Zur Tat
Windows 2000, dessen aktuelle Beta-Version dieser Tage erhältlich sein soll, hat seine Reize, aber auch Tücken. Die meisten Hindernisse, die einem während der Inbetriebnahme begegnen, lassen sich überwinden.
Die Ressourcen-Anforderungen der Beta-Version sind nicht zu unterschätzen. Microsoft selbst gibt für Desktop-Systeme als Empfehlung einen 300 MHz schnellen Pentium II Prozessor nebst 64 MByte Hauptspeicher an. Von Versuchen, das System auf 486ern zu installieren, die mit NT 4.0 tadellos laufen, sollte man deshalb Abstand nehmen und zuerst über ein Hardware-Update nachdenken. Die zahlreichen Gimmicks, etwa die `aufdimmenden´ Menüs und der schattenwerfende Maus-Cursor fordern ihren Tribut. Nicht nur Intel und AMD werden´s danken.
Grundsätzlich harmoniert Windows 2000 zwar mit anderen Betriebssystemen auf einem PC, aber, wie so oft, steckt der Teufel im Detail. Wer auf bestimmte Hardware-Erweiterungen angewiesen ist, etwa ISDN- oder TV-Tuner-Karten, sollte zudem prüfen, ob Windows 2000 sie derzeit überhaupt unterstützt - das ist nämlich keineswegs selbstverständlich.
Der Installation parallel zu Windows 98 steht nichts im Weg, da Windows 2000 inzwischen das FAT32-Dateisystem mitbringt. Mit NT 4.0 scheiterte das bisher, wenn die erste primäre Partition (Laufwerk C:) mit FAT32 formatiert war. Ist Windows 98 schon vorhanden, so integriert Windows 2000 in seinem Boot-Loader auf der ersten primären Partition das alte und das neue Windows. Auch umgekehrt, wenn man Windows 98 als zweites System installiert, klappt die Integration in den Loader.
Vorsicht ist nach wie vor bei einer Parallelinstallation mit Linux und beim Vorhandensein des OS/2-Bootmanagers angezeigt. Eine LILO im Masterbootrecord (MBR) überlebt die Installation von Windows 2000 nicht. Man tut gut daran, eine Bootdiskette für die Linux-Installation bereitzuhalten, um LILO wieder zu restaurieren. Windows 2000 stört sich später nicht mehr daran. Der renovierte NT-Loader kann Linux oder LILO wie gehabt starten. Die Partition, auf der der OS/2-Bootmanager residiert, deaktiviert das Setup von Windows 2000. Es genügt, unter Windows 2000 diese Partition erneut zu aktivieren.
Besondere Obacht verdient der gleichzeitige Betrieb von Windows 2000 und NT 4.0. Da die neue Version ein grundlegend renoviertes Dateisystem (NTFS5) mitbringt, das nicht kompatibel zum Vorläufer NTFS(4) ist, kann es zu einer Reihe unschöner Effekte kommen: Bei der Installation konvertiert Windows 2000 automatisch alle NTFS-Partitionen auf das neue Format. NT kann nur noch auf diese Partitionen zugreifen, wenn es mit einem aktualisierten NTFS-Treiber bestückt wird. NT4 läßt sich auf NTFS5-Partitionen nicht mehr installieren.
Erst das Service Pack 4 für NT 4 enthält ein NTFS-Treiber-Update, das es ihm ermöglicht, NTFS5-Partitionen zu lesen. Alternativ kann man diesen Treiber von Hand in die NT4-Installation(en) einspielen, indem man die Datei ntfs4.sys aus dem i386-Verzeichnis der Windows-2000-CD über die Datei ntfs.sys der jeweiligen NT4-Installation kopiert. Das geht nach erfolgreichem Setup unter Windows 2000. Der sicherere Weg ist der Austausch der Datei vor der Installation von Windows 2000, denn sollte die Installation der Beta scheitern, kann man wegen der Konvertierung des Dateisystems die alte NTFS-Installation nicht mehr booten.
Grundsätzlich empfiehlt es sich, Windows 9x, NT 4.0 und Windows 2000 auf getrennten Partitionen zu betreiben, damit sich die `Program Files´- beziehungsweise `Programme´-Verzeichnisse nicht ins Gehege kommen. Bei identischer Anpassung an den Sprachraum (etwa zwei US-Versionen), ersetzt das Setup in `Program Files´ NT4-Komponenten durch ihre Windows-2000-Pendants. Der Erfolg: NT 4.0 verweigert fürderhin zum Beispiel den Start des ImageViewer.
Hinsichtlich der von Windows 2000 unterstützten Hardware sieht es derzeit noch ziemlich mau aus. Eine offizielle Hardware Kompatibilitätsliste (HCL) wird es mit der Beta 3 geben. Darin dürften allerdings nur die Geräte zu finden sein, für die Windows 2000 eigene Treiber mitbringt. Wer die Beta ausprobieren will, muß deshalb einigermaßen experimentierfreudig sein und sollte nicht gleich resignieren, weil ein Gerät auf der HCL fehlt: Diverse Treiber und zusätzliche Software, etwa für TV-Tuner unter NT 4.0, laufen auch unter Windows 2000; mitunter muß man allerdings auf ältere Revisionen dieser Software ausweichen.
Installation
Kam Windows NT einst mit einer Boot-Diskette für die Installation aus, so belegt Windows 2000 vier. Doch heutzutage wird wohl jeder direkt von der CD booten: Der Bootcode legt erfreulicherweise erst auf Tastendruck los. Greift man nicht ein, startet der PC nach einigen Sekunden von der Platte. Nach wie vor läuft der erste Teil des Setups zum Einrichten der Platte, Auswählen und Formatieren der Partition im Textmodus. Zum Einbinden zusätzlicher Host-Adapter-Treiber gibt es einige Gedenksekunden; man braucht also nicht mehr im Blindflug eine spezielle Taste zu betätigen.
Zwei neu hinzugekommene Optionen zum Reparieren von bestehenden Installationen bietet das Setup an: Man kann wahlweise eine `Recovery Console´ starten, letztlich ein minimales, kommandozeilenbasiertes NT im Textmodus, oder das Restaurieren einer Installation veranlassen, wenn man zuvor den `Automated System Recovery´-Assistenten (ASR) des Backup-Programms benutzt hat (siehe c't 9/99, S. 82). Weiterhin gibt es die Recovery-Diskette als dritte Wiederbelegungsmethode.
Die `Recovery Console´ erspart all denjenigen, die sich auf der Kommandozeile einigermaßen zu Hause fühlen, die Installation eines zweiten NTs zur Wartung der eigentlichen Arbeitsinstallation (etwa um dort Dateien auszutauschen, wenn sich die Installation eines neuen Treibers als wenig glücklich erwiesen hat). Außer den gängigen Kommandos einer NT-Kommandozeile bietet diese Console spezielle Funktionen, um Dienste am Start zu hindern, die Plattenpartitionierung zu ändern und dergleichen.
Wer häufig auf die Recovery Console zurückgreifen will, kann sie gleich als Option im Bootmenü verankern: Das Programm winnt32 im i386-Verzeichnis der CD übernimmt diese Aufgabe vollautomatisch, wenn es mit der Option `/cmdcons´ unter Windows 2000 aufgerufen wird. Die Console beansprucht rund 7 MByte Platz auf der primären Partition und bedient gleich mehrere Installationen. Beim Start fragt sie ab, an welcher Installation von Windows 2000 man sich zu schaffen machen will und verlangt zudem die Eingabe des zugehörigen Administrator-Paßworts.
Das Boot-Menü, das nach der Installation zum Starten von Windows 2000 dient, hat einige Erweiterungen erfahren: Diverse Optionen, so zum Beispiel das Booten mit VGA- statt den installierten Grafikkartentreibern, sind in ein Untermenü gewandert, das sich in der Bootauswahl mit F8 aufrufen läßt. Dort finden sich auch weitere Optionen für den Umgang mit `angeschossenen Installationen´, etwa ein sicherer Modus, in dem nur die rudimentären Treiber geladen werden.
Hardwareseitig gab es beim Setup dieselben Probleme wie mit NT 4.0. Weiterhin strauchelt Windows 2000, wenn eine NE2000-Netzwerkkarte im System steckt, die auf Portadresse 0x340 konfiguriert ist. Auch mit größeren IDE-Platten hatte der Release Candidate seine Not: Zwar ließ sich während des Setup auf einer 8-GByte-IDE-Platte anstandslos eine NTFS-Partition über die volle Kapazität anlegen, aber beim anschließenden Reboot kam lediglich die Fehlermeldung `no operating system found´. Mit einer 2 GByte großen NTFS-Partition klappte die Installation.
Von diesem Fauxpas abgesehen läuft die Installation nach dem Kopieren einiger Dateien und einem Reboot im Grafikmodus weiter. Bei einer einzelnen Workstation (Professional-Version) sorgt das Setup automatisch dafür, daß man gleich als Administrator beim System angemeldet wird. Im Stand-alone-Betrieb entfällt die bisher obligatorische Paßworteingabe ohne weiteres Zutun des Benutzers.
Anders als eine Installation von NT 4.0 erkennt Windows 2000 alle gängigen Hardwarekomponenten, zum Beispiel Soundkarten und Plug&Play-fähige Monitore. Leider bringt es derzeit nicht für jede gefundene Komponente auch Treiber mit: Eine Diamond Monster-3D-Karte sowie eine PCI-Soundkarte (Terratec XLerate) identifizierte das System zwar, zeigte sie aber nur als nicht unterstützte Geräte an. Zumindest bei der Soundkarte war Abhilfe durch die Installation der Treiber für NT 4.0 zu schaffen.
Weitere Experimente mit dem 3D-Beschleuniger waren hingegen sinnlos. Selbst wenn hier Treiber für NT 4.0 helfen würden, hätte spezieller Support für DirectX gefehlt. Eine statt dessen eingebaute Banshee-Karte von Creative Labs erkannte Windows 2000 hingegen und wartete mit Beschleunigerfunktionen in DirectX auf, so meldete es jedenfalls das im vorläufigen Resource Kit für Windows 2000 enthaltene DirectX-Diag. Die Versuche, mit Quake II irgendwelche Beschleunigerfunktionen zu konfigurieren, scheiterten indes. Das Spiel griff von sich aus stets auf den Standarddarstellungsmodus zurück.
Inwieweit Microsoft den löchrigen Treiber-Support in Windows 2000 bis zur Fertigstellung ergänzen kann, scheint fraglich. Das liegt besonders daran, daß die Redmonder sich ehrgeizige Ziele gesteckt haben: Wie schon in Windows 98 sollen NT-Treiber signiert werden, wenn sie umfangreiche Tests in den Windows Hardware Quality Labs (WHQL) erfolgreich absolviert haben. Da damit ein erheblicher Testaufwand einhergeht, wird es sicherlich eine Weile dauern, bis die gängigen Sound-Karten, 3D-Beschleuniger und dergleichen unterstützt werden.
Das mit großem Trara aus der Taufe gehobene Windows Driver Model (WDM), das Windows 9x, NT und auch 2000 einheitliche Treiber bescheren soll, ist in der Theorie zwar superb, wird in der Praxis aber nur zögerlich von den Herstellern angenommen. In unserem Fundus verschiedenster USB-Geräte fand sich zum Beispiel keine einzige Desktop-Kamera, die unter Windows 2000 funktionierte. Generell gilt, daß Hardware, die unter Windows 9x mittels spezieller VxD-Treiber unterstützt wird, unter Windows 2000 nicht läuft. Dieses Treibermodell aus der Windows-Steinzeit findet sich in NT nicht.
Update
Um der Frage nachzugehen, inwieweit unter Windows 98 installierte WDM-Treiber beim Update auf Windows 2000 nützlich sein könnten, ließen wir das Setup auf eine Maschine mit solchen Treibern los. Voraussetzung fürs Update ist, daß die nationalen Anpassungen der beiden Systeme einander entsprechen. Das Update von einem deutschen Windows 9x auf die US-Version von Windows 2000 ist nicht möglich. Das Testsystem mit 300-MHz-Celeron war mit einer einer ATI All-In-Wonder-Pro-Kombi-VGA- und TV-Tunerkarte und einer Terratec-Soundkarte ausgestattet.
All diese Komponenten funktionierten unter der US-Version von Windows 98 einwandfrei. Bei den Treibern für die Tuner-Karte handelte es sich laut Windows um WDM-basierende. Der Start des Updates muß unter dem laufenden Windows 98 erfolgen. Beim Booten von der Windows-2000-CD findet das Setup die Installation von Windows 98 nicht. Unter Windows 98 gestartet, beginnt der Update-Prozeß mit einer Inventur. Das Setup versucht, mit Windows 2000 unverträgliche Hard- und Software aufzustöbern.
Bei unserem Testsystem reklamierte das Update die ATI-WDM-Treiber für den Booktree-TV-Tunerchip und die 98er-Treiber für die Terratec-Sound-Karte. Es bot an, spezielle Upgrade-Installationsdateien einzubinden, die für eine streßfreie Umstellung dieser Geräte sorgen sollen. Leider liefert keiner der beiden Hersteller derzeit solche Dateien. Das Update läßt sich zwar fortsetzen, aber die Geräte funktionieren dann unter Windows 2000 nicht.
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Spezielle Update-Dateien sollen das Update von Windows 9x auf Windows 2000 streĂźfrei gestalten. |
Im Anschluß an die Hard- und Software-Inventur fragt der Update-Prozeß einige Details zur Netzwerkkonfiguration ab; unter anderem sorgt es dabei dafür, daß eine in einer NT-Domain betriebene Installation noch vor der Umstellung einen Account in der NT-Domain bekommt. Der eigentliche Umstellungsvorgang produziert dafür so gut wie keine weitere Nachfrage mehr. Die Ergebnisse sind, von den funktionsuntüchtigen Geräten abgesehen, passabel.
Das System bootete unter Windows 2000 mit identischer Bildschirmauflösung und fertig konfigurierten Microsoft- und Netware-Clients. Es harmonierte tadellos mit der 8 GByte großen primären Partition - auf die angebotene Umwandlung auf NTFS verzichteten wir angesichts der zuvor geschilderten Startprobleme auf solch großen Partitionen. Für die ATI-Grafikkarte waren die mit Windows 2000 gelieferten Treiber installiert: Die nachträgliche Installation der TV-Tuner-Software, die ATI auch für NT 4.0 anbietet, war nicht möglich - die Versionen der Treiber paßten laut ATI-Setup nicht zusammen.
Wer als Besitzer von Windows 98 mit dem Update liebäugelt, sollte sich also vorher umsehen, ob er für alle Hardware-Komponenten geeignete Umstellungsdateien oder native Treiber für Windows 2000 findet. Im Unterschied zum Update von Windows 3.x auf Windows 9x bietet Microsoft dieses Mal (zumindest im RC 1) keinen Weg zurück an. Das heißt, geht der Update-Versuch schief oder läuft nur eine dringend benötigte Komponente nicht, muß man im Zweifelsfall Windows 9x neu installieren. (ps) (ps)