Der blaue Club

Mit einer groß angelegten Kampagne bewirbt Intel seinen WebOutfitter Service fĂŒr den Pentium III. Der Dienst soll ‘exklusiven Zugang zu neuen Technologien’ und ‘Links zur nĂ€chsten Generation von Websites’ bieten. Doch was verbirgt sich wirklich hinter der blauen EingangstĂŒr?

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Der digitale TĂŒrsteher von Intels WebOutfitter-Dienst sperrt ungebetene GĂ€ste aus: Ein ActiveX-Control ĂŒberprĂŒft, ob der Besucher auch den Club-Ausweis - einen Pentium III - besitzt. Surfer, deren PC mit einem anderen Prozessor arbeitet, bleiben von dem Web-Angebot ausgeschlossen. Doch was bringt die Mitgliedschaft ĂŒberhaupt? Der Intel WebOutfitter umfasst verschiedene Support-Angebote, die sich vor allem an Einsteiger richten: redaktionell aufbereitete Linksammlungen, technische Anleitungen und Hilfestellungen, Verweise auf vergĂŒnstigte oder kostenlose Angebote fĂŒr Mitglieder sowie eine Download-Stelle fĂŒr Browser-Plugins.

So exklusiv, wie sich der Club gibt, sind die meisten seiner Offerten indes nicht. Beispielsweise haben WebOutfitter-Mitglieder die Möglichkeit, bei einer moderierten Live-Auktion des Internet-Auktionshauses Ricardo mit einem der ‘Starmoderatoren’ die Veranstaltung zu begleiten. UrsprĂŒnglich war dieses Angebot tatsĂ€chlich nur den Mitgliedern von Intels Club zugĂ€nglich, mittlerweile hat Ricardo es jedoch fĂŒr alle Interessenten geöffnet.

Auch viele weitere Angebote, auf die die Site verweist, stehen jedem Surfer offen - unabhĂ€ngig davon, welcher Prozessor in seinem PC werkelt. Dazu gehören die Online-Community Cybertown, die Multimedia-OberflĂ€che excitextreme fĂŒr das Portal Excite oder die Bildverarbeitung Adobe ActiveShare. Die wirklich exklusiven Offerten - unter anderem ein Discount von zehn Euro beim Online-FeinkosthĂ€ndler Giftsofcourse, diverse Bildschirmschoner oder die Möglichkeit, kostenlos Bilder aus dem Katalog von PNI MediaQuest herunterzuladen - muss man schon suchen.

Anders als die Werbung suggeriert, macht Intel das Internet nicht schneller, sondern eher langsamer: Der WebOutfitter und fast jede seiner Partnersites enthalten bandbreitenfressende Multimedia-Spielereien, die die FĂ€higkeiten des Pentium III unterstreichen sollen. Der WebOutfitter bietet eine zentrale Download-Stelle fĂŒr Plugins zur Wiedergabe solcher Multimedia-Formate. Das Programm ‘Toolkit Manager’ nimmt dem Surfer bei der Installation die Handarbeit ab. Allerdings ist der Toolkit Manager alles andere als perfekt: Er installiert etwa unter einem deutschsprachigen Windows die US-Version des RealPlayer.

Einen Teil der auf der Site angebotenen Software sendet Intel den Club-Mitgliedern auch auf der kostenlosen Toolkit-CD zu - ein sinnvolles Angebot, das hilft, die oft etliche Megabytes umfassenden Downloads und damit teure Online-Zeit zu sparen. Zu den wertvollsten Bestandteilen von Intels Dienst zĂ€hlt der Support-Bereich. Neben allgemein gehaltenen Anleitungen (‘Erste Schritte mit Ihrem neuen PC’) bietet WebOutfitter auch ein Forum, in dem die Besucher bei technischen Problemen Hilfe von Intel-Mitarbeitern erhalten. Im Unterschied zu den restlichen Bereichen, die auch in einer deutschsprachigen Version existieren, wird im Forum allerdings nur englisch gesprochen.

Online-Support fĂŒr Endkunden durch einen Hersteller von PC-Komponenten ist zwar begrĂŒĂŸenswert, doch Intels WebOutfitter-Service ist lediglich ein Marketing-Gag fĂŒr den Pentium III. Andernfalls mĂŒssten alle Prozessoren unterstĂŒtzt werden. Die ganze Aktion wirkt fast schon lĂ€cherlich, da fĂŒr jedermann zugĂ€ngliches Material als exklusive Dienstleistung dargeboten wird. Thematische Web-SpaziergĂ€nge - auch mit Multimedia-Schwerpunkten - bieten beispielsweise die Netzpiloten, Support findet man in Usenet-Newsgroups und Plugins lĂ€dt man sich von Sites wie www.plugins.de herunter oder besser gleich beim Hersteller. (jo) (jo)