Spaßduell im Wohnzimmer

Das Arbeitszimmer, in dem der PC steht, ist nicht gerade die beste Umgebung für einen netten Spieleabend. Gemütlicher ist es im Wohnzimmer, wo die meisten Konsolen ihr Zuhause haben. Keine Konfiguration, keine widerspenstigen Betriebssysteme - Cartridge, CD oder DVD rein, und der Spielspaß geht los. Das ist das Motto der Spielkonsolen.

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Inhaltsverzeichnis

Gerade zur Weihnachtszeit mischen sich mehr und mehr die Konsolen in die Prospekte der Kaufhäuser und Computerhändler. Wer mit dem Gedanken spielt, einen neuen Rechner zu kaufen, aber hauptsächlich auf Spielspaß Wert legt, mag sich da fragen, ob eine Spielkonsole nicht die preisgünstigere und weniger problematische Lösung darstellt.

Auf den ersten Blick sind die Konsolen im Vorteil, denn sie kosten nur einen Bruchteil eines gut ausgerüsteten Spiele-Rechners. Selbst die gerade in den Handel gekommene Playstation 2 ist mit stolzen 870 Mark im Vergleich noch günstig. Ebenso locken sie mit Plug-and-Play im wahrsten Sinne des Wortes: einfach auspacken, anschließen und loslegen. Nicht zusammenpassende Treiber, Abstürze oder Spiele mit unterschiedlichen Hardware-Anforderungen sind den Fans der Daddelkisten fremd. Die Spielesoftware ist optimal auf die jeweilige Plattform angepasst und reizt diese in der Regel recht gut aus - wenn auch die Entwickler sich meist erst im Laufe der Zeit an das Ausreizen der besonderen Fähigkeiten neuer Konsolenhardware herantasten.

Der Grund dafür ist einfach: Die Hardware der Konsolen ist fest vorgegeben. Jeder Besitzer benutzt den gleichen Prozessor, hat gleich viel RAM, die gleiche Grafik und mindestens ein einheitliches Eingabegerät. Dieser Vorteil hat aber auf lange Sicht gesehen auch einen Nachteil, denn wie man am Beispiel der nunmehr fünf Jahre alten Ur-Playstation sehen kann, sind die Grenzen des Machbaren irgendwann erreicht. Dann heißt es, das gesamte System auszutauschen. Schrittweises Nachrüsten wie beim Mac oder PC ist hier nicht möglich.

Gerade die Grafikfähigkeiten der Konsolen werden meist skeptisch beäugt. Die maximale Auflösung der Konsolen orientiert sich am Fernsehbild und ist deshalb auf maximal 768 x 576 Bildpunkte beschränkt. Ein Fernseher stellt das Bild aber ohnehin recht unscharf dar, sodass die geringe Auflösung nicht so pixelig und grob wirkt wie an einem Desktop-Rechner. Großer Vorteil dabei ist, dass die Konsolen keine Rechenzeit in aufwändiges Kantenglätten (Anti-Aliasing) investieren müssen - das liefert der Fernseher durch die Unschärfe ganz von allein. Zudem sucht die Bildschirmgröße der meisten Fernseher im Computerbereich ihresgleichen. Selbst ein 21"-Monitor (das entspricht etwa 53 cm) ist seltener in den Haushalten zu finden, als ein Fernseher mit 70 cm Bilddiagonale. Der Spieler erlebt ein komplett anderes Spielgefühl, denn er taucht durch das größere Bild tiefer ins Geschehen ein.

Aber nicht nur auf der technischen Seite unterscheiden sich die Spielplattformen, auch das Softwareangebot hat unterschiedliche Schwerpunkte. Auf den Konsolen dominieren die Action-Titel vom Autorennen über Jump-and-Run-Titel bis zum Beat’em-Up-Spiel à la Tekken. Simulationen, epische Adventures sowie Rollen- und Strategiespiele sind dagegen eher die Domäne der Desktop-Rechner. Bei diesen Spielen kommt es überwiegend auf Tastatur- und Mausbedienung an. Für einige Konsolen kann man entsprechendes Zubehör zwar dazukaufen, da aber nur wenige von diesen Optionen Gebrauch machen, lohnt sich eine Konsolen-Umsetzung für die Spielehersteller kaum. Umgekehrt gibt es zwar auch Action-Titel für Windows-PCs und Macs, wesentlich verbreiteter sind sie aber auf den Konsolen. Richtig Spaß machen solche Spiele ohnehin nur mit zwei oder mehr Spielern gleichzeitig. Hier haben die Konsolen die Nase vorn, denn mehrere Controller können problemlos angeschlossen werden - und zwar ohne hinter den Schreibtisch krabbeln oder gar eine neue Interface-Karte erwerben und installieren zu müssen.

Mit den Daddelkisten kommt man also einfacher und schneller zum Action-Spaß. Wer sich dann letztendlich zum Kauf einer Konsole entschlossen hat, steht vor der großen Frage: Welche ist denn nun die richtige?

Sonys Playstation gehört im ersten Aufguss - mittlerweile in neuem Gehäuse unter dem Namen PSOne im Handel - schon zu den Veteranen unter den Konsolen. Seit fünf Jahren hat sich außer dem äußeren Erscheinungsbild nichts verändert. Gerade deswegen existieren für dieses System aber die meisten Spiele. In Bezug auf die Spielbarkeit der Titel kann sich die Qualität durchaus noch sehen lassen, verglichen mit den Grafikfähigkeiten der neueren Geräte fällt das Alter der Hardware aber deutlich ins Auge. Die PSOne ist mit rund 250 Mark das günstigste Gerät und ist deshalb ein preiswerter Einstieg in die Konsolenwelt. Über kurz oder lang wird man aber mit einem moderneren Gerät liebäugeln.

Mit wesentlich mehr Leistung kommt der mittlerweile auch in Deutschland erhältliche Nachfolger Playstation 2 daher. Die Grafikfähigkeiten hat Sony enorm aufgestockt, die Tonausgabe um DTS- und Dolby-Digital-Fähigkeiten erweitert und zu guter Letzt kommt sie nun im wohnzimmertauglichen schwarzen Edel-Design daher. Für einige nur ein Bonus, für andere der eigentliche Grund, diese Konsole zu kaufen, ist die Möglichkeit der DVD-Wiedergabe über den Fernseher. Aber ebenso stolz wie das Gehäuse hat Sony den Preis gestaltet: Rund 870 Mark möchte der japanische Mediengigant für die PS2 sehen. Zusammen mit einer Speicherkarte, einem zweiten Controller und einem Spiel landet man dann schnell bei 1100 Mark - nicht gerade die Summe, die man alljährlich für ein Weihnachtsgeschenk ausgibt.

Die Auswahl der Spiele ist bisher aber noch recht begrenzt: Ungefähr 26 Spiele sollen zum deutschen Start verfügbar sein, darunter oftmals nur eine Neuauflage altbekannter PSOne-Spiele [1]. Prominentes Beispiel ist der Prügelklassiker ‘Tekken Tag Tournament’, der zwar mit dem Teamspiel eine neue Variante mitbringt, ansonsten aber weitgehend den Vorgängern gleicht. Vom Äußeren wurde das Spiel allerdings merklich aufpoliert, hier zeigt sich die neue Grafikhardware von ihrer besten Seite.

Wer von einer alten Playstation umsteigt, mag anführen, dass die alten Spiele schließlich auch mit der neuen Konsole laufen und deshalb die alten Investitionen nicht vergebens waren. Das stimmt zwar, ist aber nur eingeschränkt richtig, denn sobald man einmal die überwältigende Grafik der neuen Playstation erlebt hat, mag man sich nicht mehr mit der pixeligen Grafik des Vorgängers begnügen.

Den Mangel an neuen, die Konsole ausreizenden Spielen sollte man allerdings nicht überbewerten. Bei Konsolen ist es völlig normal, dass die erste Spielegeneration nur einen Bruchteil des Hardwarepotenzials ausschöpft und bei Details und Rahmenhandlung Mängel aufweist. Schon bei Playstation und N64 ließ sich beobachten, dass die wirklichen Topspiele erst nach etwa einem Jahr auf den Markt kamen.

Eine bittere Pille, die Playstation-Fans zu schlucken haben, ist Sonys Ankündigung, die Spiele nicht mehr als Verleihtitel in den Videotheken anzubieten. So entfällt die bisherige Möglichkeit, ein Spiel ausgiebig Probe zu spielen.

Ein eingebautes Modem bietet die PS2 im Unterschied zu Segas Dreamcast nicht, wohl aber die Möglichkeit, mehrere Konsolen per FireWire miteinander zu vernetzen. Auch die alte Playstation bot anfangs eine proprietäre Netzwerk-Option zum Verbinden zweier Konsolen, genutzt wurde sie allerdings so gut wie nicht, denn wer mag schon seinen Fernseher aus der Schrankwand ausbauen und zum Nachbarn schleppen?

Unterm Strich ist die PS2 eine verlockende Konsole, momentan aber noch recht teuer. Bei diesem Preis lohnt sich die Anschaffung nur, wenn man ohnehin einen DVD-Player sowie eine Spielkonsole kaufen will.

Seit Herbst 1999 ist Segas Dreamcast [2] erhältlich. Anfangs wurde vor allem die Online-Fähigkeit der Konsole beworben: Zur Spielkonsole gehört neben einem GameController, einer Demo-CD und einem eingebauten V.34-Modem (bis zu 33,6 kBit/s) auch Software für den Internet-Zugang. Besitzer eines ISDN-Anschlusses benötigen zudem einen Terminaladapter, um mit der Dreamcast zu surfen - eine ISDN-Variante der Konsole gibt es nicht. Legt man die mitgelieferte CD ‘Dream Key’ ein, baut die Konsole eine Internet-Verbindung auf. Nach einer einmaligen Anmeldeprozedur erhält man neben dem Webzugang auch eine eigene E-Mail-Adresse. In Deutschland hat Sega den Internet-Zugang über Viag Interkom realisiert. Die Call-by-Call-Zugangsnummer (Vorwahl 0 10 90) ist fest einprogrammiert und nicht zu ändern. Wer keine solche Call-by-Call-Nummer verwenden kann, zum Beispiel weil er einen Telefonanschluss bei einem anderen Anbieter als der Telekom nutzt, bleibt daher unter Umständen außen vor. Über einen Arcor-ISDN-Zugang beispielsweise gelang die Einwahl nicht.

Der Web-Browser der Dreamcast macht dem PC sicher keine Surfer abspenstig. In dieser Funktion kann die Konsole zwar mit herkömmlichen Settop-Boxen durchaus konkurrieren, PC-verwöhnte Internet-Benutzer werden mit einem 640x480-Browser-Fenster im 50-Hz-Betrieb sicher nicht glücklich. Computerlaien hingegen finden mit der Dreamcast einen relativ problemlosen Einstieg in die Weiten des Internet.

Von den laut Werbung ‘sechs Millionen Spielern’ ist aber im Netz bis heute noch nicht viel zu sehen. Zwar funktioniert der Online-Zugang mittlerweile problemlos, das erste Netzwerkspiel, das das Internet zu mehr als einer Online-High-Score-Liste nutzt, soll aber erst zu Weihnachten dieses Jahres erscheinen. ‘Quake III - Arena’ soll man dann über einen Sega-eigenen Spieleserver auch gegen Surfer in aller Welt spielen können.

Überdeutlich zeigten sich bei diesem Spiel aber die Fähigkeiten der Konsole: Mit überzeugender Geschwindigkeit fliegt die Grafik bei der Hatz durch die Labyrinthe des Ego-Shooters am Spieler vorbei. Dabei bleibt die Bildrate selbst mit fünf und mehr Gegnern auf dem Bildschirm konstant - eine Leistung, von der so mancher Besitzer eines Desktop-PC träumt. Die Grafik aktueller Spiele für die Dreamcast ist der der Playstation 2 ebenbürtig. Zwar kann sie weniger Polygone pro Sekunde auf den Bildschirm zaubern, dafür sind die Spiele aber schon weiter ausgereift und nutzen die Hardwarefähigkeiten besser aus als bei Sonys Konkurrenzprodukt.

Das merkt man auch an dem für Ende dieses Jahres angekündigten Spiele-Titeln, die vor allem mit neuen Ideen glänzen können. ‘Jet Set Radio’ soll beispielsweise Ende November ein neues Spielkonzept präsentieren, bei dem es, mit Inline-Skates und Sprühdose bewaffnet, gilt, das eigene Revier mit Graffitis zu markieren. Nicht ganz so neu, aber mit schöner Unterwassergrafik ausgestattet ist das Abenteuer-Spiel ‘Ecco the Dolphin’. Anstatt einer vollbusigen Amazone wie in ‘Tomb Raider’ steuert der Spieler einen Delphin durch die Weltmeere, um die Erde vor bösen Außerirdischen zu retten. Ebenfalls rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft sollen Walt Disneys ‘Dinosaurier’ den Sprung auf die Konsole schaffen. Wie auch im gleichnamigen Kinofilm gilt es, in bewährter Jump-and-Run-Manier einem Dinosaurier beim Bestehen von Abenteuern behilflich zu sein.

Generell verbucht die Dreamcast auf der Habenseite gegenüber der PS2 eine höhere Anzahl an Spielen. Diese kommen auf proprietären Gigabyte-CDs daher, Raubkopien sind deshalb bisher noch kein ernst zu nehmendes Thema für Sega und die Dreamcast-Spieleentwickler. Mit Video-DVDs kann die Dreamcast nichts anfangen, dafür ist sie mit rund 500 Mark auch soviel günstiger als die PS2, dass man sich einen preiswerten Stand-alone-DVD-Player dazukaufen kann.

Wer auf die DVD-Fähigkeiten der PS2 verzichten kann, eine größere Spiele-Auswahl bevorzugt und einen einfachen Internet-Zugang für den Blick auf die eine oder andere News-Site sucht, der sollte zur Dreamcast greifen.

Ebenso wie die Ur-Playstation ist auch Nintendos N64 schon etwas angegraut. 1996 sollte diese 64-Bit-Konsole eine Trendwende einläuten und den Mario-Erfindern helfen, an Sony verlorenen Boden gutzumachen. Nintendo setzte damals noch auf Cartridges, also ROM-Module. Diese haben aber im Vergleich zur CD oder DVD der Konkurrenten den Nachteil, dass sie teurer zu produzieren sind und wesentlich weniger Speicherplatz bieten, weshalb sich die N64 nicht gegen die Playstation durchsetzen konnte. Dies ist nach wie vor zu erkennen: Selbst Spiele aus der Anfangszeit der Konsole kosten heute noch bis zu 100 Mark. Die Titel der PSOne dagegen sind größtenteils in zweiter Auflage als so genannte ‘Platin-Edition’ für rund 50 Mark zu bekommen.

Die Grafik- und Sound-Fähigkeiten sind etwas besser als die der PSOne, aber im Vergleich zu den aktuellen Konsolen nicht mehr konkurrenzfähig. An das Abspielen von Audio-CDs oder gar Video-DVDs braucht man keinen Gedanken zu verschwenden. Ebenso wenig kann man die Konsole mit dem Internet verbinden. Trotz eines ähnlich geringen Einstiegspreises wie bei der PSOne wird man an dieser Konsole aufgrund der hohen Spielpreise nicht so viel Freude haben.

Wer plant, die Konsole als Ersatz für einen Spiele-PC zu erwerben, sollte zu Sonys Playstation 2 oder Segas Dreamcast greifen. Den entscheidenden Ausschlag mag dabei die DVD-Fähigkeit der PS2 geben. Die Anzahl der verfügbaren Spiele für Sonys neues Flaggschiff wird sich erfahrungsgemäß rasch erhöhen, sodass dieser Aspekt bei der Entscheidung eher zweitrangig sein sollte. (mst)

[1] Nico Jurran, Luxusspielzeug, Die Playstation 2 kommt nach Deutschland, c't 24/2000, S. 16

[2] Harald Bögeholz, Gerald Himmelein, Jürgen Schmidt, Spiel mit Träumen, Ein zweiter Blick auf Segas Spielkonsole Dreamcast, c't 25/1999, S. 140 (ole)