Marsch durch die Institutionen

Gab es auf der letztjährigen CeBIT noch viel Aufregung um das Betriebssystem mit dem Pinguin, dürfte es dieses Jahr wohl ruhiger werden: Linux hat sich mittlerweile seinen Platz in der EDV-Welt erobert. Langweilig wird es deswegen aber nicht: Noch nie gab es auf der CeBIT so viele Linux-Exponate wie diesmal.

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Die ganz großen Sensationen zum Thema Linux werden in diesem Jahr auf der CeBIT wohl ausbleiben, viele Software- und Hardware-Anbieter haben das freie Betriebssystem inzwischen ganz selbstverständlich im Angebot. Statt Schlagzeilenträchtigem wie dem ‘SAP unterstützt Linux’ der CeBIT ’99 dürften dieses Jahr eher die konkreten Lösungen für Linux im Vordergrund stehen: Linux ist im EDV-Business zur festen Größe geworden. Die große Show im Sektor Betriebssysteme wird dieses Jahr wohl Windows 2000 gehören.

Das heißt aber nicht, dass Linux unter den Tisch fallen würde - ganz im Gegenteil: Im USA-Pavillon, seit Jahren Sammelstelle von Linux-Firmen, sponsort Linux International dieses Jahr einen eigenen Linux-Pavillon. Linux International ist der wichtigste Verband von Firmen, die sich um die Verbreitung von Linux bemühen. Jon ‘Maddog’ Hall, Direktor von LI, wird außerdem am 28. Februar zwischen 9 und 12 Uhr in Raum 15/16 des TCM-Gebäudes drei einstündige Linux-Präsentationen geben.

Alpha Processor Inc. zeigt im Linux-Pavillon Alpha-Rechner, Bee präsentiert seine Thin Clients. Mission Critical Linux engagiert sich im Bereich Linux für unternehmenskritische Server. Eine kürzlich getroffene Vereinbarung mit SGI soll die selbst entwickelten Lösungen einem größeren Kundenkreis zugänglich machen. Unklar ist noch, ob TurboLinux vertreten sein wird. Das Unternehmen hat mit enFuzion ebenfalls eine Cluster-Technologie für Business-Anwendungen im Angebot. Mit VA Linux Systems, nach Red Hat zweiter Shooting Star aus dem Linux-Lager an der Börse, präsentiert sich ein weiteres Unternehmen aus dem Bereich ‘Linux for Business’.

Enhanced Software Technologies präsentiert seine Backup-Lösung BRU. Bei LinuxCare, amerikanisches Unternehmen auf dem Weg zur Börse, kann man sich über Support, Ausbildung und Zertifizierung informieren. Mit Lunetix, Linuxland und der Linux Information Systems AG sind auch deutsche Linux-Dienstleister vor Ort. Paperware wird man bei O’Reilly, dem wichtigsten Verlag für Bücher zu Open-Source-Software, und dem Linux-Magazin finden.

Und natürlich zeigen auch die bekannten Linux-Distributoren Caldera (inklusive der Embedded-Linux-Tochter Lineo), Red Hat und SuSE im Linux-Pavillon Flagge. Red Hat wird die Professional-Version seiner Distribution vorführen, eine für den Einsatz als Internet-Server optimierte Variante von Red Hat 6.1. Auch Caldera präsentiert mit dem eServer eine Server-optimierte Variante von OpenLinux. Wahrscheinlich wird auch schon der eDesktop zu bewundern sein, die neue Version der Caldera-Distribution für Workstations.

SuSE zeigt im Linux-Pavillon die Alpha- und PowerPC-Ports der eigenen Distribution. Auf einem eigenen Stand in Halle 3 präsentiert der deutsche Distributor neben einer Vorab-Version von KDE 2 vor allem Business-Anwendungen wie Datenbanken, den eigenen IMAP-Server oder Lotus Domino - letzteres wird übrigens auch am Lotus-Stand zu sehen sein.

Damit ist der Reigen der Linux-Distributoren aber noch nicht beendet. Corel setzt dieses Jahr ganz auf Linux und wird neben der deutschen Version seines Corel Linux OS auch eine Vorab-Version des neuen Word Perfect Office für Linux zeigen. Wie Corels Distribution basiert auch das Storm Linux 2000 von Stormix auf der Debian-Distribution.

VMWare führt am SuSE-Stand die neue Version 2.0 seines PC-Emulators vor, mit dem andere Betriebssysteme (etwa die verschiedenen Windows-Varianten) unter Linux laufen. Applix will die neue Version 5.0 seiner Office-Suite ApplixWare zeigen. Größte Neuerung gegenüber der Vorversion ist der Einsatz des Gtk-Toolkits, das den Programmen des Pakets eine modernere Optik verleiht, sowie die bessere Integration in die verbreiteten Desktops KDE und Gnome.

Natürlich gibt es auch bei den großen EDV-Firmen reichlich Linux zu sehen. IBM demonstriert Linux auf seiner Intel-Hardwarepalette vom Notebook ThinkPad bis zum Netfinity-Server. Außerdem will man einen Thin Client unter Linux vorführen, der über einen ICA-Client auch Windows-Anwendungen einsetzen kann. Auf der Softwareseite zeigt IBM seine Datenbank DB2, Workspace On Demand sowie am Lotus-Stand Domino für Linux. SGI hat den Quellcode seiner OpenGL-Beispielimplementierung veröffentlicht, sodass es jetzt möglich wird, Hardware-beschleunigtes OpenGL in XFree86 zu integrieren. Auf der CeBIT wird man Linux sowohl auf Servern als auch auf Workstations zeigen.

Compaq präsentiert den Thin Client T1500. Im Serverbereich will das Unternehmen Linux vor allem auf Alpha-Servern vorführen; im Intel-Lager dürfte Windows 2000 dominieren. Intel-PCs mit Linux findet man bei Vobis: Vobis-Kunden haben zukünftig die Wahl zwischen Windows und Corel Linux.

Ansonsten verteilen sich die Linux-Exponate quer über alle Kategorien. Datenbankhersteller wie Oracle oder Informix führen selbstverständlich auch die Linux-Versionen ihrer Produkte vor. Bei ISKA findet man ein CAD-Programm. Andere Hersteller zeigen beispielsweise E-Commerce-Lösungen (OpenShop, Intradat) und Entwicklungstools für Websites (Magic Software), Virenchecker für Mail- und Fileserver (Command Software) oder Druckertreiber (Minolta).

Ein breites Spektrum von Anwendungen findet man am Stand der Softline AG. Die Palette reicht vom Webserver ColdFusion über die Entwicklungsumgebung CodeWarrior bis zum Statistikpaket S-Plus. Auch Computer Associates präsentiert eine Vielzahl an Linux-Programmen, darunter die System- und Netzwerkmanagement-Lösung Unicenter.

Wer bei all den Linux-Anwendungen nach Support, Beratung oder Schulung sucht, geht ebenfalls nicht leer aus: Nicht nur die bekannten Distributoren, sondern auch Firmen wie ID-Pro aus Bonn oder innominate aus Berlin bieten verschiedenste Dienstleitungen rund um Linux - bis hin zum vorkonfigurierten Server.

Auch zu dem neuen Boom-Thema Embedded Linux dürfte es einiges zu entdecken geben. Mit dem aktuellen Embedix 1.0 von Lineo und dem gerade vorgestellten Hard Hat Linux von Monta Vista (leider wohl nicht selbst auf der CeBIT) stehen gleich zwei Linux-Versionen für Embedded Systems bereit. Embedix ist eine Linux-2.2-Version für Embedded Systems, die mit einem Speicher von 8 MByte RAM und 3 MByte ROM oder Flash-Speicher auskommt. Besonders interessant ist die bereits angekündigte Variante Embedix PDA, die ein spezielles API zum leichten Portieren von Windows-CE-Anwendungen enthält. Hard Hat Linux soll sogar noch mit einem halben Megabyte Speicher auskommen und läuft zurzeit auf Intel- und PowerPC-Prozessoren.

Aber auch fertige Produkte werden schon zu finden sein, etwa ein Linux-basiertes Webpad bei Infomatec oder die Netzwerkkamera AXIS 2100 mit integriertem Webserver von AXIS Communications. Schließlich präsentiert die Fachhochschule Fulda umfangreiche Messungen zum Echtzeitverhalten von RTLinux. RTLinux zielt zwar in erster Linie auf den Bereich Messen und Steuern, eignet sich aufgrund seiner Echtzeitfähigkeit aber ebenfalls für Embedded Systems. (odi)

Minolta: Halle 1, Stand 3o1
Compaq: Halle 1, Stand 4h2
SGI: Halle 1, Stand 6a2
IBM: Halle 2, Stand D28

Lotus: Halle 2, Stand C38
Corel: Halle 2, Stand C28
Computer Associates: Halle 3, Stand B39
Infomatec: Halle 3, Stand E04
SuSE: Halle 3, Stand E45 und Halle 6, Stand F20
VMWare: Halle 3, Stand E45
Intradat: Halle 3, E45
Softline AG: Halle 4, Stand B12
ID-Pro: Halle 4, Stand E32
Applix: Halle 5, Stand D03
innominate: Halle 5, Stand E05
Command Software: Halle 6, Stand F20
Magic Software: Halle 6, Stand C32

OpenShop: Halle 6, Stand D31
Linux-Pavillon: Halle 6, Stand F20
Linux International: Halle 6, Stand F20
Caldera: Halle 6, Stand F20
Red Hat: Halle 6, Stand F20
Lineo: Halle 6, Stand F20
Stormix: Halle 6, Stand G17
AXIS Communications: Halle 11, Stand G61
Vobis: Halle 13, Stand C70
LinuxTag: Halle 16, Stand B43
ISKA: Halle 21, Stand E58 (odi)