Windows 2000 + X
Wirft man alle Gerüchte über neue Windows-Versionen in einen Topf, so braucht man nicht erst zu rühren, damit der Überblick verlorengeht: NT 5.0, Windows 2000, Windows 98 Second Edition, Consumer-NT - was ist was, und was kommt wann?
Pläne für die Windows-Zukunft schmiedet Microsoft zwar schon Jahre im voraus, doch in letzter Zeit scheinen sie durcheinander zu geraten: Noch bevor der NT-Nachfolger Windows 2000 fertig wurde, kamen erste Gerüchte über einen Nachfolger für Windows 98 auf, "Second Edition" genannt. Zudem sprach sich herum, daß Microsoft davon Abstand genommen habe, die nächste Consumer-Version von Windows auf der NT-Grundlage aufsetzen zu lassen - eine weitere Variante mit der Windows-3.x/9x-Technik gilt inzwischen als wahrscheinlich.
Das einzige, was Microsoft davon allerdings bestätigt, ist die nahende Fertigstellung von Windows 2000, dem ehemaligen NT 5.0. Ende April soll die dritte Beta-Version fertig sein. Wer diese ausprobieren will, soll sie sogar hierzulande für rund 100 DM kaufen können. Weitere Test-Versionen schließt Microsoft nicht aus. Dennoch soll Windows 2000 noch 1999 in den Handel kommen, jedenfalls, wenn die Rückmeldungen der Tester positiv ausfallen. Derzeit gibt es eine Vorab-Version (Release Candidate 1) der Beta 3, die indes nur echten Beta-Test-Teilnehmern zugänglich ist.
Zu Kommentaren über andere Windows-Varianten läßt sich Microsoft derzeit kaum verleiten. Man hat lediglich zugegeben, daß es die "Second Edition" von Windows 98 geben soll. Diese Variante beinhaltet die Service Release 1, an der Microsoft derzeit noch arbeitet. Ähnlich wie auch bei Windows 95 soll es für Anbieter von fertigen PCs (OEMs) eine spezielle Fassung inklusive Service Release 1 geben. Ob diese Second Edition auch für den Endkunden einzeln zu haben sein wird, steht nicht fest. Zumindest die Fehlerkorrekturen sollten aber über das Update jedem zugänglich sein.
Time will tell
Akzeptiert die Kundschaft Windows 2000 - so könnte das Kalkül Microsofts lauten -, ist es unnötig, Windows 98 nochmals aufleben zu lassen. Angesichts der Rechenpower und Ressourcen heutiger Schnäppchen-PCs, in denen 64 MByte RAM und 400-MHz-Prozessor fast Standard sind, ist es wahrscheinlich, daß Microsoft sowohl auf eine NT-Consumer-Version als auch auf eine Windows-98-Neuauflage verzichten kann. Zünglein an der Waage könnte der Aufpreis sein, der für Windows 2000 Professional, den Workstation-Nachfolger, zu entrichten ist.
Außer der besseren Technik sprechen eine Reihe von Neuerungen für Windows 2000 statt Windows 98: Windows 2000 enthält die modernere ACPI-Implementierung, verspricht also besseres Plug & Play und Powermanagement aus der Box. Die bereits für Windows 98 versprochenen Funktionen, die eine Installation vor unflätigen Installationsprogrammen schützen, will Microsoft in Windows 2000 weiter verbessert haben. Das System soll seine DLLs selbst effektiv schützen.
Dazu gesellen sich Detailverbesserungen an der grafischen Oberfläche. So kann das Startmenü jetzt Drag & Drop in beide Richtungen und bietet Kontextmenüs für jeden einzelnen Eintrag. Wer sich sowohl mit NT 4.0 als auch mit früheren Beta-Versionen von Windows 2000 beschäftigt hat, weiß ein Lied von der umgekrempelten Bedieneroberfläche zu singen: Viele Werkzeuge zum Verwalten des Systems finden sich an anderer Stelle wieder - mitunter sind diese Änderungen aus Sicht des erfahrenen Benutzers nur schwer nachvollziehbar. Anfänger dürften es aber leichter haben.
Mobile Arbeiter, die Dateien aus dem Netzwerk mit dem Notebook auf die Reise nehmen, dürfte vor allem "Intelli Mirror" freuen. Hinter dieser Technik steckt eine Art lokaler Cache für Dateien aus dem Netzwerk. Markiert man Dateien als offline, kann man auch unterwegs ohne Netzwerkverbindung darauf zugreifen. Ist man wieder zurück, und hat Windows 2000 erneut eine Verbindung zum Netz, gleicht es diese Dateien automatisch ab. Auf der Netzwerkseite ist dafür lediglich ein SMB-Netz notwendig.
Mit Windows 2000 geht auch ein Update des Dateisystems NTFS einher: Es bietet nun außer transparenter Kompression auch Verschlüsselung an. Das heißt, Benutzer können sensible Dateien für andere Benutzer unlesbar machen. Die Applikationen merken davon nichts. NTFS5, so der Name des renovierten Dateisystems, kann mehrere Partitionen zu einem Laufwerk zusammenfassen: entweder im laufenden Betrieb über die Plattenverwaltung oder Unix-artig, indem eine NTFS-Partition in einem Unterverzeichnis einer anderen montiert wird.
Natürlich bleiben die Neuerungen von Windows 2000 nicht auf die Client-Seite beschränkt: Neben dem Active-Directory, also der Microsoft-Interpretation eines Verzeichnisdienstes für das Netz, richten sich etliche neue Features an die Netzwerk- und Systemverwalter. Unter anderem hat Microsoft dafür gesorgt, daß sich Windows 2000 über vorgefertigte Images gleich dutzendfach oder über einen speziellen Installationsboot aus dem Netz installieren läßt - vorausgesetzt, im Netz läuft ein Active Directory.
Windows 2000 soll es in vier verschiedenen Darreichungsformen geben: als Professional, als Server, als Advanced Server und als Datacenter Server. Die Professional-Version entspricht der heutigen Workstation, und der Server dem derzeitigen Server. Hinter dem Advanced Server steckt der heutige Enterprise Server. Der Datacenter Server wird wohl später kommen und soll gegenüber den anderen Server-Versionen deutlich mehr CPUs und größere Cluster unterstützen - Microsoft hofft, so das Rechenzentrum zu erobern.
Interessant ist, wie Microsoft bisher eigenständige Zusätze und Produkte für NT in das Basissystem integriert: Microsoft Transaction und Message Queue Server finden sich in den Server-Versionen wieder und bilden zusammen mit (D)COM Microsofts neuen Standard für Objekte im Netz: COM+. Der bisher separat entwickelte und vertriebene Terminal-Server wird ebenso zur Komponente aller Server-Versionen.
Neben den genannten Punkten weist Windows 2000 viele weitere Neuerungen auf. Es handelt sich dabei nicht so sehr um spektakuläre Dinge, sondern um Details, die Microsoft weitaus besser aufbereitet hat als in Windows 98 oder NT 4.0. In der kommenden c't werden wir auf diverse dieser Neuerungen eingehen und die Vorabversion ersten Praxistests unterziehen. (ps) (ps)