Mobiles Geld
KĂŒnftig können Nutzer nicht nur per PC und Internet, sondern auch per Handy oder Palm Geld online ĂŒberweisen. Hersteller und Banken setzen jetzt vor allem auf UmsĂ€tze ĂŒber das Handy. Auf der âEuropean Banking Technology Fairâ in Frankfurt prĂ€sentierten sie die neuesten Trends.
- Christiane Schulzki-Haddouti
Laut dem Marktforschungsinstitut Forit herrscht derzeit eine groĂe Unsicherheit bei Anbietern und Kunden. Vollmundige AnkĂŒndigungen von Netzbetreibern und Bankanbietern wurden nicht eingehalten. Viele Banken warten deshalb ab, wie sich die Akzeptanz bei den Kunden entwickelt. Vor allem technische Umsetzungsschwierigkeiten fĂŒhrten zu dieser Situation. Forit geht jedoch davon aus, dass sich die Situation schnell Ă€ndern wird, sobald schnelle, einfach anwendbare und ausgereifte Angebote verfĂŒgbar sind. 25 fĂŒhrende Bankanbieter, die das Institut befragte, gehen davon aus, dass bereits Ende 2001 nahezu alle verkauften Mobiltelefone, WAP- beziehungsweise internetfĂ€hig sind. Im Jahr 2005 sollen dann allein in Deutschland 22,5 Millionen Mobilfunkkunden Finanzdienstleistungen ĂŒber mobile GerĂ€te nutzen wollen.
| Laut Forit wollen bis zum Jahr 2005 in Deutschland 22,5 Millionen Mobilfunkkunden Finanzdienste nutzen. |
Wege zur Börse
Erfolg versprechende Anwendungen sehen die Entwickler im Online-Aktienhandel. Die Stuttgarter Brokat AG stellte eine so genannte E-Brokerage-Suite mit mehr als 150 Funktionen von der Depotverwaltung und -analyse bis zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren vor. Sie baut auf der Plattform âTwisterâ auf. Verschiedene Module sorgen dafĂŒr, dass die Kunden per Internet, Call-Center oder WAP-Handy rund um die Uhr Aktien handeln können. UnterstĂŒtzt werden verschiedene Zahlungsarten wie Kreditkarte, Lastschrift, Geldkarte und Prepaid-Konten.
Eingesetzt wird die Brokat-Software beispielsweise bei der Stuttgarter Telecash Kommunikations-Service GmbH. Sie bietet Online-HĂ€ndlern im Rahmen ihrer âClick & Pay-Lösungenâ fĂŒnf Bezahlformen an: Kreditkartenzahlungen per 128-Bit-SSL-VerschlĂŒsselung, per SET-Standard (âSecure Electronic Transactionâ nach dem SchlĂŒssel/Schloss-Prinzip wie bei PGP), per Geldkarte, mit Kundenkarte und per Lastschrift. Dem Kunden stehen damit mehrere Bezahloptionen zur VerfĂŒgung.
| Der SchlĂŒssel/Schloss-Mechanismus bei der Kommunikation im SET-Standard Ă€hnelt dem PGP-Prinzip. |
WĂ€hlt der Kunde âKreditkarte SSLâ, wird er mit dem Telecash-Payment-Gateway verbunden. Die Telecash fragt im HĂ€ndlersystem an, ob die Bestellung da ist. Wenn die Informationen im HĂ€ndler- und Kundensystem identisch sind, ist der HĂ€ndler vor Manipulationen im Warenkorb geschĂŒtzt und der Bezahlvorgang kann fortgesetzt werden. Telecash ĂŒbermittelt dann ĂŒber ein Java-Applet das zur Bezahlung nötige Wallet. Das Wallet zeigt den Warenkorb mit der Ware sowie den gesamten Preis. Der KĂ€ufer ist jetzt ĂŒber eine 128-Bit-VerschlĂŒsselung mit dem Bezahlsystem verbunden. Er trĂ€gt in ein Formular seine Kreditkarten-Informationen ein, die dann an das Telecash-Payment-Gateway ĂŒbermittelt werden. Telecash reicht die Daten an die entsprechende Bank weiter.
Brokat-Konkurrent Netlife aus Hamburg setzt ebenfalls auf das so genannte E-Brokerage. Bei seinem System handelt es sich um ein plattformunabhĂ€ngiges Transaktionssystem, da der Server fĂŒr die Anwendungen Java-Standards implementiert. Netlife lieferte die Technologie bereits an die Postbank Easytrade AG, die zum fĂŒhrenden Anbieter im Wertpapierhandel ĂŒber das Internet werden will. So will die Postbank bereits zum Ende des GeschĂ€ftsjahres 250 000 aktive Depots verwalten.
Zahlen fĂŒr Musik
Netlife hat ebenfalls ein sicheres Internetzahlungssystem entwickelt, das Sony bereits fĂŒr ein Musikportal benutzt. Dort können Nutzer digitale Songs aus dem Netz laden und online mit verschiedenen WĂ€hrungen bezahlen. Dabei identifiziert und autorisiert ein System den Kunden, prĂŒft die BonitĂ€t, gibt die Zahlung frei und bestĂ€tigt den Kauf. âManipulationen sind ausgeschlossenâ, behauptet Netlife. Die Musikindustrie ist auf Erfolg dringend angewiesen, da ihr seit dem Siegeszug des Internet zunehmend KĂ€ufer weglaufen. Ein einfaches, schnelles Bezahlsystem könnte sich neben einem geschickten Marketing als entscheidender Faktor herausstellen. Gelingt es der Musikbranche, sich mit derartigen Angeboten durchzusetzen, dĂŒrften schnell auch Verlage mit Online-Artikeln folgen.
Auf Kredit
Da das Risiko fĂŒr GeschĂ€fte mit der Kreditkarte grundsĂ€tzlich nicht beim Kunden liegt, stehen die Chancen fĂŒr die Online-Kreditkarte denkbar gut. Allerdings konnte sich der dazugehörige SET-Standard noch kaum durchsetzen. Netlife hat daher fĂŒr SET etwas entwickelt, um die Akzeptanz bei den Nutzern zu erhöhen, die SET bislang als zu kompliziert empfanden. David Wheeler, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Netlife-Niederlassung in SĂŒdafrika, sieht vor allem in der âClient-Wallet-Technologie das gröĂte Hindernis fĂŒr den Erfolg von SET-basierten Transaktionenâ. Normalerweise muss man sich das so genannte SET-Wallet, eine elektronische Geldbörse, auf den PC laden. Dieses Wallet nimmt zwischen fĂŒnf und zehn Megabyte Speicherplatz ein. FĂŒr Handys ist das schon zu viel.
Netlife hat deshalb ein dĂŒnnes Wallet mit einem Speicherbedarf von circa 50 Kilobyte entwickelt, das als Plugin per Download in den Browser geladen werden kann. Es enthĂ€lt Informationen, die den Browser zum wirklichen Wallet umleiten. Dieser befindet sich dann auf einem sicheren Server der sĂŒdafrikanischen Zertifizierungsinstanz SACA. SACA seinerseits arbeitet mit der Technologie von Verisign, dem weltweit fĂŒhrenden Anbieter von digitalen Zertifizierungsdienstleistungen. Der Server ist vor allem fĂŒr HĂ€ndler und Kreditkartenunternehmen von Vorteil, da er per digitaler Zertifikatsauthentifizierung feststellt, ob der HĂ€ndler es mit dem echten Karteninhaber zu tun hat. (bb) (bb)