Aussteigen und einsteigen
FrĂŒhjahr 2000 - Deutschland im Börsenfieber. In Insider-Kreisen spricht man despektierlich von âHausfrauen-Hausseâ, âBildâ titelt âGeld-Rauschâ und malt aus, wie spekulationsgeschĂŒttelte Eltern erbarmungslos die SparbĂŒcher ihrer Kinder plĂŒndern. Zwar sind seither die hochgejubelten Börsenkurse heftig in den Keller gerutscht, und manch Jung-Spekulant hat eine eiskalte Baisse-Dusche erhalten. Nichtsdestoweniger dĂŒrfte das Potenzial möglicher Anleger noch lange nicht ausgereizt sein. Das scheinen die Geldinstitute auch so zu sehen, denn immer mehr von ihnen beginnen, ihr Online-Brokerage-Angebot auf- und auszubauen.
- Adolf Ebeling
- Jörg Birkelbach
- Erich Kramer
Dank Internet ist der Zugang zu den HandelsmĂ€rkten fĂŒr Otto und Ottilie Normalanleger einfach und durchschaubar geworden. Den ersten Schritt in diese Richtung haben vor wenigen Jahren (Online-)Direkt-Broker getan, deren Devise lautete: Wir geben zwar keine Beratung, dafĂŒr aber arbeiten wir direkt, transparent, schnell und preiswert. Dies brachte dem Kunden eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zur gebrĂ€uchlichen teuren und langatmigen Verfahrensweise der Filialbanken. Enorme Wachstumsraten bei den Discount-Brokern waren die Folge: Beispielsweise verzeichnet Comdirect innerhalb des letzten Jahres eine Zunahme der Gesamtkundenzahl von 220 000 auf 546 000. Consors vermeldet mit derzeit konzernweit 449 000 Kunden mehr als eine Verdopplung gegenĂŒber 1999. Die Direkt Anlage Bank kommt Mitte 2000 auf 293 000 Kundendepots - eine Verdreifachung im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. Insgesamt gibt es in Deutschland zurzeit mehr als 1,5 Millionen Online-Depots. Laut einer Studie der US-Investmentbank J.P. Morgan könnte diese Zahl Ende 2000 auf 1,8 Millionen und bis 2003 auf 5,2 Millionen steigen [1].
Allerdings haben sich die Discount-Broker nicht - wie MĂŒnchhausen an den eigenen Haaren - selbst die Erfolgsleiter hinaufgezogen. Sie kamen zum einen gerade recht, um der Generation der Erben zeitgemĂ€Ăe Maklerdienste zu offerieren, zeitgleich entwickelte sich ein Finanzmarkt mit Gewinn bringenden Produkten, an dem sich mehr und vor allen Dingen schneller Geld verdienen lieĂ als an den traditionellen BörsenplĂ€tzen. Den NĂ€hrboden fĂŒr solche lukrativen Investitionen hat eine FirmengrĂŒndungswelle vorbereitet, die pĂŒnktlich zum Fin de SiĂšcle ansetzte. Die GrĂŒnder brauchten nicht nur Ideen und Tatkraft, sondern vor allem Kapital, um ihre hoch gesteckten Ziele umzusetzen. Das sollte nicht wie ĂŒblich ĂŒber Bankkredite, sondern nach dem Vorbild aller High-Tech-Börsen, der US-amerikanischen Nasdaq, ĂŒber die Ausgabe von Aktien aufgenommen werden. Die Deutsche Börse AG in Frankfurt reagierte prompt und schneiderte eigens ein Marktsegment fĂŒr die aufkeimende âNew Economyâ zurecht: den âNeuen Marktâ. Wie gewĂŒnscht, tat er das Seine, einen Aktienboom par excellence zu entfachen.
Einsteigen ...
Der Handel an der deutschen Wachstumsbörse begann am 10. MĂ€rz 1997 mit den beiden Werten Mobilcom und Bertrandt. Drei Jahre spĂ€ter, im Juli 2000, wurde das dreihundertste Unternehmen gelistet. Allein von Jahresbeginn bis Mitte 2000 gab es 99 BörsengĂ€nge. Nach Angaben der Deutschen Börse AG finden am Frankfurter Handelsplatz rund 90 Prozent aller BörsengĂ€nge im Neuen Markt statt. Doch nicht allein die Zahl der aufgenommenen Firmen gehört zu den Rekordergebnissen, die mit dem Wachstumsmarkt verbunden sind, vielmehr sind es die Meldungen ĂŒber atemberaubende Kursanstiege, darunter natĂŒrlich die Erfolgsgeschichte, geschrieben von der Firma EM.TV. 1997 als zwölftes Unternehmen an den Neuen Markt gekommen, erreichte die Filmhandels- und Produktionsfirma bis MĂ€rz 2000 eine Wertsteigerung von fast 20 000 Prozent.
Ăberhaupt funktionierte der Neue Markt zeitweise geradezu als scheinbar kinderleicht zu bedienende Geldmaschine: Man musste nur zeichnen; gleich welches Papier, ein Gewinn schien garantiert - Zeichnungsgewinne von mehreren hundert Prozent waren keine Seltenheit. Und so signalisierte das Barometer des Marktes, der Nemax-All-Share-Performance-Index, fast durchweg Sonnenschein, wĂ€hrend er von 873 Punkten (12. 11. 1997) auf ein grandioses Allzeithoch von 8559 Punkten (10. 3. 2000) stieg.
Der rechte Moment also, eine Nachfragehysterie nach Neuemissionen ohnegleichen auszulösen. Profitiert davon haben die BörsengĂ€nge zweier bis dahin defizitĂ€rer Abteilungen groĂer deutscher Konzerne: an der Frankfurter Wertpapierbörse zum einen am 13. MĂ€rz 2000 Infineon, eine Halbleitersparte der Siemens AG und zum Zweiten am Neuen Markt einen Monat spĂ€ter, am 17. April, der Telekom-Ableger T-Online. Dieses Papier verzeichnete am ersten Börsentag rund 984 000 Orders (Infineon: 865 000) und mauserte sich zur meistgehandelten Aktie der deutschen Börsengeschichte. Dass bei dem Ansturm Online-Broker technisch ganz tief in die Knie gingen und ihre Kundschaft vielfach zu Zukurzgekommenen machten, trĂŒbte allenfalls ein wenig die allgemeine Frohstimmung.
SpĂ€testens zu diesem Zeitpunkt dĂŒrfte Aktienanlegen zum Volkssport geworden sein. Jedenfalls sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache: Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts gibt es zurzeit rund 11,32 Millionen AktionĂ€re in Deutschland, das sind etwa 17,7 Prozent der Gesamtbevölkerung ĂŒber 14 Jahren. Vor drei Jahren lag die Zahl der Aktienbesitzer bei 3,92 Millionen. Verglichen mit LĂ€ndern wie GroĂbritannien, Schweden oder den USA besteht hier zu Lande noch reichlich Nachholbedarf - schöne Aussichten fĂŒrs Online-GeschĂ€ft bei momentan ĂŒber 13 Millionen Internetnutzern in Deutschland. Deren Interesse an FinanzgeschĂ€ften ist belegt: Nach der neuesten Studie zu âFinanzdienstleitungen im Internetâ von Fittkau und MaaĂ vom Juli 2000 liegt Online-Banking und Brokerage voll im Trend. Rund 76 Prozent der Befragten wollen Online-KontofĂŒhrung nutzen und rund 53 Prozent interessieren sich fĂŒr das Online-Brokerage.
... und umsteigen
âSell in May and go awayâ, spötteln Eingeweihte. Doch im FrĂŒhjahr 2000 verdĂŒsterte sich an den deutschen Börsen der bis dahin heitere Himmel schon zwei Monate frĂŒher. Ganz schlimm erwischte es den Neuen Markt, wo sich der Kaufrausch abrupt in eine Verkaufspanik wandelte: Es ging steil bergab mit den Kursen, sie fielen im Durchschnitt um ĂŒber 40 %; viele Novizen mussten erstmals erleben, was es heiĂt, dass die Börse keine EinbahnstraĂe ist. Und jene Analysten, die ĂŒber zwei Jahre lang das âKaufen, Kaufen, Kaufen!â propagiert hatten, wedelten nun mit âTodeslistenâ von gefĂ€hrdeten Internetunternehmen, sahen bei ihnen ernste LiquiditĂ€tsprobleme und brachten reichlich Unsicherheit in die Anlegergemeinde, wĂ€hrend abgebrĂŒhte Zocker munter in die Papiere der vermeintlich bankrotten Unternehmen investierten und deren Kurse teilweise wieder zum Ansteigen brachten. Erst jetzt wurde vielen jĂ€h bewusst, dass so mancher Kaiser keiner war und zudem noch nackt dastand. Wie aufs Stichwort tauchten Studien auf, die belegten, dass die Mehrheit der jungen Online-Unternehmen kaum jemals profitabel sein wĂŒrde - misstrauisch registrierte man auf einmal die anwachsende Zahl von Dot-com-Firmen-Pleiten in den USA.
Ade schöne Zeiten, in denen an den Geldbasaren allein die Aussicht auf fantastische Gewinne ausreichte, Investoren in Scharen anzulocken. Nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, sieht die Schutzgemeinschaft der KleinaktionĂ€re (SdK) die aufkeimende Aktienkultur bereits gefĂ€hrdet. Privatinvestoren nehmen die Aktienempfehlungen von Banken derzeit mit einer gewissen Vorsicht auf, waren die Anleger doch - den ĂŒberwiegend optimistischen EinschĂ€tzungen blind vertrauend - ohne Vorwarnung der Institute vom Klimawechsel an den Börsen ĂŒberrascht worden. Dabei hatten Zeitschriften wie Stern und Spiegel frĂŒhzeitig dubiose GeschĂ€fte am Neuen Markt aufs Korn genommen, und Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DWS) prophezeite im September 1999: âSchon im nĂ€chsten FrĂŒhjahr werden viele Seifenblasen platzenâ [2].
Schlechte Zeiten sind zugleich gute Zeiten an der Börse - zum Anlegen. Denn schlieĂlich sorgt der Kursrutsch dafĂŒr, dass manches SchĂ€tzchen am Markt so preiswert wie lange nicht geworden ist. Ohnehin gilt auch an der Börse Herbert Wehners Satz, mit dem er weiland den Auszug von Abgeordneten quittierte: âWer rausgeht, muss auch wieder reinkommen!â oder in Erweiterung der Mai-Regel: âSell in May ... but remember be back in September.â
Wie die Profis
Den immer noch steigenden Zuwachs an Privatinvestoren will sich natĂŒrlich kein Institut entgehen lassen, so wird in der Bankenszene fieberhaft am Ausbau des Online-Brokerage-Angebots gearbeitet. Consors etwa hat seinen Personalstand von 650 (Ende 1999) auf rund 1100 Mitarbeiter, Comdirect von 695 (Mitte 1999) auf nunmehr 1334 aufgestockt [3].
Mit dem Internet nimmt ein StĂŒckchen mehr Demokratie an der Wall Street Einzug, schrieb vor Jahren die US-Zeitschrift Wired. SelbstverstĂ€ndlich sollte das genauso fĂŒr die hiesigen VerhĂ€ltnisse gelten - der Kleinanleger jedenfalls erwartet, beim Internet-Broking Bedingungen vorzufinden, die vormals nur professionellen Spekulanten vorbehalten waren. Zuallererst wĂŒnscht er bessere Konditionen als beim TresengeschĂ€ft. Zum Zweiten die schnelle AusfĂŒhrung der Orders, sofortige RĂŒckmeldung eines erfolgreichen Abschlusses sowie Aktualisierung des Depots. Zum Dritten ein umfassendes wie aktuelles Kursangebot, verbunden mit Kurz- und Langzeitcharts. Zum Vierten ein zuverlĂ€ssig erreichbares System. Und natĂŒrlich spielt der Punkt Sicherheit eine groĂe Rolle, gerade in einem offenen Netz wie dem Internet.
Unter diesen Gesichtspunkten haben wir uns die wichtigsten Online-Broker angeschaut, darunter die bekannten Discounter Direkt Anlage Bank, Comdirect, Consors, Brokerage 24 (Deutsche Bank), 1822direkt, Advance Bank, Entrium (ehemals Quelle-Bank) und Netbank sowie Neueinsteiger wie Fimatex und Pulsiv.com. Die groĂen Privatbanken wie Citibank, Commerzbank, Dresdner Bank oder HypoVereinsbank mischen gleichfalls mit im Online-GeschĂ€ft, und last, but not least, haben die Zeichen der Zeit auch Sparkassen und Volksbanken erkannt, von denen wir Vertreter quer ĂŒber die Republik berĂŒcksichtigt haben.
Depoteröffnung
Wer glaubt, ein Online-Konto lieĂe sich mal eben schnell ĂŒbers Netz eröffnen, der irrt. Noch besteht in Deutschland, anders als in den USA, keine rechtliche Gleichstellung der digitalen mit der handschriftlichen Signatur, also muss der ĂŒbliche Weg ĂŒber das Unterschreiben von Eröffnungsunterlagen gewĂ€hlt werden. Immerhin gibt es einen ersten Schritt in Richtung einer âechtenâ Online-Eröffnung, indem ein Konto zumindest vorlĂ€ufig ĂŒbers Netz eingerichtet werden kann. Die erforderlichen Formulare lassen sich entweder direkt ausdrucken oder werden per Post geschickt. Sie mĂŒssen unterschrieben und zurĂŒckgesandt werden, um das ErtrĂ€gniskonto samt Depot (Aufbewahrung der Wertpapiere) endgĂŒltig freizuschalten.
Doch vorher muss sich die Bank - nach dem Wertpapierhandelsgesetz - Auskunft vom Kunden ĂŒber dessen Erfahrung mit RisikogeschĂ€ften geben lassen. Dazu gibt es eine Einteilung in 5 Risikoklassen, die vom Bundesschatzbrief (Klasse 1) bis zu Optionen (Klasse 5) reicht. Damit sichert sich die Bank ab: Falls ein blutiger AnfĂ€nger mit beispielsweise spekulativen auĂereuropĂ€ischen Papieren Schiffbruch erleidet, braucht sie nicht zu haften, wenn sich dieser Kunde selbst in Risikoklasse 4 eingestuft hat.
Die notwendige Legitimation erfolgt ĂŒber das so genannte Postident-Verfahren, das heiĂt, der Kunde muss bei Abgabe der Unterlagen in einer Postfiliale per Ausweis und Unterschrift seine IdentitĂ€t auf einem speziellen Formblatt bescheinigen lassen. Die endgĂŒltigen Kontounterlagen kommen anschlieĂend auf dem Postwege. Insgesamt kann sich die Prozedur bis zu mehreren Wochen hinziehen.
Ist endlich das Depot eingerichtet, darf gehandelt werden - Wertpapiere aller Art. Jedenfalls offerieren alle Institute ein volles Sortiment, das ĂŒber Aktien hinausreicht. AuĂer bei der Berliner Volksbank und der HypoVereinsbank lassen sich ĂŒberall Anleihen und Fonds (Netbank nur Anleihen) kaufen und verkaufen. Die Mehrzahl der Broker betreibt des Weiteren das GeschĂ€ft mit Optionsscheinen; aber nur fĂŒnf Broker auch mit Optionen, nĂ€mlich Entrium, Advance Bank, Fimatex, Citibank und Consors.
Anleger, die mit Nicht-Windows-Betriebssystemen arbeiten, sollten in der Tabelle genau hinschauen, denn nur rund ein Drittel der Institute lÀsst sich auch noch mit Mac OS, Linux oder OS/2 ansteuern.
Konditionen
Der entscheidende Punkt fĂŒr die Wahl eines Online-Brokers dĂŒrfte die Preisfrage sein. Wir haben dazu jeweils die GebĂŒhren fĂŒr Konto- und DepotfĂŒhrung abgefragt, ferner die BetrĂ€ge pro Buchung, pro Ănderung/Streichung einer Order, fĂŒr NichtausfĂŒhrung einer Emissionszeichnung sowie die Transaktionskosten fĂŒr eine Order von Aktien im Wert von 5000 DM.
Was die KontofĂŒhrung betrifft, so erheben die meisten Institute keine GebĂŒhr; bei Consors betrĂ€gt sie 1 DM pro Monat, die Kreissparkasse Köln sowie Stadtsparkasse MĂŒnchen verlangen 5 DM pro Monat, bei der HypoVereinsbank kostet der Service 8,40 DM, bei der Dresdner Bank 12 DM und bei der Commerzbank 12,50 DM. Citibank und BfG Bank bieten Nulltarif nur bei einer Geldanlage von 5000 beziehungsweise 2000 DM Zahlungseingang pro Monat.
Vor möglichen Gewinnen stehen erst mal die Transaktionskosten. Es lohnt sich, darauf zu achten, wer wie viel verlangt. Am preiswertesten ist die Order von beispielsweise Telekom-Aktien fĂŒr 5000 DM bei der Netbank, exakt 14,67 DM - wenn man ein Konto mit Gehaltseingang fĂŒhrt, andernfalls sind 24,45 DM fĂ€llig. Mithalten kann Fimatex, hier kostet die gleiche Order 15,65 DM. Knapp unter 20 DM zahlt man bei Consors, Entrium, Pulsiv.com und - man staune - bei der Stadtsparkasse DĂŒsseldorf. WĂ€hrend das Gros der Banken im Order-Kostenbereich zwischen 20 und 35 DM liegt, verlangt die Frankfurter Sparkasse 40 DM, die Stadtsparkasse MĂŒnchen schlĂ€gt noch mal 2,50 DM drauf, und die Commerzbank schlieĂlich zieht stolze 50 DM ab.
Nicht uninteressant fĂŒr Neuzeichner: Bei der Direkt Anlage Bank kostet die NichtausfĂŒhrung 5,01 DM, wĂ€hrend die Net-bank mit 7,82 DM, die Berliner Volksbank mit 10 DM, die Stadtsparkasse Dortmund mit 20 DM und die Nassauische Sparkasse gar mit 19,56 DM GebĂŒhr zulangt; alle anderen Banken wollen fĂŒr diesen Service nichts. Zu bedenken ist ĂŒberdies, dass man als Kunde bei Discount-Brokern oder kleineren privaten Instituten kaum Chancen auf eine Zuteilung hat, da zumeist GroĂbanken als Konsortialbanken fungieren - 1999 beispielsweise in 76 Prozent aller FĂ€lle.
UnschlĂŒssige, die gern streichen oder Ă€ndern, sollten sich die Allgemeine Deutsche Direktbank, Pulsiv.com, die Kreissparkasse Köln, Citibank und Direkt Anlage Bank merken, hier ist solches nĂ€mlich kostenfrei; die restlichen Banken fordern BetrĂ€ge zwischen 5 und 10 DM.
Ăber alle in Frage kommenden Kosten beziehungsweise Gutschriften (Zinsen fĂŒr das Depotverrechnungskonto) vergleichen lassen sich die Institute anhand von Jahreskosten, ermittelt mit Hilfe eines Fallbeispiels. Dazu haben wir folgendes Szenario entwickelt: Ein durchschnittlich aktiver Kunde unterhĂ€lt ein Depot mit einer Anlagesumme von 30 000 DM. Auf dem Konto finden im Jahr 30 Transaktionen ĂŒber die Frankfurter Börse statt, davon 15-mal direkt ĂŒber das elektronische System Xetra und 15-mal ĂŒbers Parkett. Dazu kommen 5 OrderĂ€nderungen, 5 Streichungen, ferner der Preis fĂŒr die ausgefĂŒhrte Zeichnung einer Neuemission (zu 3000 DM) sowie Kosten fĂŒr 5 nichtausgefĂŒhrte Zeichnungen. SchlieĂlich gehen 20 Kontobuchungen pro Jahr sowie Jahreskosten fĂŒr die KontofĂŒhrung und jĂ€hrliche Guthabenzinsen fĂŒr 2000 DM in die Rechnung ein.
Die Unterschiede in den Gesamtkosten pro Jahr erweisen sich als betrĂ€chtlich und erreichen eine Spanne von 1266 DM. Am preiswertesten sind die Direkt-Broker mit Fimatex (559 DM) und Pulsiv.com (564 DM) an der Spitze. Weniger als 600 DM Jahreskosten sind auch bei Netbank (581 DM) zu erreichen, wenn das Wertpapierkonto zugleich als Gehaltskonto genutzt wird, ansonsten erhöht sich die Jahresmarge auf 884 DM. Die GebĂŒhren bei Entrium, Consors, 1822direkt, Direkt Anlage Bank und Comdirect liegen im Bereich zwischen 600 und 700 DM pro Jahr. Ăbrigens: Entrium verlangt als einziges der untersuchten Geldinstitute eine Mindesteinlage (1000 DM). Mit 709 DM schneidet von den Sparkassen die Stadtsparkasse DĂŒsseldorf am besten ab.
Relativ teuer sind die GroĂbanken: Dresdner Bank (1004 DM), HypoVereinsbank (1020 DM), Deutsche Bank 24 (1138 DM), aber auch die Frankfurter Sparkasse (1368 DM: die Inanspruchnahme ihres Direktbankablegers 1822direkt kostet dagegen mit 669 DM weniger als die HĂ€lfte) sowie die Stadtsparkasse MĂŒnchen (1458 DM). Einsamer Spitzenreiter bei den Kosten ist die Commerzbank: Hier muss unser Testkunde 1825 DM pro Jahr bezahlen.
Intraday-Handel
Das Schlagwort des modernen Brokerage heiĂt âIntraday-Tradingâ, wobei nicht ein Handel, der im Laufe eines Tages abgeschlossen wird, gemeint ist, sondern das Ausnutzen der Schwankungsbreite von Kursen innerhalb eines Tages durch vielfache Orders (auch des gleichen Wertpapiers), die im Zeitraum von Sekunden oder Minuten vollzogen werden. Technische Voraussetzungen fĂŒr den Kurzfristhandel sind eine störungsfreie Verbindung zum Broker, die sofortige Weiterleitung der Order an die Börse, nach AusfĂŒhrung des Auftrags die schnelle Aktualisierung des Portfolios und nicht zuletzt Kursinformationen in Echtzeit.
Gleich vorweg: Web-Intraday-Trading als punktgenaues Reagieren auf Kursschwankungen ist hier zu Lande noch lĂ€ngst nicht ausgereift, abgesehen davon, dass nicht einmal alle Direkt-Broker diesen Service anbieten. Achtung: Bei jenen erwarte man keinesfalls, dass eine Order sofort ausgefĂŒhrt wird, entsprechend verzögern sich Umsatzauskunft und Depotbestandsaktualisierung. Letzteres kann bis zu zwei Tagen dauern, das ist der zeitliche Rahmen, den der Gesetzgeber fĂŒr die Lieferung und Zahlung von Wertpapiertransaktionen vorgegeben hat. Kein Vergleich zu US-Discountern, die OrderausfĂŒhrungen in kĂŒrzester Zeit garantieren - etwa Datek innerhalb von 60 Sekunden, andernfalls ist die Order kostenfrei.
Auch die angeblich intraday-fĂ€higen Broker - bei denen in der Werbung Orders geradezu spielend leicht und blitzschnell vonstatten gehen - haben realiter ihre Probleme mit dem Echtzeithandel. Die Direkt Anlage Bank beispielsweise definiert börsliches Intraday-Trading bescheiden als Kauf und Verkauf von Positionen innerhalb eines Tages; wĂ€hrend der so genannte âDAB-Sekundenhandelâ auĂerbörslich mit speziellen Handelspartnern stattfindet. Auch Pulsiv.com macht wirklichen Echtzeithandel (ohne Kontakt mit einer Börse) allenfalls ĂŒber kursstellende Makler möglich. Bei Consors stehen dem Kunden nach RĂŒckmeldung des AusfĂŒhrungskurses die Erlöse fĂŒr weitere GeschĂ€fte zur VerfĂŒgung, innerhalb eines welchen Zeitraumes die RĂŒckmeldung des AusfĂŒhrungskurses spĂ€testens gemeldet wird, darĂŒber schweigt sich Consors aus. Kurzum: Wer glaubt, bei deutschen Online-Brokern ĂŒbers Internet blitzschnelle GeschĂ€fte Ă la US-Broker tĂ€tigen zu können, befindet sich auf dem Holzwege.
Hinsichtlich der Depotaktualisierung liegt ebenfalls noch einiges im Argen: So lĂ€sst die Commerzbank Intraday-Trading zu, aktualisiert das Orderbuch auch sofort nach einer Transaktion, das Depot allerdings erst ĂŒber Nacht, und um Echtzeitkurse hat sich der Anleger selbst zu kĂŒmmern. In Sachen prompter Kursversorgung erhalten Daytrader bei Comdirect und Deutsche Bank 24 mehr, die Depots aber werden auch nur im Tagesrhythmus abgeglichen; Hamburger Sparkasse, BHW Direktbank und Citibank nutzen dafĂŒr gar die gesetzliche Zeitspanne von zwei Tagen voll aus.
Von den Direkt-Brokern bezeichnen sich Consors, Direkt Anlage Bank, Entrium, Fimatex und Pulsiv.com als intraday-fĂ€hig; alle bringen das Depot nach jeder Order auf den neuesten Stand - das kann schon etwas dauern. Ăbrigens: Im Brokerage-Applet von Consors stehen dann Kassa-Kurse, die einmal pro Tag festgelegt werden. Wenigstens gibt es bei den gerade erwĂ€hnten Brokern separat Echtzeitkurse, zuweilen in begrenzter, dennoch ausreichender Zahl. Pulsiv.com entledigt sich der Echtzeitkursanfragen ĂŒber einen Link zu Finanztreff.de.
Fimatex hĂ€lt fĂŒr Daytrader neben dem Web-Trading (1000 Echtzeitkursabfragen) auch GeschĂ€fte ĂŒber eine spezielle Handelssoftware (Global Trading System, GTS) mit automatischer Kursaktualisierung bereit. Das Programm nutzt einen eigenen Port und leitet Orders direkt an den Xetra-Computer weiter; BestĂ€tigungen kommen innerhalb kĂŒrzester Zeit, der direkte Blick ins Orderbuch ist möglich. Das Ganze hat seinen Preis: 0,09 Euro (ca. 18 Pfennig) pro Minute.
Sicherlich ist Intraday-Trading eine verfĂŒhrerische Art zu spekulieren, die schnell zu Gewinnen und mindestens genauso schnell zu Verlusten fĂŒhren kann. Zum Schutz von Kleinanlegern will das Bundesaufsichtsamt fĂŒr Wertpapierhandel daher sowohl die Broker als auch die Anleger zukĂŒnftig verpflichten, vor dem Intraday-Trading einen finanziellen Rahmen abzustecken. Zudem sollen die Institute die Anleger monatlich auf aufgelaufene Verluste aufmerksam machen.
Kurse/Charts
Zeitlich verzögerte Kurse (in der Regel mit 15-minĂŒtiger VerspĂ€tung) werden von fast allen Brokern in groĂer Zahl zur VerfĂŒgung gestellt. Bei Dienstleistern mit Intraday-Trading-Angebot gehören - wie gesagt - Echtzeitkurse zum Pflichtrepertoire, doch auch die anderen Institute sollten sich Gedanken machen, ob sie ihr Kursangebot nicht dahingehend erweitern. Noch geizen generell Sparkassen und Volksbanken (von Indizes abgesehen) mit Echtzeitkursen. Auch Commerzbank, BfG Bank, Allgemeine Deutsche Direktbank, BHW Direktbank, HypoVereinsbank und Netbank mĂŒssen hier passen. Advance Bank und Dresdner Bank liefern keine Echtzeitkurse via Internet, wer hier auf dem Laufenden sein will, muss zum Telefonhörer greifen.
Die Einrichtung einer so genannten âWatchlistâ, ĂŒber die man auf dem Server des Brokers die Kursentwicklung (verzögerte Werte) ausgewĂ€hlter Papiere beobachten kann, ist mit Ausnahme der Frankfurter Sparkasse, Dresdner Bank und der Commerzbank bei allen von uns untersuchten Instituten möglich. Ăberhaupt fehlt bei der Commerzbank jegliches Kurs- und Chartangebot, erst ab Oktober dieses Jahres will man solcherart Angebote offerieren. Ansonsten halten alle anderen Institute Charts bereit, die von der Tagesgrafik bis zu historischen 10-Jahres-Charts reichen können.
In puncto Chartanalyse mit Hilfe von Indikatoren gibt es bei der Berliner Volksbank und der BfG Bank ĂŒberhaupt nichts. Die Advance Bank lĂ€sst gerade noch die Anzeige von UmsĂ€tzen in der Grafik zu. Bei den anderen Instituten erhĂ€lt man mindestens gleitende Durchschnitte; mehr als ein halbes Dutzend Banken setzt den Java Trader von Teledata ein, der in seiner FunktionalitĂ€t zwar an ein Börsenprogramm heranreicht, aber separat und langsam arbeitet. Vorbildlich ist das Analyse-Instrumentarium bei Consors und Comdirect.
Erreichbarkeit
Filialbanken lassen sich im Notfall sogar zu FuĂ erreichen, doch was nĂŒtzen bei Online-Brokern gĂŒnstige Konditionen und all die anderen Vorteile, wenn man sie nicht kontaktieren kann. Wie es um deren VerfĂŒgbarkeit bestellt ist, haben wir gemessen. Zu bedenken ist dabei, dass der Messzeitraum in einer der ruhigsten Phasen des Börsenjahres gelegen hat. Ganz anders kann es in kritischen Situationen aussehen, wie die Masse der Kleinanleger im FrĂŒhjahr dieses Jahres erfahren musste.
Alle Messungen wurden im Auftrag von c't durch die Firma Zott im geschĂŒtzten Bereich der Bankserver durchgefĂŒhrt: Mitte August, eine Woche lang, rund um die Uhr, in AbstĂ€nden von 15 Minuten. Bei Banken, die beim Login HTML-Formulare verwenden, galt die Zeit zwischen dem Abschicken von Daten und der entsprechenden RĂŒckmeldung als Messkriterium. Bei Banken, die mit Java-Applet arbeiten, wurde die Zeit fĂŒr das Laden des Applets ermittelt. Werte aus beiden Verfahren (HTML-Formular versus Java-Applet) sollte man nicht direkt miteinander vergleichen; zwar dauert das Laden des Applets lĂ€nger als das des HTML-Formulars, anschlieĂend aber verlaufen Transaktionen mittels Applet gewöhnlich schneller. Die Werte geben eine grobe AbschĂ€tzung darĂŒber, wie gut und schnell ein Online-Broker erreichbar ist, wobei Verzögerungen auch auf externen LeitungsengpĂ€ssen beruhen können, die auĂerhalb der Verantwortung eines Finanzinstitutes liegen.
Der ruhigen Börsenphase entsprechend, lieĂen sich alle Broker relativ problemlos erreichen. Die höchste Fehlerquote gab es mit 4,3 Prozent bei der Netbank. Im Durchschnitt am schnellsten verlief der Login-Prozess bei Entrium, am langsamsten bei der Netbank. Notabene: Ladezeiten ĂŒber 60 Sekunden wurden zusĂ€tzlich als Fehler gewertet.
Sicherheit
Noch verwenden nur die wenigsten Banken den Sicherheitsstandard HBCI (Homebanking Computer Interface) in der Version 2.1, ab der erst HBCI-Brokerage stattfinden kann. Wenn hierbei der SignaturschlĂŒssel statt auf einer auslesbaren Diskette in einer Smartcard gespeichert ist, dĂŒrfte eine sehr hohe Sicherheitsstufe erreicht sein.
Beim PIN/TAN-Verfahren gelangt man mit der Persönlichen Identifikationsnummer (PIN) in den geschĂŒtzten Bereich des Bank-Webservers. Kommunikation findet dort verschlĂŒsselt ĂŒber die in den Browsern eingearbeitete Krypto-Technik SSL mit 128 Bit statt. Manche Banken lassen zusĂ€tzlich noch ein Java-Applet laufen, welches die SSL-Standard-Kryptographie nochmals verstĂ€rkt.
Gleichwohl droht Gefahr von âTrojanischen Pferdenâ, die sich auf dem heimischen Rechner einnisten und gezielt Tastatureingaben, etwa die von PIN oder Transaktionsnummern (TANs), ausspĂ€hen und an Dritte weiterleiten können. Allerdings nĂŒtzt eine abgehörte TAN wenig, da sie ja sofort nach Gebrauch ihre GĂŒltigkeit verliert. Es mĂŒsste demnach auch noch die zur TAN gehörige Transaktion abgefangen und ĂŒber einen eigenen Internet-Server in einer Man-in-the-Middle-Attack jedem der beiden Kommunikationspartner, Kunde und Bank, vorgegaukelt werden, der jeweils andere zu sein. Ein Verfahren, das sich nur mit hohem Aufwand betreiben lieĂe, aber grundsĂ€tzlich nicht ausgeschlossen werden kann. Gleichwohl darf man der Kombination PIN/TAN ebenfalls eine hohe Sicherheitsstufe zuschreiben.
Von den beiden Banken, die HBCI einsetzen, verwendet die BfG Bank HBCI 2.1 mit RSA-Smartcard; die Hamburger Sparkasse hingegen nur HBCI 2.01 (mit Diskette), ermöglicht WertpapiergeschÀfte aber dann mit dem Programm S-Connect - demnÀchst will man serverseitig auf HBCI 2.1 umstellen.
Der Rest der getesteten Institute arbeitet mit PIN und TANs - bis auf drei Ausnahmen: Direkt Anlage Bank, Entrium und Fimatex. Diese drei begnĂŒgen sich ausschlieĂlich mit einer PIN (ohne TANs) - eine wirklich fragliche Geschichte bei FinanzgeschĂ€ften, auch wenn argumentiert wird, dass sich Abbuchungen nur zu einem bestimmten Referenzkonto vor-nehmen lassen. Doch man stelle sich einen missgĂŒnstigen Kollegen vor (Statistiken besagen, dass Homebanking ĂŒberwiegend vom BĂŒro aus betrieben wird), welcher mit besagten Mitteln eine PIN ausgespĂ€ht hat und dann auf dem Fremdkonto wĂŒste SpekulationsgeschĂ€fte ausfĂŒhrt, die unweigerlich in einem Totalverlust enden.
In diesem Zusammenhang noch ein paar SĂ€tze zu First-e, einer reinen Internetbank, die demnĂ€chst auch Online-Broking anbieten wird. Hier bekommt man die TAN-Liste per verschlĂŒsselter E-Mail zugesandt. Die PIN, die zur EntschlĂŒsselung nötig ist, lieĂe sich prinzipiell - siehe oben - abfangen, die auf dem Rechner abgelegte TAN-Liste lesen und das Konto bequem leer rĂ€umen, zumal von einem First-e-Konto auch Buchungen ins Ausland möglich sind.
Jeder, der Internet-Broking macht, sollte sich der bestehenden Gefahren bewusst sein, und - im wahrsten Sinne des Wortes - mit vermehrter Vorsicht das Seine tun, um den eigenen Rechner âsauberâ zu halten.
Fazit
Das Online-Brokerage-Angebot ist breiter geworden, und wenn Konkurrenz den Markt belebt, dann sollten sich die deutschen Finanzdienstleister umgehend den US-Brokerage-Markt anschauen, um zu sehen, was es wirklich heiĂt, BörsengeschĂ€fte via Internet in Echtzeit anzubieten. Traurig, aber wahr: Von börslichem Sekundenhandel ĂŒbers Web kann hier zu Lande kaum die Rede sein.
Was den inlĂ€ndischen Vergleich angeht, da haben die Direkt-Broker in Sachen Preis, OrderausfĂŒhrung und Echtzeitkursversorgung die Nase vorn; einige Sparkassen holen auf, wĂ€hrend die groĂen Privatbanken eher im Mittel- und Schlussfeld zu finden sind. Dort könnten sie womöglich bleiben, sofern die Direkt-Broker (die Advance Bank macht den Anfang) auch noch Beratung anbieten. Denn dies dĂŒrfte zukĂŒnftig, insbesondere im kaum noch ĂŒberschaubaren Neuen Markt, eine wesentlich gröĂere Rolle als bisher spielen. Doch wie sagte AndrĂ© Kostolany: âBörsenerfolg ist eine Kunst und keine Wissenschaft.â
Literatur
[2] Spiegel online vom 6. 9. 1999
[3] Heise-Newsticker vom 10. 8. 2000 (ae)