Sparmobile

Noch vor gut einem Jahr kosteten Notebooks der Einstiegsklasse knapp 4000 Mark. Seitdem hat sich die Preisspirale im turbulenten Mobilmarkt weiter nach unten gedreht, und mittlerweile sieht sich der preisbewußte Käufer einer großen Auswahl von Geräten für nicht mehr als 3000 Mark gegenüber.

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Von
  • Dr. Jürgen Rink
Inhaltsverzeichnis

Sparsame Menschen hielt bislang vor allem der hohe Preis vom Notebook-Kauf ab. Doch bei Kosten von weniger als 3000 Mark werden die Mobilen auch für Besitzer schmaler Geldbeutel interessant. Unsere Auswahl beschränken wir auf Geräte unter 3000 Mark mit zeitgemäßer TFT-Display-Technik. Passiv- oder DSTN-Displays, die weder satte Farben noch - aufgrund ihrer Trägheit - Videos flüssig darstellen können, sind passé, auch wenn manche Markenhersteller versuchen, die Billigtechnik unter neuem Namen (etwa ‘HPA-Display’) im Spiel zu halten.

Trotz dieser Eingrenzung kam ein buntes Testfeld zusammen: Marken-Notebooks sind ebenso dabei wie No-name-Geräte. Die Vielfalt der Prozessoren reicht von der Intel-Palette über den AMD-K6 bis zum Cyrix MediaGX. Flache Mobile finden sich genauso wie Rechner im altbekannten Klotzformat. Auch ein Subnotebook holten wir auf den c't-Prüfstand. Mini-Notebooks, die nur wenig größer als PDAs sind, ließen wir jedoch außen vor.

Es fehlen in diesem Vergleich Marktführer Toshiba genauso wie Siemens, Dell, Gateway, NEC Versa und Apple, deren Einstiegspreise die 3000-Mark-Grenze (noch) nicht unterschreiten. Ebenfalls nicht im Testfeld vertreten sind Billigangebote von Häusern wie Media-Markt, Saturn und Discountern wie Aldi und Norma, die gelegentlich auslaufende Serien - auch von Markenherstellern - oder Sonderanfertigungen auf den Markt werfen. Die Stückzahl ist meist zu klein und die Angebotszeitspanne zu kurz, als daß eine Aufnahme in einen solchen Test sinnvoll wäre.

Alle Testkandidaten eignen sich mit VGA-Port für den externen Monitor und PS/2-Anschluß für externe Tastatur grundsätzlich auch als Desktop-Ersatz auf dem Schreibtisch. Acht der dreizehn Geräte sind sogar mit Port-Replicator-Anschlüssen ausgestattet. Der Port Replicator, optional in gerätespezifischer Bauform angeboten, enthält Erweiterungen wie VGA-Port, PS/2- und meist auch serielle und parallele Schnittstelle. Wer das Notebook oft mit auf Reisen nimmt und zu Hause viele Erweiterungen anschließt, schätzt das praktische Zubehör, das inklusive angeschlossener Geräte mit einem Handgriff angesteckt wird.

Die Datenübertragung per Infrarot beherrschen die Testteilnehmer in sehr unterschiedlicher Qualität, obwohl Infrarot-Handys immer mehr Verbreitung finden und viele PDAs ihre Daten per IrDA synchronisieren können. CTX CyberNote 700G und Compaq Armada 1500c haben überhaupt keinen Infrarot-Port. Ansonsten hat sich das frühere Drama um die Infrarot-Verbindung mit Windows 98 immerhin gemildert. Fast-IrDA-Treiber, die Datenraten bis zu 4 MBit/s versprechen, sind mittlerweile oft vorinstalliert. Doch nicht alle Hersteller lassen die nötige Sorgfalt walten. Einige installieren nur IrDA 1.0, andere haben den Anschluß im BIOS-Setup abgeschaltet.

Für Präsentationen ist der Video-Ausgang wichtig, etwa wenn im Vortragsraum ein Datenprojektor fehlt und nur ein TV-Gerät zur Verfügung steht. Einige Notebooks bieten den Anschluß, doch von sechs damit ausgestatteten Geräten zeigten tatsächlich nur drei ein Bild auf dem Fernseher (Lion NB 5036, Dayline Mi6020 und Overdose II).

Wichtig zum Anschluß von Erweiterungen ist der PC-Card-Slot. Alle Notebooks besitzen zwei Slots zur Aufnahme von PC Cards der Dicke Typ II. Zum Teil sind die Slots übereinander angeordnet, so daß eine der dickeren Typ-III-Karten hineinpaßt, die allerdings recht selten sind (Ausnahme: Xircom RealPort). Alle Notebooks haben einen CardBus-Controller eingebaut, der derzeit eher für 100Base-Ethernet-Anbindungen mit der entsprechenden CardBus-PC-Card erforderlich ist. Die meisten PC Cards, ob Modem, Flash-Speicher, GSM-Anbindung oder ISDN-Adapter entsprechen dem Vorgänger-Standard PCMCIA 2.1 und sollten in dem abwärtskompatiblen CardBus-Slot laufen.

Das Display ist die teuerste Komponente im Notebook, allen voran die TFT-Modelle. In der Einstiegsklasse finden wir zumeist 12-Zoll-Displays mit der SVGA-Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten. Drei Geräte (Overdose II, Lion NB 5036, Liberano 300c) überraschten uns mit den viel teuren 13,3-Zoll-Displays in XGA-Auflösung (1024 x 768). Das Dayline Mi6020 von Diablo Computer kommt sogar mit 14-Zoll-Sichtfenster wie sonst nur die Oberklasse. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, zeigen die meisten Bildschirme ausreichend helle und kontrastreiche Bilder - das war vor einem Jahr noch ganz anders.

Doch TFT-Displays sind nach wie vor keine idealen Bild-erzeuger, sondern nur das Beste, was es zur Zeit gibt. So verändern sich Farben, Kontrast und Helligkeit mit dem Blickwinkel. Während Spezialfolien diese Mängel bei teuren Desktop-Displays weitgehend mildern, müssen Notebooks ohne diese auskommen, denn die Folien schlucken viel Licht, und stärkere Lampen kommen in Notebooks wegen des Energiebedarfs und der Wärmeentwicklung nicht in Frage.

An den Innereien wird gespart, um den Preis unter 3000 Mark zu drücken. In den meisten Geräten steckt nur 32-MByte-Speicher. Ärgerlich, denn damit kommt man heutzutage nicht sehr weit. Rund 200 Mark für einen weiteren 32 MByte-Riegel sollte man gleich dem Kaufpreis hinzurechnen, zumal demnächst Windows 2000 ins Haus steht. Das Overdose Polo mit 126 MByte SDRAM und das Jersey MP983 mit 64 MByte waren die löblichen Ausnahmen von der Regel.

Auch in Billig-Notebooks stecken ganz ordentliche Grafikchips. Wir fanden im Overdose II und Lion Mi6020 sogar den ATI Rage LT Pro, einer der leistungsfähigsten Bilddarsteller für Notebooks. Trotzdem sollte man sich über die 3D-Fähigkeiten keine Illusionen machen. Aktuelle 3D-Spiele ruckeln auch auf den schnellsten Notebooks. Ein Billig-Desktop mit durchschnittlicher 3D-Karte rennt den Notebooks davon. Ob deshalb kein Testkandidat mit Game-Port ausgerüstet war?

Abgesehen von den 3D-Spielen reicht die Rechenleistung eines Mobile Celeron mit 300 MHz, unterstützt vom Intel-Chipsatz 440BX und einem Durchschnittsgrafikchip, jedoch für nahezu alle Anwendungen aus.

Als Multimedia-Maschinen vermarktet, verfügen die Testgeräte über Soundchip, Lautsprecherchen und Mikrofon. Doch gab es hier mit die größten Enttäuschungen, denn die Mehrzahl der Mikrofone war nicht zu gebrauchen. Nur wenn sie wenigstens Sprache klar und deutlich aufzeichneten und die Lautsprecher dies ausreichend laut und unverzerrt wiedergaben, erteilten wir eine gute Note.

Man erkennt sie am Krach, die Billigmodelle - jedenfalls die meisten. Sieben der dreizehn Prüflinge veranstalteten mit ihrem Prozessor- oder Gehäuselüfter ein derartiges Spektakel, daß wir alle Geräte schnurstracks in unser Akustiklabor zur Geräuschmessung schickten - eine Premiere. Wer nicht auf beiden Ohren taub ist oder in einer sehr lauten Umgebung arbeitet, macht wohl lieber einen weiten Bogen um die Krachmacher. Daß es auch anders geht, zeigen die wenigen Ausnahmen im Testfeld (Acer TravelMate, Asus L7200, Compaq Armada).

Der Einsatz von Desktop-Prozessoren in Notebooks ist ein Hauptgrund für die Lärmbelästigung. Bei einem Verkaufspreis von weniger als 3000 Mark sparen die Konstrukteure eben an allen Ecken. Da liegt die Versuchung nahe, die viel billigere Desktop-CPU einzusetzen. Wegen der deutlich größeren Wärmeentwicklung muß dann ein starker Lüfter her, der - selbst wenn er temperaturgeregelt ist - fast ununterbrochen lärmt. Die Akkulaufzeit reduziert sich im Vergleich zu Modellen mit Mobil-CPU typischerweise um bis zu einem Drittel.

Daher: Finger weg von Notebooks mit Desktop-CPUs, es gibt auch in der Einstiegsklasse genügend Modelle mit stromsparenden Prozessoren. Da der Pentium mit MMX (Tillamook) in den Notebooks langsam ausstirbt - im Testfeld sind nur zwei Geräte damit bestückt, und Intel führt die Tillamooks in kommenden Preislisten überhaupt nicht mehr auf -, ist zur Zeit der Mobile Celeron um 300 MHz die CPU der Wahl: Er bietet anständige Rechenleistung bei vergleichsweise geringem Stromverbrauch.

Doch wie man die ‘Bratlinge’ von den Stromsparern unterscheidet, erschließt sich selbst dem erfahrenen Käufer nur schwer. Wer gerne schraubt, erkennt sie an der Bauform: Den Mobile Celeron gibt es nicht für den Sockel 7, sondern derzeit nur als Mobile Module (c't 14/99, S. 38). Ausnahme Gericom: Der österreichische Hersteller läßt Mobilprozessoren auf Sockel-7-Rohlinge auflöten; zu erkennen sind diese am bräunlichen TCP-Plastik auf dem Prozessorgehäuse.

Bei AMD passen dagegen sowohl Mobil- als auch Desktop-Version in einen Sockel 7. Hier empfiehlt sich ein Blick auf den Prozessor, auf dem die Core-Spannung aufgedruckt ist: 2,2 für Desktop, 1,8 für die Mobilversion. Per Software (anhand der CPU-ID) lassen sich die beiden jedoch nicht unterscheiden.

Für alle CPUs stehen die Datenblätter im Web zum Herunterladen bereit, meist als PDF-Datei. Betriebsspannung, Bauform und bei den Intel-CPUs auch die CPU-ID geben Aufschluß darüber, was im Notebook steckt. Die CPU-ID läßt sich mit unserem DOS-Meßprogramm ctcm (www.heise.de/ct/ftp) auslesen; eine Liste mit CPU-Version und zugehöriger ID plus jede Menge Information findet sich unter http://sandpile.org.

Wo es nicht möglich ist, das Notebook vor dem Kauf genauer in Augenschein zu nehmen, läßt man sich am besten schriftlich bestätigen, daß ein Mobil-Prozessor eingebaut ist. Dann besteht jedenfalls die Möglichkeit, das Notebook gegebenenfalls wegen Fehlens einer zugesicherten Eigenschaft umzutauschen.

Die Mobil-CPU allein ist freilich noch kein Garant für eine anständige Betriebsdauer. Wie lange das Notebook netzunabhängig läuft, bestimmt hauptsächlich die Kombination aus CPU- und Display-Verbrauch zusammen mit der Akkukapazität. In den Testgeräten stecken entweder Nickel-Me-tallhydrid- (Ni-MH) oder die teuren Lithiumionen-Akkus. Letztere speichern bei gleichem Volumen mehr Energie und sind robuster. Ni-MH-Akkus entladen sich mit der Zeit selbst und sollten vor einem Ladevorgang regelmäßig vollständig entladen werden.

Zum Energiesparen sind die Mobilgeräte mit APM 1.2 ausgestattet. Das Energiesparsystem erlaubt, nicht benötigten Komponenten den Strom abzudrehen, Display- und Festplatte auf Wunsch abzuschalten und das System für längere Arbeitspausen in Suspend-Modi (RAM oder Suspend-Partition auf Festplatte) zu schicken.

Übrigens sparte nicht ein einziges Notebook Energie mit Hilfe des neuen ACPI 1.0. Im Unterschied zu Desktop-PCs gibt es für Notebooks in der Tat kaum Gründe, ACPI einzusetzen: Suspend-to-Disk und Suspend-to-RAM kennen Notebook-Besitzer schon seit Jahren. ACPI verspricht im günstigsten Fall nur wenige Prozent mehr Akkulaufzeit und läuft nur auf wenigen Geräten stabil. Immerhin waren drei Geräte mit ACPI-fähigem BIOS und Komponenten ausgestattet; sie zeigten nach installiertem ACPI einige Ungereimtheiten, die jedoch die Funktionstüchtigkeit kaum verminderten (Details über ACPI ab Seite 96).

Was fehlt den 3000-Mark-Geräten, das die Oberklasse mit Preisen bei 10 000 Mark bietet? Die größeren und damit teuren Displays mit Bilddiagonalen bis 15 Zoll schlagen hier zu Buche. Weit über 1000 Mark muß man für eine größere Festplatte (bis 12 GByte) und einen schnelleren Mobilprozessor (etwa Mobile Pentium II, 400 MHz) drauflegen. Hinzu kommt die bessere Speicherausstattung, die auch ihren Preis kostet; für Notebook geeignete Low-Power-SDRAMs sind ein Vielfaches teuerer als gewöhnliche Speicherchips.

Mittel- und Oberklasse bieten noch Anschlüsse für eine Docking Station, die mit Platz für Erweiterungskarten aus dem Mobilrechner einen nahezu vollwertigen Desktop-Rechner macht. Die Oberklasse zeigt auch eine größere Modularität der Einschübe. Notebooks mit aufwendigem Design lassen dem Nutzer die Wahl, ob er einen zweiten Akku, ein DVD-Laufwerk, eine weitere Festplatte oder sogar ein magneto-optisches Lesemedium einsetzen will. In der Einstiegsklasse hat man diese Wahl meist nicht. Teure Marken-Notebooks zeichnen sich meist auch durch eine überlegte Modellpflege aus, die sicherstellt, daß der Einschub der auslaufenden Serie auch in neue Notebooks paßt.

Vor allem die No-name-Produkte der Billig-Kategorie unterscheiden sich davon erheblich. Der deutsche Distributor wählt aus dem Katalog eines meist taiwanischen Billigherstellers für das gleiche Gehäuse verschiedene Konfigurationen aus. Modellpflege ist da ein Fremdwort, auf Wunsch werden die verschiedensten Komponenten ins Notebook gestopft. So kommt es, daß einige der hier versammelten Testexemplare sich äußerlich kaum, aber in ihrem Innenleben jedoch erheblich unterscheiden.

Kein Wunder, daß es da um die Ersatzteilversorgung oft nicht gut bestellt ist, wie die bisherigen Erfahrungen zeigen. Besonders kritisch ist das bei den Akkus mit ihren modellspezifischen Bauformen. Wenn die Kapazität mit der Zeit abnimmt und man einen Ersatzakku benötigt, ist man bei den Markenherstellern meist besser aufgehoben. Unser Testfeld zeigt, daß es auch einigen von ihnen gelingt, Notebooks mit TFT-Display unter 3000 Mark anzubieten.

Die dreizehn Geräte, die wir letzten Endes auf den Prüfstand holten, waren bis auf das Compaq Armada 1500c durchweg mit Windows 98 ausgestattet. Treiber für NT 4.0 lagen in allen Kartons, ein Beweis dafür, wie beliebt das andere Windows ist - trotz des Unvermögens, mit Notebook-Eigenheiten wie Infrarot und PCMCIA umzugehen.

Wer Linux installieren will, muß sich vor dem Kauf informieren, ob für das Notebook der Wahl Treiber verfügbar sind. Dabei helfen gut gepflegte Verzeichnisse im Web. Da es auf dem Mobilmarkt eine überschaubare Zahl an Chipsätzen, Grafik- und Audiochips sowie PC-Card-Controllern gibt, sollte Linux auf den meisten hier vorgestellten Notebooks wenig Probleme bereiten.

Die ausführliche Einzelvorstellung finden Sie in der gedruckten Ausgabe. (jr)