Virtuelle Kanäle

VIA bietet seit geraumer Zeit mehrere Chipsätze für Pentium- und Athlon-Prozessoren an, die PC133-Speichermodule unterstützen. Diese arbeiten bei 133 MHz Taktfrequenz mit einer um ein Drittel höheren Taktfrequenz als Speichermodule, die der PC100-Spezifikation entsprechen.

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PC133-SDRAM-DIMMs bieten eine theoretische maximale Datenübertragungsrate von 1,066 GByte pro Sekunde (PC100: 800 MByte/s). Allerdings wird diese Transferrate wegen allfälliger Latenzzeiten für die Adressierung und nötiger Refresh-Intervalle nie erreicht. Die Latenzzeiten CAS Latency (CL), RAS-to-CAS-Delay (TRCD) und RAS Precharge Time (TRP) können jeweils Werte von zwei oder drei Taktzyklen annehmen; ein solcher Taktschritt dauert bei PC100 10 ns, bei PC133 7,5 ns.

Während PC100-Module schon seit längerem in der Geschwindigkeitsklasse PC100-222 verfügbar sind (CL, TRCD und TRP), gab es bislang nur PC133-333-DIMMs. Diese bieten im Vergleich PC100-222-Speicherriegeln nur relativ geringe Geschwindigkeitsvorteile.

Die US-Firma Crucial, eine Tochter der Chipschmiede Micron, liefert jetzt PC133-233-Module - leider nur in den USA. Deutsche Kunden können sich solche Module per Web bei der europäischen Niederlassung in Schottland beschaffen: Unter http://www.crucial.com/uk gibt es einen Online-Shop, der 64-MByte-PC133-233-Module (CT8M64S4D7E) für rund 46 Britische Pfund anbietet. Inklusive der UPS-Express-Versandkosten von 11 Pfund entspricht dies einem Preis von rund 183 Mark (stand 12. 5. 2000).

Andere Speicherhersteller zögern noch mit der Einführung schnellerer PC133-Module; der Markt sei nicht bereit, dafür einen angemessenen Aufpreis zu zahlen. Es wird jedoch erwartet, dass sich dies mit der bevorstehenden Einführung des ersten Intel-Chipsatzes mit PC133-Unterstützung, dem i815 ‘Solano’, sehr bald ändert.

Ein anderer Speichertyp bietet auf gängigen Mainboards die Möglichkeit, als PC133-322-Modul zu laufen. Es handelt sich um die HSDRAM-Module der US-Firma Enhanced Memory Systems (EMS), eines Tochterunternehmens von Ramtron. Diese Firma hatte Anfang der 90-er Jahre einen DRAM-Typ namens EDRAM entwickelt, der mit integrierten SRAM-Cache-Zellen den Speicherzugriff beschleunigte. HSDRAM nutzt dasselbe Prinzip in Verbindung mit SDRAM und läuft in allen SDRAM-Mainboards. Die meisten Vorteile bringt dieser Speichertyp allerdings in Verbindung mit Chipsätzen, die explizit dafür geeignet sind. Das sind wiederum die aktuellen VIA-Bausteine, aber auch einige Produkte von SiS und ALi. Auf bestimmten Mainboards sollen HSDRAM-DIMMs sogar stabil in der Betriebsart PC133-222 funktionieren - doch bleibt dies bislang nordamerikanischen Kunden vorbehalten. Während EMS die Speicherriegel hierzulande gar nicht erst anbietet, verkauft das Unternehmen sie in den USA Online unter http://www.pc133memory.com/. Ein 64-MByte-PC133-322-Modul kostet dort 84 US-Dollar, also ohne Zoll, Mehrwertsteuer und Transportkosten rund 183 Mark.

In Deutschland gelangen mittlerweile die ersten Virtual-Channel-SDRAM-Module in den Handel (VC-SDRAM). Ebenso wie HSDRAM nutzt der Halbleiterhersteller NEC internen Cache-Speicher zur Verringerung der Latenzzeiten beim Zugriff. Anders als HSDRAM laufen VC-SDRAM-Module nur auf Mainboards mit passenden Chipsätzen, die wiederum derzeit nur VIA anbietet.

Nach unseren Messungen bringen VC-SDRAM-Module gegenüber normalen PC133-DIMMs nur geringe Leistungsvorteile im Bereich unter zehn Prozent. Im Vergleich dazu sind die Verkaufspreise recht hoch. Ein 64-MByte-VC-SDRAM-DIMM soll zwischen 350 und 500 Mark kosten. Ein Händler, der VC-SDRAM-Module an Endkunden liefert, ist uns bislang nicht bekannt. (ciw) (ciw)