Abgekupfert

Vor rund 14 Jahren hat die Networld+Interop das Licht der Welt erblickt. Damals wurde die Konferenz von der amerikanischen Regierung gesponsert, und man benötigte eine spezielle Einladung. Wissenschaftler sollten Unternehmen über die Vorzüge des TCP/IP-Protokolls aufklären. Sie haben offensichtlich gute Arbeit geleistet, denn heute bezweifelt wohl niemand mehr den Erfolg von IP-Netzwerken.

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Von
  • Dr. Sabine Cianciolo

Auf der diesjährigen amerikanischen Herbstausgabe der Networld+Interop (N+I) Messe in Atlanta drehten sich die Themen wieder hauptsächlich um Netzwerk-Prozessoren und -Sicherheit. In der Beziehung hat sich also im Vergleich zur letzten Veranstaltung in Las Vegas wenig geändert. Weiterhin sind Produkte für Verbindungen mit 1 Gigabit/s über Kupferkabel (CAT-5) stetig auf dem Vormarsch und laufen den Glasfaser-Varianten den Rang ab - zumindest im LAN-Bereich. Die Nachfrage für Gigabit-über-Kupfer-NICs (Network Interface Cards) ist groß, sie sind wesentlich kostengünstiger als Gigabit-über-Glasfaser-NICs. Zu den derzeitigen Anbietern von Gigabit-Ethernet-NICs für Kupferkabel zählen zum Beispiel Alteon, Intel, Sun und SysKonnect.

Chip-Hersteller wie Broadcom sorgen dafür, dass die Preise für diese Adapter weiter fallen werden. Die Firma stellte auf der N+I einen neuen 10/100/1000Base-T-Gigabit-Ethernet-Transceiver mit zwei Ports vor, der nur 1,8 Watt pro Port verbraucht. Beim BCM 5402 handelt es sich um einen im 0,18-Micron-Verfahren produzierten CMOS-Chip. Laut Angaben von Broadcom bietet der Transceiver den derzeit höchsten Grad an Integration, der eine kosteneffektivere Implemen-tation in Ethernet-Switches, Routern und Dual-Port-Adap-ter-Karten erlaubt. Aufgrund des niedrigen Stromverbrauches benötigt der Chip keine speziellen Kühlelemente oder Lüfter. Außerdem hat Broadcom den Chip mit zusätzlichen Stromspar-Features ausgestattet: dynamische Reduzierung der Leistung in Abhängigkeit von der Geschwindigkeit der Verbindung und der Kabel-Eigenschaften. Testmuster des BCM5402 sind bereits erhältlich, die Massenproduktion soll Ende Oktober anlaufen.

Im Bereich der Netzwerk-Prozessoren (NPs) tummeln sich inzwischen eine ganze Reihe von Firmen, darunter etwa Motorola/C-Port, Intel, MMC Networks, Lucent/Agere, IBM und Galileo. Motorola kündigte unter anderem einen neuen Verschlüsselungs-Prozessor und einen PowerPC 4 für Embedded-Anwendungen an, die sich mit dem NP von C-Port ergänzen.

Ein viel versprechender Neueinsteiger im NP-Markt ist XStream Logic aus dem kalifornischen Los Gatos. Die Firma nutzte die N+I, um abseits des Messerummels in einer Hotel-Suite einen ersten Einblick in ihr NP-Kern-Design XCaliber zu geben. XStream konzentriert sich dabei auf die ‘intelligente’ Verarbeitung von Datenpaketen in den Netzwerk-Layern 4 bis 7 bei Datendurchsatzraten bis OC-192 (10 GBit/s). Die Firma verwendet eine Technologie namens ‘Dynamic Multi-Streaming’ (DMS), die es dem Prozessorkern ermöglicht, im Schnitt sechs Instruktionen pro Taktzyklus durchzuschleusen. Prozessoren für PCs oder Server bringen es hier in der Regel nur auf ein bis zwei Instruktionen pro Takt, da sie nicht für Netzwerk-Applikationen optimiert sind. XCaliber arbeitet mit einem MIPS-ähnlichen Befehlssatz und ist mit einem jeweils 64 KByte großen Befehls- und Daten-Cache ausgestattet. Für das Betriebssystem schloss man ein Abkommen mit Monta Vista Software, die eine optimierte Linux-Implementation und Linux-Development-Tools liefert. XStream ist derzeit noch in der Design-Phase und hat noch kein Silizium. Auf dem Microprocessor Forum Anfang Oktober in San Jose will man weitere Details der Architektur enthüllen.

Es gibt kaum noch eine Firma, die keine Website hat. Selbst wenn man nicht direkt an Endkunden verkauft, will man eine Verbindung zu Zulieferern, OEMs und anderen Firmenkunden, Bestellungen und Bezahlung übers Internet abwickeln. In diesem Zusammenhang ist die Verschlüsselung von E-Kommerz-Transaktionen ein extrem wichtiger Gesichtspunkt. Broadcom stellte auf der N+I einen neuen Verschlüsselungs-Prozessor vor: Der BCM5820-CryptoNET-E-Commerce-Prozessor bietet laut Broadcom eine 15-mal höhere Performance als heutige Software-Lösungen in einem einzigen hochintegrierten Chip, der bis zu 1000 Public-Key-Transaktionen pro Sekunde (1024 Bit RSA) berechnen kann. Neben SSL und Internet-Key-Exchange (IKE) beschleunigt der Chip ARCFOUR, 3DES und symmetrische DES-Algorithmen, unterstützt MD-5 und SHA-1 und besitzt einen Zufallsgenerator. Der Prozessor benötigt keine externen Kom-ponenten oder Speicher. Er ist Software-kompatibel mit Broadcoms anderen CryptoNET Chips. Laut Broadcom soll der Chip in größeren Stückzahlen rund 200 US-Dollar kosten und diesen November auf den Markt kommen.

Doch was nützt die Verschlüsselung von Daten und Transaktionen, wenn ein Eindringling im Gebäude an den Server herankommt, um beispielsweise Dateien zu kopieren? Oder Transaktionen unmöglich sind, weil der Server aufgrund einer technischen Störung nicht läuft? Für diese Fälle bietet die Firma Netbotz (www.netbotz.com) aus Austin eine Lösung: WallBotz und RackBotz. Netbotz zeigte auf der N+I ihre Familie von Netzwerk-Appliances, die Netzwerk-Equipment überwachen. Der WallBotz hat die Größe eines PalmPilot und wird an der Wand des jeweiligen Equipment-Raums montiert, während der RackBotz für den Einbau im Equipment-Rack gedacht ist. Beide sind mit einer Kamera und internen Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Lärm und Luftbewegung messen. Wenn einer oder mehrere der Parameter die zuvor eingestellten Schwellwerte überschreiten, schickt der Wallbotz oder RackBotz eine Warnung per E-Mail oder an einen Pager. Die eingebaute Kamera überwacht außerdem den Raum. Beide Geräte sind komplette Webserver-Systeme, die direkt ans Netzwerk angeschlossen werden und sich selbst konfigurieren. Alle Funktionen lassen sich jederzeit von jedem Internetzugang über einen Standard-Web-Browser einsehen und managen. Die NetBotz-Applicances können entweder als unabhängige Web-Server fungieren oder in größere Überwachungslösungen wie beispielsweise Tivoli eingebunden werden. RackBotz und WallBotz sollen im vierten Quartal dieses Jahre für 995 US-Dollar beziehungsweise 895 US-Dollar auf den Markt kommen.

Eine ähnliche Idee präsentiert Televoke aus San Francisco. Stellen Sie sich vor, Sie haben sich gerade eine nagelneue Luxuskarosse angeschafft und wollen sie vor Dieben schützen. Mit einem Televoke-fähigen Device lässt sich nicht nur die jeweilige Position des Fahrzeugs feststellen, sondern auch der Motor abschalten. Der Besitzer des Fahrzeugs kann sich telefonisch, per E-Mail oder Pager benachrichtigen lassen, wenn beispielsweise eine Autotür geöffnet wird. Televoke ist ein Application Service Provider (ASP). Die Firma liefert den Tracking-Service und stellt ihr umfangreiches Netzwerk zur Verfügung, während die eigentliche Tracking-Hardware von Partnerfirmen stammt.

Televokes Zielgruppe sind Sicherheitsdienste wie etwa SecuraTrak und andere Hersteller von Sicherheits- und Überwachungsequipment, die ihren Kunden einen zusätzlichen Service anbieten wollen. Die Überwachung beschränkt sich dabei nicht nur auf Gegenstände, sondern es könnten auch Personen mit einem Televoke-fähigen Device ausgerüstet werden. Die Geräte erlauben auf Wunsch die Kommunikation in beide Richtungen, der Enduser kann über das Device auch Befehle absetzen. Televoke verwendet einen XML-Layer, der zwischen der jeweiligen Anwendung und dem Überwachungsgerät sitzt. Bislang operiert Televoke nur in den USA, will den Service jedoch auch auf den europäischen Markt ausdehnen. Man sucht derzeit noch nach geeigneten Partnern. Weitere Informationen zu Televoke gibt es auf deren Website unter www.televoke.com. Die nächste amerikanische Networld+Interop Show findet vom 6.-11. Mai in Las Vegas statt. (wst) (wst)