Hoffnungsvolle Anti-Monopolisten

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Hoffnungsvolle Anti-Monopolisten sehen die Gates-Company schon am Ende ihrer Tage angekommen: Die amerikanische Justiz scheint nicht abgeneigt, Microsoft wegen illegaler Ausnutzung ihres Monopols zu (ver-)knacken; Linux schlägt sich tapfer als Server für Unternehmen und öffentliche Verwaltungen. Und ausgerechnet jetzt fällt noch ein deutscher Politiker auf das Liebeswerben von Gates respektive Ballmer herein. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz läßt sich, ähnlich wie zuvor schon Baden-Württemberg, von Microsoft mit Software beliefern und bei der Ausbildung von Lehrern unterstützen (siehe S. 32). Ein Aufschrei geht durch die Lande: Ja, sehen die denn hinter all der Schöntuerei nicht das häßliche Medusenhaupt?

Offensichtlich kann die Politik es keinem recht machen. Entweder ist sie in der Kritik, weil sie sich nicht genügend um die Ausstattung von Schulen mit PCs und Software kümmert. Oder sie bezieht Prügel, weil sie etwas Konkretes unternimmt und dabei notgedrungen auf ein Angebot in geeigneter Größenordnung zurückgreift.

Das Interesse von Microsoft ist eindeutig: Im späteren Berufsleben wollen die Kids, die in der Schule auf Windows und Office geeicht werden, hoffentlich mit Software derselben Provenienz arbeiten. Investition in die Zukunft nennt man so etwas wohl - und dafür läßt auch ein Steve Ballmer schon mal ein paar Millionen springen.

Welche Gegenleistung muß eine Landesregierung in der Kooperation mit Microsoft erbringen? Den Vertrag bekamen wir auch auf Anfrage nicht zu sehen. Er räumt Microsoft immerhin keine exklusiven Rechte ein, so Ministerpräsident Beck. Aber der Druck auf die Lehrer, Software vom Giganten einzusetzen, dürfte stark sein: Die bekommen sie schließlich gratis; an alternative Produkte ist angesichts leerer Staatskassen kaum zu denken. Obendrein macht das Schulungsangebot der Gates-Company den microsoften Weg zum bequemsten.

Ideenlose Politiker und faule Lehrer werfen also unsere Kinder dem Microsoft-Moloch zum Fraß vor. Zumindest lesen wir das jetzt wieder in den einschlägigen Newsgroups. Dabei wird zweierlei vergessen: Erstens kann man weder von Lehrern noch von Schülern erwarten, sich aus wirtschaftspolitischen Erwägungen mühsam einen alternativen Weg zu suchen; zweitens spielen die Grabenkämpfe der Betriebssystemideologen in der Schule kaum eine Rolle, solange es um die Vermittlung von Grundkenntnissen im Umgang mit Computern und Kommunikationstechniken geht.

Vergessen sollte man auch nicht, daß viele Lehrer sich längst abseits vom Lehrplan für Computerunterricht an den Schulen eingesetzt haben - das Projekt Schulen ans Netz lebt weitgehend von persönlichem Engagement. Das Beispiel des ODS-Kommunikationsservers auf Linux-Basis, den c't gratis an Schulen abgibt, zeigt deutlich: Praktische Hilfestellung ist gern gesehen; Angebote, die das Schulbudget (allzuoft nur 1000 Mark pro Jahr und Schule für Computer sowie Software) nicht belasten, werden mit Freude angenommen. Lehrer wie Schüler gehen da herzerfrischend unideologisch ans Werk. Das kommt im Zweifelsfall auch Microsoft zugute. Wem das nicht paßt, der kann selbst aktiv werden. Bildung ist kein Gut, das nur dem Staat (oder einer einzigen Firma) überlassen werden darf.

JĂĽrgen Kuri

(jk)