jedoch mit einer Kapazität von bis zu 17 GByte auf den Markt kommen, und man kann davon ausgehen, daß die hier nicht getesteten Modelle mit höherer Kapazität dieselbe Geschwindigkeit aufweisen werden wie ihre kleineren Geschwister.

Die Fujitsu MHG2102AT wirkt zwischen all den EIDE- und SCSI-Boliden ganz verloren. Rein äußerlich ist die 12,7 mm hohe 2,5"-Platte auch nur winzig. Die inneren Werte können sich jedoch sehen lassen: Mit einer Kapazität von 10 GByte ist die Hornet 11 die größte Notebook-Platte, die bisher den Weg ins c't-Labor gefunden hat, und auch leistungsmäßig liegt sie an der Spitze.

Hitachi hat mit der DK229A-10 ebenfalls ein 10-GByte-Laufwerk angekündigt, konnte jedoch vor der CeBIT noch kein Testgerät liefern. Bei IBM reichen die angekündigten Kapazitäten bis hinauf zu 14 GByte, für die die Travelstar 14GS allerdings eine Bauhöhe von 17 mm benötigt. Bei 12,5 mm Bauhöhe sind auch bei IBM 10 GByte Stand der Technik; die Travelstar 10GT wird es als DCXA-210000 mit 10 GByte sowie als DCXA-208100 in einer um einen Kopf abgespeckten 8-GByte-Variante geben. Nach unten hin rundet die 9,5 mm flache Travelstar 6GN die Produktpalette ab.

Ein mit 4500 U/min rotierendes "Zweimarkstück" mit 340 MByte Kapazität - keine Spinnerei, sondern ein Microdrive von IBM.

340 MByte auf einem mit 4500 U/min rotierenden Zweimarkstück, das gibt es demnächst wirklich. Schon vor geraumer Zeit hat IBM die Entwicklung sogenannter `Microdrives´ im Compact-Flash-II-Formfaktor (42,8 x 36,4 x 5,0 mm) angekündigt. Solche Laufwerke sind für mobile Anwendungen mit hohem Speicherbedarf, etwa Digitalkameras, prädestiniert. Die ersten Produkte mit 340 MByte auf zwei beziehungsweise 170 MByte auf einer Seite einer einzelnen Magnetscheibe wird IBM voraussichtlich im April ankündigen. Die Spezifikationen klingen vielversprechend: Mit Dauertransferraten von über 3 MByte/s könnten die Mini-Festplatten sogar die derzeit gebräuchlichen Flash-Speicher überrunden. Hinsichtlich der Kapazität hätten sie ohnehin die Nase vorn; die größten Compact-Flash-Karten speichern derzeit gerade mal 48 MByte.

Mit etwas Glück kann man auf der CeBIT schon erste funktionierende Microdrives bestaunen, etwa am Stand von IBM oder bei altec (Halle 13, B39). Minolta wird in Halle 1 am Stand 3o1 voraussichtlich ein Vorserienmodell der Digitalkamera "Dimâge RD-3000" zeigen, das wahlweise Compact-Flash-Speicherkarten oder die Microdrives von IBM aufnehmen kann.(bo)

[1] Harald Bögeholz, Platten-Karussell, Festplatten mit EIDE-und SCSI-Schnittstelle im Überblick, c't 4/99, S. 150

Fujitsu: Halle 7 B40
Hitachi: Halle 12 D06
IBM: Halle 1 4g2, Festplatten auch bei Actebis, Halle 13 B84
Maxtor: Halle 12 C76
Quantum: bei Raab Karcher, Halle 12 D30
Samsung: Halle 12 C49
Seagate: Halle 12 D40
Toshiba: Halle 1 6h2
Western Digital: Halle 12 C77
(bo)