Voodoo 4 und 5 kommen
Nvidias Konkurrenten dürften schon GeForce-Gegenspieler in Arbeit haben, aber bisher halten sie sich - S3 ausgenommen - mit Ankündigungen oder Produkten recht bedeckt. 3Dfx will die Gunst der Stunde nutzen und mit den ersten Voodoo-4/5-Prototypen auf der CeBIT Furore machen.
- Manfred Bertuch
Früher als erwartet will 3Dfx seinen neuen 3D-Chip VSA-100 in Aktion zeigen. Bis zum Redaktionsschluss war aber noch nicht hundertprozentig sicher, dass die Demonstration öffentlich und nicht nur ‘hinter dem Vorhang’ für das Fachpublikum stattfindet. Gleichfalls ist noch offen, ob auch das Flaggschiff Voodoo 5 6000 mit vier parallel arbeitenden VSA-100-Chips vorführreif sein wird. Das einzig Sichere ist, dass man mittels Spiele- und T-Buffer-Demos die Leistung und die speziellen Funktionen (Szenen-Antialiasing, Soft-Shadows, Tiefen- und Bewegungsunschärfe) der Voodoo-4- beziehungsweise Voodoo-5-Karte (ein respektive zwei oder vier VSA-100) in der Praxis zeigen will. Auch Liefertermine und Preise für den deutschen Markt will man erst auf der CeBIT nennen. Lara-Croft-Fans haben übrigens am Freitag nachmittag ab 14.00 Uhr bei 3Dfx Gelegenheit, die Heroine live zu treffen.
Bei Diamond/S3 wird die Viper II mit dem 3D-Chip Savage 2000 das Messe-Highlight sein. Der Baustein war bereits im Sommer letzten Jahres als GeForce-256-Konkurrent angekündigt und soll wie jener dank seiner T&L-Beschleunigung (Transformation and Lighting) mehr Details darstellen können. Diamond liefert die Viper II inzwischen an den Handel aus (mehr über die Viper II im nächsten Heft). Voraussichtlich wird man erstmalig OpenGL-Spiele mit T&L-Beschleunigung zeigen können, während der DirectX-7.0-Treiber nach wie vor ohne diese auskommen muss. Im Chip vorhandene Bugs sind offenbar so schwerwiegend, dass man für DirectX keine praktikablen Workarounds zu Wege bringt. Auch die OpenGL-Leistung bleibt deutlich hinter der des GeForce 256 zurück, ein für den Sommer geplanter Nachfolger des Savage 2000 soll aber mit dem Nvidia-Chip mithalten können. Dann will man nicht nur eine funktionierende T&L-Engine vorweisen, sondern dank 0,18-µm-Prozess auch Taktraten bis 183 oder 200 MHz beherrschen. Weitere Themen bei Diamond/S3 sind natürlich das Web-Pad mit Transmeta-Prozessor, die RIO-MP3-Geräteserie und die VIA-Northbridge ‘Savage MB’ mit integriertem Grafikchip. Professionelle Grafiklösungen zeigt Diamond in Halle 21.
Produktpflege
Außer bei 3Dfx und Diamond/S3 wird man auf der CeBIT kaum neue 3D-Hardware ausfindig machen: Nvidia arbeitet zwar mit Hochdruck an neuen Chips, so etwa einer mobilen Ausführung des GeForce 256 (NV11) und einer weiterentwickelten Version mit höheren Taktraten und zusätzlichen Funktionen (NV15). Der diesmal etwas frühere Messetermin wird die Präsentation neuer Bausteine wohl verhindern. Auch ATI und Matrox werden ihre nächste Generation frühestens im Sommer vorstellen.
Die Mehrzahl der Hersteller beschränkt sich daher auf Erweiterungen oder Verbesserungen. ATI kann mit seiner TV-/Video-In-/Grafikkarten-Kombination All-in-Wonder 128 Pro ‘Time Shifted Viewing’ demonstrieren: Das Board mit integriertem TV-Tuner ist in der Lage, TV und Video mit voller PAL-Auflösung im MPEG-2-Format aufzuzeichnen und noch während der laufenden Aufzeichnung die Wiedergabe zu starten. Die Funktionen kommen sich nicht ins Gehege, da ein Software-Kompressor die Aufzeichnung bewerkstelligt, während die Wiedergabe-Dekodierung fast vollständig auf dem Grafikchip (IDCT und Motion Compensation) abläuft. Ebenfalls interessant ist die TV-Tuner-Karte ‘TV-Wonder PCI’ mit einer MPEG-1-Editing-Software von Ulead sowie erste Notebook-Designs mit dem Mobility 128. Die bisher geplante MPEG-2-Video-Encoder-Karte ‘Video-Wonder’ wird es nun doch nicht geben.
Elsa zeigt ihre bekannten Karten Erazor X und Erazor X2 sowie die Stereo-Brille ‘3D Revelator’. Für letztere gibt es jetzt einen Treiber, der räumliches Betrachten bestimmter Webseiten ermöglicht. Ein weiterer, noch im Beta-Stadium befindlicher Treiber verhilft nun auch bei OpenGL-Spielen zu räumlichen Einsichten. Besitzer älterer Mainboards ohne AGP werden sich über die Erazor X in PCI-Ausführung freuen. In Halle 21 präsentiert Elsa die Gloria II mit Nvidias Quadro sowie NT-Mehrschirmlösungen mit der PCI-Version der Synergy II und dem 3D-Chip TNT2.
Nicht zu übersehen ist der starke Zuspruch, den Nvidias 3D-Chips bei den Herstellern aus Fernost erfahren. Sehr häufig hat man auch die leistungsstarke DDR-DRAM-Version des GeForce im Programm, wie etwa beim Multimedia-Spezialist Anubis mit der ‘Typhoon Silver Crest Matrix 256 Pro AGP’. Creative Labs, bislang günstigster Anbieter dieser schnelleren GeForce-Variante, wird die Taiwan-Konkurrenz zu spüren bekommen. Ein weiterer Schwerpunkt bei Anubis sind Dolby-5.1-Audio-Decoder und Boxen.
GeForce-Schwemme
GeForce-256-Karten findet man ebenso bei Asus (V6600/6800) und Leadtek (WinFast GeForce 256 DDR). Gainward kommt mit der CardExpert GeForce 256 DDR. Neben Asus erweitern auch andere Mainboard-Hersteller ihr Geschäft mit Grafikkarten und setzen auf Nvidia-Chips. So zum Beispiel AOpen mit der TNT2-Ultra-Karte PA3020 Pro und Abit mit der Silura-Produktlinie (TNT2 und GeForce 256). Schließlich präsentiert Gigabyte Boards mit TNT2 Pro und GeForce 256, die einen zweiten Kühlkörper auf der Rückseite besitzen (GA-660Plus und GA-GF2560). Zusätzlich will man Grafikkarten mit Matrox’ G400 sowie S3s Savage 2000 anbieten (GA-MG400 und GA-SV2000). (ea)
3Dfx: Halle 9, Stand D36
Abit: Halle 13, Stand A51
Anubis: Halle 13, Stand B18
AOpen: Halle 13, Stand F51
Asus: Halle 13, Stand B52
ATI: Halle 9, Stand C53
Creative Labs: Halle 9, Stand D72
Diamond/S3: Halle 9, Stand C54 und Halle 21, Stand A43
Elsa: Halle 9, Stand C62 und Halle 21, Stand D24
Gainward: Halle 9, Stand E26
Gigabyte: Halle 13, Stand F13
Leadtek: Halle 9, Stand C36
(ea)